Tapio Liller
über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »UPDATE: Leider muss ich die Veranstaltung erstmal absagen, da sich für eine feste Locationbuchung nicht genügend Teilnehmer gefunden haben. Unternehmen, die eine individuelle Einführung in Twitter oder eine Erstberatung in Sachen Social Media wünschen, können das natürlich im Rahmen meiner “Online-PR-Sprechstunde” erhalten.
Ich biete am Dienstag, 16.6.09 in Frankfurt ein Kompaktseminar für PR- und Marketingverantwortliche an, die an einem Vormittag lernen wollen, was Twitter ist, wie es funktioniert, was der Microblogging-Dienst für Kommunikatoren bedeutet und wie Twitter im Mix der Marketing- und PR-Instrumente im Rahmen einer Social Media-Strategie eingesetzt werden kann.
Neben einer Einführung ins Thema wird es viele Praxisbeispiele und Raum zur Diskussion geben, da jeder Kommunikationsverantwortliche mit anderen Fragestellungen an das Thema herangeht.
Schnellentschlossene Leser dieses Blogs können 10% der Teilnahmegebühr sparen und für €152,10 (zzgl. USt.) dabei sein. Die ersten fünf Anmeldungen mit dem Rabattcode OSPR09OSEON erhalten bei der Anmeldung automatisch den Nachlass.
Beim Frankfurter MediaCoffee am gestrigen Abend (hier ein paar Versatzstücke des news aktuell-Bloggers und die Tweets vom Abend) saßen mal wieder ein paar Apologeten des so genannten “Qualitätsjournalismus” auf der Bühne und diskutierten mit Medienmahner Thomas Knüwer über die Medienkrise und wer von ihr wohl profitieren und wer durch sie wohl leiden möge. Thomas muss ich mal wieder hervorheben, weil er als einziger Diskutant die Kollegen daran erinnerte, dass Journalismus mehr ist als FAZ, SZ, FR, Stern, Zeit und Welt.
Was vor allem wieder auffiel: Die vertretene Journalistengarde beansprucht für sich zu wissen, was guter Journalismus ist und was nicht. Dass da “Amateur-Journalisten” (Christoph Amend, Die ZEIT), vulgo Blogger, nicht gut wegkamen, war abzusehen. Und dass ein Chefredakteur wie Uwe Vorkötter von der Frankfurter Rundschau Sorge hat, unter Umständen “nicht verantworten” zu können, was Leser so an Kommentaren unter die Artikel schreiben könnten, wenn sie denn dürften, zeugt nicht gerade von einer Öffnung der Altvorderen zum Leser hin. So weit, so bekannt.
Einen kleinen Lichtblick hatte ich aber am Rande der Veranstaltung. Neben mir saß ein freundlicher Herr, der mit seinem iPhone twitterte und gelegentlich einen halblauten Kommentar gen Podium schleudern wollte, sich aber dann doch zurückhielt. Wie sich im Gespräch im Anschluss herausstellte, war der Mann Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung. Bei Twitter nennt er sein Blatt selbstbewusst das “Leitmedium im Norden von Rheinland-Pfalz”.
Gut online ist der Auftritt der RZ in etwa genauso altbacken und sperrig wie die Web-Präsenz der Frankfurter Rundschau. Aber immerhin, es wird mit neuen Formen des Leserdialogs (Adieu, Leserbrief!) experimentiert! Zum Beispiel mit Twitter. Jede Lokalredaktion hat ihren eigenen Account, jede einzeln mit nicht vielen Followern und technisch noch etwas unbeholfen, dafür aber mit Mut zum Scheitern. Da wird ein Twitter-Interview mit einem Lokalpolitiker gemacht (mit Pannen aber immerhin), die Volontäre zwitschern ihre Sicht der Dinge, und man glaubt es kaum, der Chef holt seit Neuestem sogar twitternde Leser in die Redaktion zur Blattkritik.
So eine Geste von Welt oder SZ und es wäre vielleicht nicht ganz so düster um die Zukunft des Journalismus in Deutschland. Gut, ein Twittererbesuch macht noch keine moderne Haltung zum Verhältnis Journalist/Leser oder gar zum Verhältnis Journalist/Blogger, aber es ist ein Anfang. Und dass so ein Anfang in der Provinz passiert, ist es allemal wert aufgeschrieben zu werden. Die Überregionalen sind schließlich noch lange nicht soweit und jagen nach wie vor Phantomen hinterher, wie Stefan Niggemeier ausführlich darlegt.

Das “Saftblog” der Saftkelterei Walther gilt ja schon länger als ein Paradebeispiel für Corporate Blogging und hat der Firma um Geschäftsführerin Kirstin Walther nicht nur höhere Bekanntheit, sondern auch mehr Umsatz gebracht. In einem Interview für den Media-TREFF spricht Kirstin Walther über die Anfänge und wie sie heute Blogs und Twitter (als @safttante) nutzt, um Kunden und Interessenten und Vertriebspartner ans Unternehmen zu binden.
Sie vermittelt sehr reflektiert, ruhig und pointiert all die Dinge, die man als Kommunikationsberater seinen Klienten näherzubringen sucht: Authentizität, Persönlichkeit und Bereitschaft zum Gespräch sind der Schlüssel zum Erfolg. Jedem, der dem Thema Bloggen und Social Media für Unternehmen – egalb ob mittelständisch oder groß – noch skeptisch gegenübersteht, seien die 14 Minuten Gespräch mit Frau Walther sehr empfohlen. Allen anderen natürlich auch.
Natürlich ist das Follower-Duell zwischen CNN und Ashton Kutcher vollkommen belanglos, wenn nicht kindisch und albern, weil es nichts, aber auch gar nichts über die Qualität beider Twitterer aussagt. (Von Oprah Winfrey, die heute abend Kutcher und die Twitter-Chefs zu Gast haben wird, mal ganz zu schweigen.)
Aber trotzdem wage ich die These, dass wir genau so ein Duell auch in Deutschland brauchen. Wir brauchen eine Schlacht der Giganten, ein Stand-off der Twitter-Legenden, ein “High Noon” der Promi-Zwitscherer! Warum? Weil es dann endlich Normalität wäre, weil man dann aufhören könnte Twitter zu erklären.
Anthony Ha schreibt bei Venture Beat, dass er einen Rückgang der “Wow! Twitter!”-Geschichten nach dem Auftritt von Kutcher bei Oprah heute abend erwartet. Einfach, weil es mainstreamiger nicht mehr geht: “Dude, Twitter was on Oprah. ‘Nuff said.”
Genau das wäre auch für die deutsche Öffentlichkeit toll. Denn wenn man ehrlich ist, so als gefühlter Seit-Ewigkeiten-Twitter-Nutzer, sind wir es nicht langsam leid, immernoch fast jedem Zweiten Twitter erklären zu müssen? Man suche einfach mal nach “erkläre Twitter” bei Twitter-Search. Da vergeht kaum eine wache Stunde, in der nicht ein Twitterer jemand anderem beibringt, was es mit den 140 Zeichen und Followern und so weiter auf sich hat.
Was wäre das eine Erholung und Entspannung, wenn man hierzulande auch einfach sagen könnte: “Wie? Du kennst Twitter nicht? Das war doch sogar schon bei….”! – Ja, und da wird’s halt schwierig mit dieser kleinen Utopie. Welche TV-Sendung in Deutschland wäre massenerreichend genug, um populär und anschaulich einer ausreichend großen Menge Zuschauer näherzubringen, worum es hier geht?
“Wetten, dass…?” vielleicht? Nein, zu wenig Zeit pro Gast und ein Gastgeber ohne jegliche Affinität zum Thema. Bei Harald Schmidt? Zu elitär und zu spät am abend. Bei Kerner? Zu anbiedernd. Bei Beckmann? Zu betroffenheitsfixiert. Hm, wird schon eng…
Und welcher Prominente könnte vielleicht dem “Westen” oder “Welt kompakt” den Kampf ansagen (Zielmarke, seien wir bescheiden, 10.000 Follower)? Sascha Lobo? Nicht prominent genug. Michael Kessler? Dito. Markus Kavka? Äh, wer? Hier wird’s also noch enger.
Aber gut, vielleicht sind wir trotz gigantischer Zugriffswachstumszahlen auch hierzulande (dazu Meedia) einfach noch nicht soweit. Dennoch würde etwas Entspannung, mehr Gelassenheit in Sachen Twitter in der Tat gut tun, da bin ich ganz bei Sachar, der im “Jetzt ist Twitter tot”-Geschrei – wie dem von US-Tech-Blogger Lance Ulanoff – zurecht eine gewisse Arroganz des “Establishments” durchscheinen sieht.
Schließlich ist das Tolle an Twitter, dass es nicht DAS eine Twitter gibt, sondern genauso viele Twitters wie es Twitterer. Jeder baut sich sein eigenes, keine Timeline ist exakt gleich. 100%ige Individualisierung – ein Traum. Auch ohne Kutchers kesse Kurzbefindlichkeiten, CNNs “brechende Nachrichten” und Oprahs ahnungslose Einlassungen.
Soweit mein Wort zum Samstag. Weitermachen, äh, -twittern!

Am vergangenen Freitag, 27.3. wurde mir ohne mein Wissen eine spezielle Ehre zuteil: Einer meiner Tweets vom Donnerstag abend wurde von der ebenfalls twitternden handlich-praktischen WELT kompakt (@weltkompakt) auf die Titelseite der Bundesausgabe gedruckt. So sah das dann aus:

Gut, ich hätte mir gewünscht, mit einem Tweet von höherem Anspruch auf Papier “retweeted” zu werden, aber OK, der Spruch ist authentisch und kam von Herzen. Vielleicht hat ja ein Leser drüber geschmunzelt, würde mich freuen (auch ohne den Kontext, denn der “heißeste Fotograf ever” war Rankin – einige Fotos aus dem Shooting auf seiner Website).
Irgendwie irritiert hat mich dann doch der Umstand, dass ich erst heute morgen über eine Kollegin meiner Freundin drüber erfuhr. Die Frage an Twitterland, ob jemand die Ausgabe zufällig zur Hand habe beantwortete dann @weltkompakt selbst per Direktnachricht und bot an, ein PDF der Titelseite zu mailen. Guter Service und ein schönes Beispiel, wie Medien/Unternehmen/Marken ihren Lesern/Kunden/Fans durch aufmerksames Zuhören einen kleinen Gefallen erweisen können.
Auf den zweiten Blick fiel mir dann noch auf, dass der Tweet im Original irgendwie anders war. So nämlich (klick zum Original):
Es gab also einen redaktionellen Eingriff. Statt des Hashtags #gntm, das “Germany’s Next Topmodel” bei Twitter kurz kennzeichnet ein “Topmodel”. Das “Versteh wer will.” fiel gleich ganz der Schere zum Opfer. Man kann jetzt natürlich argumentieren, dass WELT kompakt Leser nicht alle bei Twitter sind und/oder mit #gntm nichts anfangen können. Absolut plausibel. Man könnte auch sagen, dass der Kerngehalt des Tweets auch ohne das “Versteh wer will” klar ist. Auch richtig. In diesem Fall auch nicht tragisch, mich stört es nicht weiter. (Der Tweet von @herrtobe ist bis auf die Weglassung zweier # unverändert.)
Trotzdem bleibt die Grundfrage, welchen Status öffentlich zugängliche Tweets eigentlich haben. Sind es kurze Leserbriefe, bei denen Abdruck und Kürzungen ja ausdrücklich vorbehalten sind? Wohl kaum, schließlich sind sie nicht an WELT kompakt gerichtet, sondern öffentlich. Sind sie Blogposts, aus denen man ja auch zitieren kann? Schon eher, aber dann gebietet es die journalistische Sorgfalt Hinzufügungen und Auslassungen zu kennzeichnen. Etwa so:
[Topmodels:] Da werden die schon von einem der heißesten Fotografen ever inszeniert und können sich nicht 15 min zusammenreissen. [...] @tapioliller
Oder sind Tweets gar eine Form des künstlerischen Ausdrucks, gar Literatur, bzw. “Twitteratur” (Link zum Blog von @bosch)? Dann könnte man als Autor auf der vollständigen und unverfälschten Wiedergabe nach vorheriger Genehmigung bestehen. Hier gibt es natürlich urheberrechtliche Rahmenbedingungen wie die so genannte “Schöpfungshöhe”, die der Law-Blogger Dr. Carsten Ulbricht in seinem lesenwerten Beitrag zu Twitter & Recht (auch die Kommentare lesen!) bei einem einzelnen Tweet anzweifelt.
Eines sind Tweets meines Erachtens aber nicht: Kostenloses Füllmaterial für Tageszeitungen, die noch Platz im Blatt haben und ihn mit mehr oder minder originellen Sprüchen aus dem hippen Twitterland bestücken.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich finde die Idee, Tweets in der WELT kompakt zu “retweeten” im Prinzip in Ordnung. Nur solange ein zitierwürdiger Twitterer seine Kurznachrichten nicht klar erkennbar mit einer Lizenz, zum Beispiel Creative Commons, versehen hat, solange wäre es m.E. angebracht und guter Stil, 1. kurz zu fragen ob man den Tweet abdrucken darf und 2. ob eine etwaige Veränderung OK ist. Das hätte gleich zwei positive Effekte: Die Twitterer würden sich erstens als Urheber persönlich wahr- und ernstgenommen fühlen und zweitens auf den Abdruck im kommenden Heft freuen können – und wer weiß, manch einer würde das Blatt dann auch kaufen. Für eine Zeitung nicht das Schlechteste, oder?
Der Fairness halber habe ich beim stellvertretenden Chefredakteur der WELT kompakt, Frank Schmiechen per E-Mail nachgefragt wie es die Redaktion mit diesem Thema (Nachfragen & Redigieren) hält und diesen Post angekündigt. Deshalb bin ich auch mal so frei und gebe seine Antwort im Wortlaut wieder:
Moin Tapio,
Wir wollen das mit den Paperretweets so einfach wie möglich halten. Wir fragen die Twitterer, ob wir ihre Tweets drucken dürfen. Habe ich aber auch schon mal vergessen… Und dann redigieren wir behutsam, um es lesbarer zu machen. Der Sound sollte dabei erhalten bleiben.
Beste Grüße
Frank
Dann verbuche ich meinen Tweet mal unter “auch schon mal vergessen…” und frage euch: Bin ich hier vielleicht päpstlicher als der Papst?