Tapio Liller
über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »Der von mir sehr geschätzte Sachar Kriwoj und Daniela Hinrichs, ihres Zeichens “VP Corporate Communications (in Elternzeit)” bei XING haben heute eine webbasierte PR-Fragestunde für Startup-Unternehmen gestartet. Das Experiment nennt sich passenderweise “sPRechstunde” und hat eine ganz einfache Mission:
“sPRechstunde soll vor allem solchen Start-Ups und Unternehmensgründern, die über wenig bis keine PR-Ressourcen oder –Erfahrung verfügen, die Chance geben, sich praxisnah zum Thema Kommunikation zu informieren.” So steht es bei Sachar im Blog.
Nun sind Sachar und Daniela beide Startup-erfahrene Kommunikatoren, man kann also erwarten, dass ihre Antworten auf die “präzisen Angaben” zur Ist-Situation auch Hand und Fuß haben werden. Soweit ist die sPRechstunde eben das, eine Gelegenheit für Interessierte zwei Profis Fragen zu stellen. Anonym über Formspring, wenn gewünscht, aber öffentlich.
Meine spontane Reaktion war: “Coole Marketing-Idee, und wenn’s für’s Selbstmarketing der beiden Ratgeber ist.”
Plazes war mal ein cooles Startup. Ein cooles deutsches Startup. Aus Berlin. Sie schickten sich an, Menschen und Orte miteinander zu verbinden. Ja, sowas nannte man damals schon Location Based Service, und es war ein großes Ding. Plazes war auch früh dran, zu früh vielleicht. Im August 2004 bloggte man darüber, ob Plazes “social software” sei und man stellte sich in eine Reihe mit den damaligen Web-Größen:
“We like to consider Plazes next generation social software. Obviously,
any kind of interaction system involving people is social software.
Lately the term has been coined towards “six-degrees-of-separation”
software like friendster or orkut.”
Ja, von Facebook und Twitter war damals noch keine Rede! Der Laptop war noch das wahrscheinlichste mobile Internetgerät und Smartphones mit Internetzugang kaum existent und erst recht nicht bezahlbar. Folgerichtig gab’s ein kleines Programm für den Rechner – den Plazer – mit dem man den Dienst (und die Freunde) wissen lassen konnte, in welchem Café man gerade seinen Bildschirm aufgeklappt hat. Widgets, die damals noch Plugins hießen, zeigten in den Blogs (!) der Nutzer an, wo sie sich gerade befanden. Alles ziemlich cool und innovativ. Und aus Deutschland. Das brachte sogar prominente Finanziers wie Marc Andreessen und Martin Varsavksy dazu, Starthilfe zu leisten.
Und dann geschah, was mit coolen Startups so geschieht. Sie bastelten weiter an Features, holten sich irgendwann nen neuen Chef, der die Strategie in Frage stellte und ummodelte, sie bastelten weiter, gewannen aber kaum zusätzliche Nutzer, und dann verschliefen sie einen wichtigen Trend. Der hieß iPhone und mobile Applikationen.
Inzwischen war die Welt natürlich nicht stehen geblieben und andernorts sind neue, coole Startups aus dem Boden geschossen. Die hatten auch eine schlaue Idee: Menschen und Orte zusammenbringen. Und zwar auf Smartphones und iPhones. Brightkite gehörte dazu, aka aki (auch aus Berlin), inzwischen natürlich auch Google mit Latitude. Im Januar 2009 listet “Mobile Zeitgeist”-Bloggerin Heike Scholz “60 Location Based Services” auf.
Und was machte Plazes? Sie ließen sich im Juni 2008 von Nokia kaufen. Johnny gratulierte, und dann passierte…nichts. Erst im November hieß es “Plazes goes mobile!” – nur leider interessierte das zu diesem Zeitpunkt kaum einen mehr. Und eine iPhone App war das immernoch nicht – Nokia eben.
Gestern aber, 14 Monate nach der Frage an die Nutzer, ob man eine iPhone App haben wolle, hat Plazes endlich wieder aufgeschlossen und den “Plazer for iPhone und iPod touch” veröffentlicht. Das ließ mich kurz aufhorchen. Ich dachte “Plazes, wer? Ach, die Plazes.” Und löschte meinen Account.
PS: Ich nutze inzwischen Brightkite und freue mich über Kontakte http://brightkite.com/people/tapioliller

So schnell kann’s gehen. Der vor knapp anderthalb Jahren gestartete Microblogging-Dienst Pownce schließt zum 15.12. die virtuellen Tore und stellt die Server ab. Das Entwickler-Team geht zum Bloghoster und Social Publishing Anbieter Six Apart (TypePad, Movable Type).
Der Schritt wird zwar in den Blogs der beiden Unternehmen in typisch amerikanischem PR-Überschwang bejubelt, man findet das alles sehr “exciting” und “appreciated” die Unterstützung der Nutzer, aber im Endeffekt ist das nichts anderes als die erste Kapitulation eines Me-Too-Produkts vor der Übermacht von Twitter. Pownce mag in mancher Hinsicht technisch überlegen gewesen sein, es vermochte aber nicht die virale Kraft zu entfalten, die Twitter trotz aller Schwierigkeiten groß gemacht hat.
Wer seine Daten von Pownce retten möchte, kann sie exportieren. Was sonst damit passiert ist unklar, die ersten beginnen deshalb schon damit, ihre Accounts zu löschen. Es wird ein kurzer, und weitgehend schmerzloser Tod eines Startups werden, denn Alternativen gibt’s genug.
(via @planetsab)
Der Hannoveraner Verlag Yeebase, selbst noch eher Startup als Establishment, hat ein neues Webportal für die deutsche Web-Startup-Szene gestartet. Eingängiger Name: “startups – Web 2.0 Gründer & Technologien“.
Das Team rund um Redaktionsboss Jan Christe und Vertriebsmann Andreas Lenz erweitert damit die Palette der Yeebase-Publikationen um einen Themenkreis, der in Deutschland bislang eher schmalspurig vertreten war. Einzig deutsche-startups.de hatte dieses spannende Segment bislang beackert.
Ganz zweinullig wurde der Start der Seite eben schlicht per Tweet verkündet. Alles andere wird sich finden. Ich wünsche jedenfalls @stimpmania, @jati und Mannschaft viel Erfolg. Es kann der deutschen Startup-Szene nur gut tun, wenn mehr engagierte Journalisten zeigen, was hierzulande alles entsteht!