Tapio Liller
über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »Angestoßen durch meinen Post zum hypothetischen Ende der Pressemitteilung als PR-Werkzeug luden Bastian und Timo zum SocialMediaPReview Roundtable, der gestern in Form eines Podcasts aufgezeichnet wurde. Mit von der Partie war auch Sebastian.
Das Ergebnis und unsere zusammen 8 Cent zum Thema hört ihr seit eben hier. Da eine halbe Stunde gerademal reicht, um ein paar Themen anzureißen hoffen wir natürlich auf eine weitere Diskussion per Kommentar. Besonders interessieren würde mich die Sicht der profilierteren Blogger und natürlich der Journalisten. Schließlich haben wir etwas im eigenen Saft gebraten.
Johannes hat sich vergangene Woche ja etwas Luft gemacht zu T-Mobiles eher mäßiger Kommunikationspolitik rund um das iPhone 3G. Heute lieferte er den angekündigten Post nach, in dem er einige Überlegungen anstellt, wie die Magentamänner es hätten besser machen können. Seine Thesen:
Das ist von einem Ex-Monopolisten und Großkonzern ziemlich viel erwartet. Johannes fordert das nicht, sondern regt an, was aber Kommentator Ralf G. nicht davon abhält, mal (bewusst) den Advocatus Diaboli zu spielen und zu behaupten:
“Der ‘Social-Media-Diskurs’ ist irrelevant, es handelt sich in allen Erscheinungsformen des deutschsprachigen “Social-Web” um die selben (und das ist noch optimistisch geschätzt) 500 Leute, die um sich selbst kreisen. Nur weil ab und an mal ein Journalist darunter ist und eine Debatte oder ein “Skandälchen” dann mal ausnahmsweise in die “normalen” Medien schwappt, sollte man so genannte “Social-Media” nicht für eine für den Verkaufserfolg relevante Öffentlichkeit halten.”
Das dürfte bei einigen Bloggern sicher einen empfindlichen Nerv treffen. Schließlich hält man etwas auf seinen Grassroots-Influencer-Status und wer behauptet, das sei irrelevant, zumal für einen Großkonzern, betritt vermintes Gelände. Doch noch ist da was dran. Die deutsche Blogosphäre ist gemessen an ihrem Einfluss auf öffentliche Diskurse noch furchtbar klein. Man kennt sich mehr oder weniger. Warum sollte dieser verschworenen Truppe ein Konzern zuhören, der sich dieser Leute als Kunden ohnehin (fast) sicher sein kann, weil sie, wie im Falle des iPhone, das Gerät aus persönlichen Markenpräferenzen und Coolnesswünschen heraus ohnehin kaufen werden?
Meines Erachtens führt diese Diskussion aber in eine Sackgasse. Denn sie verkennt, dass in Blogs Gespräche stattfinden, die so stark untereinander vernetzt sind, wie sonst nirgends im Netz. Diese Gespräche beginnen schon heute, Relevanz zu entwickeln. Jeder Marketing-Manager will Early Adopter pampern – das ist bei T-Mobile sicher nicht anders. Doch noch können sich Konzerne den Luxus leisten, diese Leute auch mal zu ignorieren, wie im Falle des iPhone-Starts. Das wird aber nicht ewig so bleiben und man kann die Nachtigall schon trappsen hören.
Die Blogosphäre als selbstüberschätzende Wichtigtuer in ihrer kleinen komfortablen Nische abzutun ist deshalb fahrlässig. Eine Kommunikationsabteilung, die sich nicht die Mühe macht, sich wenigstens lesend damit auseinanderzusetzen, sollte überdenken, ob sie den richtigen Job ausübt. Johannes hat in der Hinsicht einen wichtigen Post geschrieben, der hoffentlich auch bei T-Mobile gelesen wird. Ansonsten empfehle ich den Magentamännern das Cluetrain Manifesto.