Tag: Peter Glaser


3Apr

re:publica ’09 – re:lativ enttäuschend

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Nach zwei Tagen re:publica horche ich ein wenig in mich hinein und versuche herauszufinden, was wirklich hängengeblieben ist. Viel kommt da nicht. Leider.

Das Drumherum war sehr nett. Ich habe ne Menge Bekannter getroffen, mit denen man gern nen Schnack hält und sich freut, wenn man sich nach Monaten des Twitterfolgens und Blogkommentierens über den kalten Winter endlich mal (wieder oder erstmals) persönlich trifft. Klassentreffen eben. Das sensationelle Frühlingswetter sorgte dazu für eine freundliche Grundstimmung. Aber sonst?

Da waren zuerst organisatorische Probleme. Dass es wohl über weite Strecken kein stabiles WLAN gab, hat mich nicht gestört. Mein Rechner blieb im Hotel, twittern ging auch per iPhone. Peinlich für Deutschlands größtes Bloggertreffen ist es trotzdem.

re:ibung – Zeitplan ohne Plan

Viel mehr nervte hingegen die offensichtliche Unfähigkeit der Organisatoren, in den einzelnen Räumen für einen Ablauf zu sorgen, der den Timings auf dem bei Eintreffen ausgehändigten Faltplan entsprach. Sprich: an beiden Tagen war alles zwischen 15 und 45 Minuten in Verzug.

Das führte dazu, dass man in einen Raum hineinplatze und dachte man wäre zu spät, nur um dann zu realisieren, dass man zu früh ist, wieder hinausging, sich festquatschte und die eigentlich rausgepickten Veranstaltungen dann doch verpasste. Zumindest auf dem Papier war ne Menge Spannendes dabei, gehört habe ich davon nur einen Bruchteil.

re:infall – Wikipedia-Chef “Jimbo” Wales

Am Freitag Mittag stellte sich der Wikipedia-Gründer und Weltbotschafter des freien Wissens Jimmy “Jimbo” Wales dann auf die Bühne des Friedrichstadtpalastes und leierte lustlos eine furchtbar unansehnliche Standardpräsentation runter. Inhalt: “Was ist Wikipedia und wie funktioniert es?” Bei Twitter reicht zur Bewertung dessen ein einziges Wort: #FAIL

Entweder Wales wusste nicht, vor wem er da spricht, dann wäre das ein Versäumnis der Veranstalter oder ihm war es egal. Für letzteres spricht, dass er nach seiner Einstiegsfrage, wer schonmal Wikipedia genutzt habe und wer schonmal beigetragen habe hätte wissen können, wieviel Vorkenntnisse sein Publikum hat. Denn ALLE hatten schonmal Wikipedia genutzt und ein gutes VIERTEL hatte schon beigetragen.

re:chte – Lawrence Lessig zieht in den Bann

Jura-Professor, Autor und Creative Commons-Gründer Lawrence Lessig, wusste hingegen sehr gut, wie er sein Publikum begeistert. Routiniert aber immer pointiert und nachvollziehbar vorgetragen brach er eine Lanze für ein neues, dem Internetzeitalter angepasstes Rechtsystem rund um Urheberrecht, Copyright und kreativer Wiederverwendung von Inhalten.

Er sprach von einer “Read/Write Culture” in der wir heute leben und deren wichtigste kulturelle und demokratische Freiheit es ist, Artefakte kulturellen Schaffens frei neu zu kombinieren und daraus Neues zu erschaffen, das wiederum Ausdruck der Kultur ist (“Remix”). Sein Anliegen: die restriktiven gesetzgeberischen Grundsätze des alten Copyrights, das die Verfielfältigung ohne Genehmigung unter Strafe stellt sind nicht mehr zeitgemäß, da im Netz alles eine Kopie ist. (Ganz abgesehen davon ist Lessig ein Meister der Ein-Wort-Slides, die er virtuos mit seinem Vortrag synchronisiert.)

re:ichtum – Peter Glaser inspiriert

Was noch hängen bliebt von der re:publica? Auf jeden Fall der Vortrag von Peter Glaser, der fragte “In was für einer digitalen Gesellschaft wollen wir leben?”.

Er war der einzige Redner (der wenigen die ich mitbekommen habe) der den Blick weitete, sich vor der großen historischen wie gesellschaftskritischen Perspektive nicht scheute, und eine Vision einer Gesellschaft skizzierte, in der die “informatische Kraft” der Vernetzung zu mehr Meinung führt, zu mehr Qualität im Journalismus, zu fortgeführter Aufklärung, zu weniger Korruption, zu vielfältigeren Perspektiven, zu mehr Demokratie und mehr Gemeinsinn. Sein Essay ist in seinem Blog in Gänze nachzulesen. Wer’s nicht tut, verpasst einen der besten Texte im deutschsprachigen Web.

Und sonst? Vielleicht lasse ich das noch ein paar Tage sacken und schaue mir das eine oder andere noch als Video-Aufzeichung an. Aber ich glaube da kommt nicht mehr. Schade eigentlich.

nachgere:icht

OK, ein paar Sachen noch. Ich hab jetzt auch ein Poken (dazu später hier mehr), das erste re:publica PR-Lunch im “12 Apostel” war gut besucht und hat Spaß gemacht (allen vielen Dank für’s Kommen!) und das Projekt Social Media Camp ist ein gutes Stück weiter als noch vor wenigen Tagen (Danke an Jens Best für die Bereitschaft, das Projektmanagement in die Hand zu nehmen!).