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21Dez

TOP 10 der New York Momente

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Meine Eindrücke des fünftägigen Vorweihnachtstrips nach New York sind noch frisch und insgesamt sicher zu zahlreich, um schon zwei Tage nach der Rückkehr vollständig verarbeitet zu sein. Aber es gab ein paar Dinge, die auffielen. Entweder weil sie skurril und sonderbar wirkten oder weil sie für den Außenstehenden (den Europäer zumal) einfach als “sehr amerikanisch” ins Auge stachen.

David Letterman on Broadway, New York City

In Anlehnung an Latenight-Talk-König David Letterman kommen hier meine “Top 10 der New York Momente”:

10. Wenn du dich wie ein Verbrecher fühlst, wenn dir bei der Einreise die kompletten Fingerabdrücke beider Hände eingescannt und ein Foto von dir gemacht wird, selbst wenn du einen teuren deutschen biometrischen Reisepass hast, liegt das vielleicht daran, dass du ein Verbrecher bist. Alle anderen haben da kein Problem mit.

9. Wenn du urplötzlich von Erektionsstörungen, Cialis, Viagra und Levitra hörst, ist das kein Spam in der E-Mail-Inbox. Es ist TV-Werbung zur besten Sendezeit. Samt ausführlicher Erklärung, was im Fall von Nebenwirkungen zu tun ist. (Tipp: Zum Arzt gehen ist ein guter Anfang.)

8. Wenn in einer U-Bahn-Station die Farbe blättert, der Rost an den Stahlträgern nagt und die Fliesen zerspringen, heißt das nicht, dass hier saniert werden müsste. Es hat ja die letzten 60 Jahre auch niemand gestört. Und die Subway bringt dich doch schließlich für 2 Dollar von A nach B, oder?

7. Wenn eine Kassiererin im hippen Modegeschäft dich in einem unverständlichen, nur entfernt Englisch klingenden Vorstadtakzent annuschelt und es klingt nach einer Frage, sag einfach “Yeah, thanks!”. Dir wird schon keine Waschmaschine verkauft.

6. Wenn der Gouverneur von New York auf nicht-”Diet”-Limonaden einen Mehrwertsteuer-Aufschlag von 18% erhebt, ist das Grund genug für das Boulevard-Blatt “New York Post” mit der Überschrift “TAX HELL!” aufzumachen. (Tags darauf lautete die Headline: “MORE HELL!”, der Grund: Die Metro-Preise sollen um 50 Cent steigen.)

5. Wenn du abends CNN schaust und dir mit interaktiven Grafiken erklärt wird, was ein “Ponzi scheme” ist, ist einem Herrn Madoff gerade sein Schneeballsystem um die Ohren geflogen.

4. Wenn in einer Vormittags-TV-Show eine 7-köpfige Familie aus Idaho vorgeführt wird, die – man stelle sich das mal vor – schuldenfrei ist (keine Kreditkarten!!!) und ihre Schnäppchentipps und Spar-Vorschläge weitergibt (es gibt natürlich auch ein Buch dazu!), ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass es Amerika wirklich schlecht geht.

3. Wenn du an einer Ampel die Straße überquerst, rechne damit, dass du von einem Taxi oder einem Linienbus abgedrängt wirst. Diskussion ist sinnlos. Beide haben mehr Blech und mehr PS.

2. Wenn du auf dem Empire State Building stehst und auf Manhattan hinab siehst, wird dir klar, dass der Begriff “Traufhöhe” ein sehr deutscher Terminus ist. (Fotobeweis unten)

1. Wenn du in einer Buchhandlung einen Tisch mit dem Aufsteller “Sustainability in Business” samt ca. 19 verschiedenen Titeln siehst (darunter so klare Ansagen wie “Billion Dollar Green: Profit from the Eco Revolution“), wird dir langsam klar, warum Amerika es auch diesmal schaffen wird, sich an den eigenen Haaren aus dem Schlamassel zu ziehen.

Midtown Manhattan, seen from Empire State Building

(Fotos von Tapio Liller, lizensiert unter CC by-nc-sa 3.0 Deutsch)