Tapio Liller
über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Gründer und Managing Partner von Oseon, einer Unternehmensberatung für Kommunikation in Frankfurt am Main.
Zu Oseon »über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Gründer und Managing Partner von Oseon, einer Unternehmensberatung für Kommunikation in Frankfurt am Main.
Zu Oseon »Wenn es noch eines Beweises bedurf hätte, dass das Internet den etablierten (Print-)Medien den Rang bereits abgelaufen hat, dies wäre es. David Katz, Barack Obamas Haus- und Hof-Fotograf begleitete die Familie und Entourage des künftigen US-Präsidenten am Wahlabend hinter den Kulissen und stellte die Bilder dieser Tage auf das Fotoportal Flickr. Einfach so, für jeden sichtbar, für jeden – auch mich in diesem Post hier – einbindbar auf ihre eigene Webseite.
Das ist, wie der Silicon Alley Insider meint, “Yahoo’s Historical Hit“. Flickr gehört zu Yahoo. Früher, das heißt noch vor vier Jahren, wären solche intimen Einblicke in die Geschehnisse hinter den Kulissen einer bedeutenden Wahlnacht noch für viel Geld exklusiv an eine große Print-Illustrierte wie das “Time Magazine” in den USA oder in Deutschland vielleicht den “Stern” verkauft worden. Diese hätten das beste Foto verkaufsfördernd auf den Titel gehoben und eine mehrseitige Bildstrecke gemacht.
Heute nicht mehr. Dafür ist das Web zu schnell, zu bildgewaltig. Zu sehr hat die Obama-Kampagne auf die Macht der Vernetzung gesetzt als dass man die Bilder, die den schon heute einflussreichsten Politiker der Welt in sehr persönlichen, menschlichen Momenten zeigen, den Gesetzen der kommerziell getriebenen Traditionsmedien ausgesetzt hätte. Wie Obama in seiner Siegesrede sagte: “Dies ist euer Sieg!” Da ist es nur konsequent, dass die Bilder dazu auch “uns” gehören.
Hier die komplette Serie als Galerie.
Der Frankfurter news aktuell MediaCoffee, den ich neulich schon nicht so doll fand, was den Erkenntnisgewinn angeht, fand die Tage seine Fortsetzung in München. Wie es scheint, waren auch da allerlei Sonderlichkeiten “Old Media”-Schaffender zu hören, wie Thomas Knüwer berichtet (und wie üblich polemisiert).
Diese Art Diskussionsforum erinnert mich immer mehr an die Elefantenrunden der Politiker nach Wahlen. Man sitzt in feister Runde und jeder hat die Wahl gewonnen. Nur dass die Vorzeichen bei diesen Medienrunden umgekehrt stehen. Die alten Recken sitzen in der Runde, müssen ihre Wichtigkeit mit wichtig klingenden Sätzen beweisen, aber am Ende sind sie doch alle furchtbar ratlos, wie es weitergehen soll mit Medienland. Fast scheint es, als würden die Elefanten darum wissen, dass sie im gläsernen Porzellanladen sitzen und sich bloß nicht bewegen dürfen, weil sonst alles zu Bruch geht. Sowas nannte man mal “Beamtenmikado”, wer sich zuerst bewegt verliert.
Die Realität ist natürlich anders: An den Rändern, in der Mitte, quer über Felder, Wald und Wiesen brennt es schon, das Feuer namens Internet. Und keiner weiß es so recht zu zähmen und in Wärme, vulgo Geld, umzuwandeln. Da helfen auch die Spitzen des geschätzten Herrn Knüwer nicht, der zwar vollkommen zurecht den Altvorderen den Spiegel vorhält, aber sich selbst unter den sicheren Fittichen des Print(!)-Handelsblatt weiß, das ihm als Online-Aushängeschild eine gewisse Narrenfreiheit zubilligt.