Tapio Liller
über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »Dass es den Fachverlagen in Deutschland dreckig geht, ist keine Neuigkeit. Im IT-Bereich, den ich seit über 10 Jahren beruflich aus nächster Nähe verfolge, sind in den letzten Jahren viele Titel eingestellt oder auf reine Online-Präsenzen mit Mikroredaktionen eingedampft worden. Im Sommer vergangenen Jahres erst verabschiedeten sich InformationWeek und Network Computing, einstmals wichtige Eckpfeiler jeder PR-Kampagne für Software- und Hardware-Hersteller, aus dem Rennen. Im Consumer-Segment sieht es bei den Auflagen nicht besser aus, wie bei Meedia neulich zusammengefasst wurde.
Als PRler beobachte ich angesichts der sinkenden Auflagen, schrumpfenden Heftumfänge und zurückgehenden Anzeigenbuchungen schon lange einen wachsenden Druck zur “Advertorialisierung”. Will heißen: Verlagsleiter – das sind die, die für den Anzeigenverkauf zuständig sind – nehmen massiv Einfluss auf die Redaktionen, möglichst nur solche Firmen mit Berichterstattung zu “belohnen”, die auch Anzeigen schalten – oder die optisch als redaktionellen Beitrag kaschierte Variante einer Anzeige, das “Advertorial”. Manche Firmen können es sich leisten Anzeigen zu schalten, viele nicht. Deshalb investieren sie vornehmlich in PR. Zur Einordnung ein Beispiel: Mit dem Geld für zwei ganzseitige Anzeigen in der Computerwoche kann man für einen kleineren Software-Anbieter eine sehr ordentliches PR-Programm bezahlen – für ein ganzes Jahr.
Die Methoden mit denen die Verlage Marketingverantwortlichen und PR-Agenturen wie meiner auf den Leib rücken, lassen sich in drei Gruppen unterteilen:
Schon ein paar Tage alt, aber dennoch erschreckend wahr und immernoch lustig.
| The Daily Show With Jon Stewart | Mon – Thurs 11p / 10c | |||
| End Times | ||||
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In diesen aufgeregten Medienzeiten ist es nicht verkehrt, wenn man sich mal dran erinnert, dass (fast) jedes neu hinzu gekommene Medium heute noch seine Berechtigung hat. (OK, lassen wir Rohrpost und Telegraf mal außen vor.) Zwischen Online und Print findet zwar eine Verdrängung statt, doch dass Zeitung und Buch in absehbarer Zeit gänzlich vor dem Exitus stehen, ist doch eher unwahrscheinlich.
Schließlich findet man in Zeitungen auch Dinge, die man nicht gesucht hat.
Dass dieser Spot aus Finnland kommt, finde ich natürlich besonders charmant. “Ilta Sanomat” heißt übrigens übersetzt “Abend Nachrichten”. Das Blatt ist, wie auch online unschwer zu erkennen, der Yellow Press zuzuordnen.
Und was einer dazu meint, der schon länger weiß, welcher Schritt ein Schritt zuviel ist.
Achja, das Thema beider Artikel ist – wie so oft in diesen Tagen – die Zukunft des Journalismus und der Medien.

Die Rocky Mountain News, eine der beiden großen Tageszeitungen aus Denver, Colorado erschien jeden Tag – 149 Jahre und 311 Tage lang. Bis Freitag. Da erschien die “Final Edition”, die letzte Ausgabe. Der Verlage hatte keinen Käufer für die Zeitung gefunden und musste sie schließen. Eins von zahlreichen Opfern der Medienkrise in den USA.
Die Redaktion selbst begleitete ihre letzten Monate filmisch und dokumentierte in diesem bewegenden Stück Zeitgeschichte, was eine regionale Tageszeitung für die Menschen im Ort und für die Menschen in der Redaktion bedeutet.
Final Edition from Matthew Roberts on Vimeo.
Die Geschichte ist zu traurig, um darüber zu spekulieren, was vielleicht früher hätte anders gemacht werden müssen, um die Zeitung (vielleicht in einer anderen Form) zu retten. Sie zeigt aber sehr eindringlich, dass wir in unruhigen Zeiten leben und auch äußerlich intakt erscheinende Institutionen wie die “Rocky” den mediendarwinistischen Überlebenskampf verlieren können.
“You don’t miss it, til it’s gone”, sagt ein Mann im Film. Welche Zeitung würdet ihr vermissen, wenn sie Anfang Mai nicht mehr da wäre?
(via Indiskretion Ehrensache)
Weitere Hintergründe und Kommentare in deutschen Blogs:
Wortfeld (mit einem Überblick zur Situation in anderen US-Städten)
Retromedia (mit einigen Vergleichszahlen aus der deutschen Zeitungslandschaft)
Leander Wattig sieht die Sache weniger emotional
Claudia Sommer zieht vor der Größe, den eigenen Untergang zu dokumentieren den Hut
