Tapio Liller
über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Gründer und Managing Partner von Oseon, einer Unternehmensberatung für Kommunikation in Frankfurt am Main.
Zu Oseon »über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Gründer und Managing Partner von Oseon, einer Unternehmensberatung für Kommunikation in Frankfurt am Main.
Zu Oseon »…sagt Forrester Research Berater Sean Corcoran in seinem gestrigen Post. Wirklich?
Was Corcoran meint, sind so genannte “Sponsored Conversations”, also klar als bezahlt gekennzeichnete Beiträge über ein Produkt oder eine Dienstleistung. Er empfiehlt sie als ein Bestandteil des Marketing-Mix vor allem Unternehmen, die noch keine große Aufmerksamkeit genießen und online von sich Reden machen wollen. Zweite Voraussetzung neben der Kennzeichnung: Der Blogger darf schreiben, was er will. Das setzt voraus, dass man von der Qualität und Stärke seines Produktes sehr überzeugt ist und das Risiko negativer Äußerungen minimal ist.
Als Vorteil einer auf diese Weise “bezahlten Unterhaltung” führt der Forrester-Berater an, dass es authentisch ist (wobei ich das skeptisch sehe, denn “wes Brot ich ess’…”), zu verhältnismäßig geringen Kosten zu machen ist und die Chance auf Online-Buzz bringt, der auf herkömmlichem Wege nicht zu Stande gekommen wäre.
Was in Corcorans Post nur am Rande als “Challenge” auftaucht ist das Problem, dass Bezahlbeiträge in Blogs (und nur in etablierten Blogs ist es überhaupt sinnvoll) den Vertrauensvertrag zwischen dem Blogautor und seinen Lesern strapazieren.
Was soll ich von einem Blogger halten, den ich seit langem für seine ausgewogenen und/oder kritischen Beiträge schätze, wenn er plötzlich anfängt für Geld zu schreiben? Wenn das Vertrauen zwischen Leser und Blogger bröckelt, schlägt das auf den Auftraggeber der Bezahlbeiträge durch.
Welches Unternehmen – welches unbekannte zumal – will schon das Risiko eingehen, gleich zu Beginn als “Bloggerverbieger” bekannt zu werden?
Vielleicht gibt es hier einen kulturellen Unterschied zwischen den USA und Deutschland/Europa. Aber mein Rat wäre: Finger weg von Bezahlbeiträgen!

Seit ein paar Monaten vergeht kein Tag, an dem meine Mit-Twitterer oder ich nicht gefragt werden, was Twitter ist. Regelmäßig verfallen wir dann in ein mehr oder weniger schlüssiges Stammeln über 140 Zeichen und Follower und Gefollowte und warum das alles spannend ist.
Die eine knackige Definition, die einem Neuling sagt, was Twitter (in der Praxis) ist und warum es diese enorme Dynamik entfaltet, scheint es nicht zu geben. Die Unterhaltung endet dann oft mit dem Satz: “Ist halt schwierig in Worte zu fassen. Am besten probierst du’s mal selbst aus.”
Das gilt genauso für andere Plattformen im “Sozialen Netz”. Man mag es als Intensivnutzer ja kaum glauben, aber es gibt da draußen immernoch eine Menge Menschen, die nicht wissen, was ein Social Network ist, was in einem Online-Forum passiert, und wie ein Wiki bedient wird.
Wir sollten über diese Leute nicht lachen, auch nicht im Verborgenen, sondern es als Aufgabe annehmen, für Klarheit und Wissen zu sorgen. Denn der Medienwandel passiert. Und wer nicht mitkommt, kommt unter die Räder. So wie die Musikindustrie- und jetzt die “Journalismusindustrie”, wie sie der Musikmanager und Online-Unternehmer Tim Renner bei CARTA nennt.
Das dort formulierte “Renner’sche Gesetz” ist sein Weckruf für jede Branche, die der Digitalisierung ins Auge sieht:
“Der Wechsel vom analogen zum digitalen Medienträger bringt immer auch einen Wechsel des Geschäftsmodells mit sich.”
Eine weitere These Renners hat dazu noch großen Bezug zur Frage was Twitter eigentlich ist und ausmacht. Er sagt (Paraphrase von CARTA):
“Die Manager der Medienindustrien erfassen den Medienwandel vor allem auch deshalb nicht emotional, weil sie nicht in der Technikwelt der Nutzer ihrer Inhalte leben. Genau um solch ein emotionales Verständnis geht es aber.”
Ich würde das sogar verallgemeinern und sagen:
Kommunikations- und Marketingmanager aller Branchen müssen ein emotionales Verständnis für die Medien- und Technikwelt ihrer Kunden entwickeln, um sie künftig überhaupt noch zu erreichen. In letzter Konsequenz gilt das auch für Geschäftsführer und Vorstände.
Oder an einem fiktiven, aber nicht ganz unrealistischen Beispiel erklärt: Würdet ihr einem Vorstand eines Konsumgüterherstellers, der sich E-Mails von der Sekretärin ausdrucken lässt und die Antwort per Diktat auf den Weg schickt, abnehmen, dass er am Puls der Zeit ist? Eben!
Alles Erklären, die Theorie des Social Web, die überall in Fachblogs sprießenden “10 Regeln zum erfolgreichen Umgang mit Twitter”, all das ist sicher in der derzeitigen Explorationsphase der zweinulligen Kommunikation normal und vielleicht auch nützlich. Doch am Ende zählt die ganz praktische Durchdringung, die persönliche und emotionale Erfahrung des Neuen. Die Theorie bleibt grau und neblig.
Beispiele? Bitteschön: Wer noch nie das kleine High erlebt hat, wenn der erste Kommentar auf einem neu aufgesetzten Blog eingeht; wer sich noch nie über einen Re-Tweet einer frischen Linkempfehlung gefreut hat; wer noch nie “live” dabei war, wie die Nachricht eines Flugzeugabsturzes, wie am Mittwoch in Amsterdam, in Sekunden um die Welt geht; wer all diese Dinge nicht aus eigener Anschauung nicht nur gesehen und gelesen, sondern auch gefühlt hat, dem fehlt eine ganz entscheidende Voraussetzung für das Verständnis des Medienwandels. Denn das “Social” im Social Web ist sehr stark emotional geprägt.
Ohne dieses Verständnis wird es aber nicht gehen. Nicht mehr lange. Also lasst uns die Schüchternen, die Ängstlichen, die Ignoranten und die Faulen vor die Bildschirme zerren und ihnen zeigen, was sie verpassen. Und wenn die Glut der Faszination zu glimmen beginnt, geben wir Reisige hinzu und kleine Scheite, bis das Feuer der Begeisterung lodert und unsere Schützlinge selbst hinausgehen und Fragen über Twitter beantworten müssen.
Nennt mich ruhig Brandstifter. Es macht einen Riesenspaß!

Die Frage nach der Wirksamkeit von “viral” angelegten Videos bei YouTube und Konsorten wird nachwievor kontrovers diskutiert. Vor allem ist die Frage berechtigt, ob sich der zuweilen beträchtliche Aufwand zur Konzeption und Produktion eines Netzvideos wirklich lohnt und was man tun muss, um eine breite Resonanz auf den Film zu bekommen.
Die Viralmarketing-Agentur Dialog Solutions (DSG) aus Hamburg hat für eine bislang unbekannte Modemarke “Kill a Thrill” ein recht spektakuläres Video produzieren lassen und zwei Herangehensweisen zur Verbreitung gezielt miteinander verglichen.
In diesem ausführlichen Blogpost zeigen die DSGler, welche Reaktionen das Video hervorrief und analysieren sowohl statistische Daten als auch Hintergründe, warum Variante 2 mit aktiver Linkverbreitung besser funktionierte als das Video sich allein zu überlassen.
Leider sagt der Beitrag nicht, nach welchen Kriterien die “Seeding”-Seiten ausgewählt wurden und ob hier Absprachen mit den Seitenbetreibern bestanden. Dennoch ein lesenswerter Einblick in die Hintergründe von Viralmarketing per Video und ein Beleg dafür, dass es ohne professionelle Inhalte und sorgfältige Planung kaum geht.
Hier der Spot schon mal zum Staunen.
Ich hatte heute Vormittag das Vergnügen im Rahmen einer Veranstaltungsreihe von Dow Jones einen Vortrag zu Thema Web 2.0-Tools in Marketing und PR zu halten. Etwa fünfzig Teilnehmer fanden den Weg in den 21sten Stock des InterContinental in Frankfurt. Von außen ist das Gebäude ja hässlich wie die Nacht, aber die Aussicht von da oben ist klasse.
In einer halben Stunde kann man natürlich dieses sehr breite Thema nicht umfassen behandeln. Ich habe mich deshalb vor allem darauf konzentriert, die Notwendigkeit einer systematischen Herangehensweise an “zweinullige” Kommunikation zu vermitteln. Denn allzu oft heißt es doch immernoch “Die Konkurrenz hat ein Blog, wir brauchen das auch!” oder “Ich wollte da was mit einer Microsite machen, wie promote ich die denn?”. Das Pferd wird von hinten, also von der Technologie her aufgezäumt und dabei fallen allzu oft ganz grundlegende Fragen hinten runter. Nämlich:
Die Forrester-Analysten Josh Bernoff und Charlene Li haben diese Fragen in ihrem Buch “Groundswell” sehr schlüssig beantwortet, sodass ich keine Scheu habe, dort Anleihen zu nehmen. Die Präsentation von heute morgen bette ich hier mal zum Nachlesen ein. Falls dazu Fragen sind, bitte einfach per Kommentar oder Mail melden!
Schließlich gilt mein Dank noch Dr. Matthias Hoffmann, Marketing Manager bei Dow Jones, der mich als Sprecher eingeladen hatte.
Die Konjunkturaussichten sind eher trübe und nicht nur die Web-Szene entdeckt wieder das “bootstrapping”, also die Beschränkung der Kosten auf das absolut Nötigste. Bevor jedoch auch Kommunikationsbudgets radikal gekürzt werden, sollten sich Marketing-Entscheider darüber klar werden, wie sie ihre Unternehmen gestärkt aus der Krise führen können. Denn strategische Investitionen in Web 2.0-Kompetenz können nicht auf den nächsten Aufschwung warten. Sonst hat die Konkurrenz ihren Startvorteil schon gesichert.
Was es bei der Planung für 2009 und darüber hinaus zu bedenken gilt, erklärt dieser Beitrag.
Inzwischen ist das Thema auch in der Wirtschaftspresse angekommen. Die Menschen nutzen das Internet in einer Weise, die grundsätzliche Auswirkungen auf ihren Medienkonsum und ihr Kaufverhalten hat. Die folgenden Punkte müssen deshalb Unternehmen aller Branchen berücksichtigen, die sich zur Zeit über die Effizienz ihrer Kommunikationsbudgets Gedanken machen:
Die Menschen unterhalten sich im Netz auf gleicher Augenhöhe über die Dinge, die sie bewegen. Sie geben bereitwillig Rat und haben umgekehrt keine Hemmungen, Fragen zu stellen und sich Tipps zu holen. Dafür sind User-Foren, Bewertungsseiten und Social Networks schließlich gemacht – für die schnelle Verknüpfung unterschiedlichster Quellen, Menschen und Meinungen. Das Urteil, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung ihr Geld wert sind, fällt dadurch wesentlich schneller als im althergebrachten Mediensystem. Ob das Urteil nach streng wissenschaftlichen Maßstäben objektiv ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Das Vertrauen in die Quelle zählt, und das entsteht aus dem Gespräch, aus der Interaktion.
Wenn Unternehmen nun angesichts der Krisenzeichen an den Kommunikationsausgaben sparen wollen, können sie das dort gefahrlos tun, wo das Geld ohnehin nicht mehr gut angelegt war. TV- und Print-Werbung, auch Radiospots setzen an den Medienbrüchen an (oder schaffen selbst Brüche in Form von Unterbrechungen) und heischen nach Aufmerksamkeit, die sie nicht mehr bekommen. Und vor allem spricht Werbung nicht mit den Menschen, sondern nur zu ihnen.
Es wäre jedoch fahrlässig, Kommunikationsbudgets so radikal zusammenzustreichen, dass auch für das Internet nichts mehr übrig bleibt. Denn wenn man die Konsequenzen der oben skizzierten Thesen bedenkt, bleibt Unternehmen nichts anderes übrig, als sehr zügig Teil des Social Web zu werden. Als Gesprächsteilnehmer auf Augenhöhe in den Online-Diskussionen haben sie gleich mehrere Chancen, die heute oft noch ungenutzt bleiben:
All dies erfordert ein grundlegendes Umdenken über die Rolle von Marketing und Kommunikation in Zeiten des radikalen Medienwandels. Der gedankliche Schritt vom Verkünder zum Gesprächspartner ist zugegeben groß und geht unweigerlich mit einem Kontrollverlust einher. Das muss man sich erstmal trauen.
Doch es gibt dazu keine Alternative. Das Internet ist und bleibt das Leitmedium und wie die Menschen damit umgehen, ändert gerade grundlegend ihre Art Informationen zu sammeln und Entscheidungen über Kauf- oder Nichtkauf zu fällen. Das Gespräch ist der Kern jeder Beziehung und die Grundlage für Vertrauen. Unternehmen jeder Couleur tun gerade in Krisenzeiten gut daran, Gesprächsbereitschaft zu signalisieren und ihre Gesprächsfähigkeit sicherzustellen. Die dafür nötigen Investitionen in Technologien, aber vor allem Menschen und ihre Fähigkeiten sollten selbst in schweren Zeiten aufzubringen sein. Das Zeitfenster, Ihre Kommunikations “webfähig” zu machen ist kurz. Verpassen Sie es nicht!