Tapio Liller
über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »Und was lernen wir nun aus der ganzen Chose und hyperventilierenden Echauffage um den roten Riesen vom Rhein? Vor allem doch eines: Kommunikation ist nicht nur das, was man lautstark und bildgewaltig als solche deklariert (das ist Reklame), sondern deutlich mehr: Produkt, Service, Sprache und vor allem Haltung. Wie man das für “Old School“-Marketer schick in eine griffige Formel packen könnte, habe ich kürzlich mit einer Neufassung der “4 P des Marketing” skizziert.
Wir werden sehen, wie sich der Mobilfunker in den nächsten Monaten so machen wird. Wieviel Taten auf die Worte folgen werden und ob sich dann vielleicht nach und nach die Dissonanzen legen, die seit vergangenem Mittwoch durch die Blogosphäre schrillen. Für’s Erste empfehle ich aber noch die Lektüre der beiden aufgrund ihrer Erfahrung und Distanz zum Gegenstand sehr entspannten Herren
Wolfgang Lünenbürger bei PR 2.0,
der daran erinnert, dass es sowas wie “Social Media Kampagnen” nicht gibt, bzw. dass es ein vergeblich ist, mit den Mitteln und Mustern einer “Kampagne” die Essenz von “social”, nämlich vernetzte und verteilte Gespräche, maßgeblich anstoßen und – noch vermessener – kontrollieren zu können.
und
Werbeblogger Roland Kühl-v.Puttkamer,
der vom konkreten Fall abstrahiert und der gesamten Mobilfunkbranche und ihren Werbeagenturen attestiert, die kognitive Dissonanz zwischen Sagen und Tun in den vergangenen Jahren systematisch geschürt zu haben. Sein Appell, prototypisch auch für viele, die ihren persönliche kognitive Dissonanz deutlich weniger höflich zu Blog brachten: Vodafone braucht eine “sichtbare Veränderung der Produkt- und Serviceangebot, die bisher die Dissonanz auslösten”, sonst “bleibt alles eine einzige neuerliche Werbenebelkerze”.
Und so schließt sich der Kreis.
Meine Güte, ist da viel zusammengekommen in rund 24 Stunden, seit der große rote Mobilfunker aus Düsseldorf die “Generation Upload” zum Marketingziel auserkoren hat! Hier ein subjektiver Überblick der lesenswertesten Beiträge zum Thema. Dieser Post “lebt”, wird also bei Gelegenheit ergänzt um neue Links.
Cluetrain PR
Thilo Specht sieht in der Web-Pressekonferenz ein “Lehrstück der Generation Bullshit” und fordert Vodafone dazu auf, mit vielen Stimmen, statt einer zu sprechen.
Amendedestages
Christian Bölling ist ganz der Pragmatiker und meint, es sei doch schonmal lobenswert, dass die Technik funktioniert hat. Eine Podiumsdiskussion mit der Zielgruppe wäre ihm aber lieber gewesen.
Talkabout
Mikro Lange äußert sich respektvoll-lobend-kritisch zur Bereitschaft von Vodafone, auch mal auf den Deckel zu kriegen. Schließlich ist Social-Media-Land in der Praxis noch weitgehend unerforscht und ein Pionier muss eben auch einstecken können. Die Diskussion unterm Post ist ebenfalls sehr lesenswert.
PRlen
Journalist Björn Sievers war die Pressekonferenz peinlich. Ein bisschen wegen Vodafone und der vielen “leeren Phrasen” aber auch mächtig wegen der Unbedarftheit, die die anwesenden Journalistenkollegen an den Tag legten, als sie vor der Weböffentlichkeit eher uninspirierte Fragen stellten.
Mediaclinique
Ralf Schwartz widmet sich mehr den Inhalten der Pressekonferenz und meint, dass es “kontraproduktiv [ist|, die Mechanismen der alten Medien auf das Internet zu übertragen” und “Marketing-Strategie nicht vollkommen neu als Unternehmensstrategie zu denken.”
BasicThinking
Das verkaufte Blog findet so langsam wieder einen eigenen Stil und meint, dass “außer PR nix gewesen” ist. Denn Autor Michael Friedrichs vermisst die Taten zu den Worten – passende Tarife für die Generation Upload zum Beispiel.
Netzwertig
Der Blogwerk-Boss Peter Hogenkamp greift zum gleichen Thema selbst in die Tasten und mahnt an, dass Vodafone mit dem Abfeiern von neuer bunter Werbung auch deutliche Verbesserungen bei den Tarifkonditionen bringen muss. Die Diskrepanz von Sagen und Tun wäre sonst zu groß und das schöne Marketing-Geld verpulvert.
Wirres.net
Felix Schwenzel haut wie immer voll auf die Zwölf und kann sich “niemanden vorstellen, der sich von diesem pseudo-emotionalen, ästhetisch und musikalisch völlig uninspiriertem Kreativabfall angesprochen fühlen könnte.” Ansonsten ist er mit Peter Hogenkamps Forderungen einverstanden.
CDV!
Christian de Vries bleibt cooler, sieht in Vodafone einen langsam auf der aufgestauten Ems tuckernden Riesenpott, der erstmal das offene Meer des Social Web finden muss und lässt sich – auch selten heutzutage – noch etwas Zeit mit einem Urteil.
Don Alphonso
…lässt erwartungsgemäß kein gutes Haar weder an Vodafone, noch an Iro-Mann Sascha Lobo. Hoffen wir nur, dass seine Vision nicht in Erfüllung geht, dass sich nach dem “Debakel” keine Agentur mehr “auf diesen teuren und gleichzeitig komplexen Krempel des social Webs” einlassen wird.
der presseschauer
Daniel Schultz zuckt beim Vorwurf “Ausverkauf der Blogosphäre” eher mit den Schultern und meint, dass der ja schon längst im Gange sei. Er stößt sich vielmehr an der Werberdenke alter Schule und würde gern erleben, wie es aussähe, wenn Unternehmen ihre Kunden selbst die Werbung kreieren ließen.
Indiskretion Ehrensache
Und wer bis jetzt noch nicht genug vom Thema hat, kann sich Thomas Knüwers epischen Post zu Gemüte führen. Ich mache das jetzt und schreibe dann, was er meint. Neben dem Journalistenblick auf die Pressekonferenz fällt er ein vernichtendes Urteil über die Sinnhaftigkeit so großer Werbekampagnen allgemein, da sie nicht dazu geeignet seien, einen Kunden mehr für die technische Leistung zu gewinnen. Statt dessen sollten die Carrier lieber in Service investieren.
Off-the-record
Mutterschiff Horizont hatte was die Branchengeschichte angeht gestern die deutlich umfangreichere Dokumentation im Vergleich zum Wettbewerber W&V aus München. Im Blog meint Olaf Kolbrück, dass nach seinen Erfahrungen mit der Kommunikation von Arcor und Vodafone das vereinte Unternehmen noch einen weiten Weg vor sich hat.
Johannes Kleske
“Generation Uploadiger” als Johannes kann man kaum sein. Und das brachte ihn denn auch zu einer kleinen Vision, wie eine echte News von Vodafone hätte aussehen können.
…und weiter gehts…
Grenzpfosten
Florian Ranner stellt in seiner Zusammenfassung der Geschichte fest, dass der Strukturwandel der Öffentlichkeit eine Anpassung der PR zwingend erfordert und die früheren Gatekeeper nicht mehr entscheiden, was ein PR-Erfolg ist und was nicht.
…und am Abend…
…war es dann auch mal soweit, dass Vodafone-Sprecherin Carmen Hillebrand im noch frischen Vodafone Blog zu den Reaktionen auf die Presskonferenz Stellung bezog. Tenor: Wir hören euch und wir wollen uns Mühe geben, auch unser Handeln an die neuen Bedingungen anzupassen. Na also! Da ist er, der kleine zweite Schritt nach dem gewagten ersten.
…der nächste Tag (Freitag)…
…sah dann einen gänzlich unaufgeregten erklärenden Post von Scholz&Friends Social Media Mann Nico Lumma, der einfach mal auflistet, was zu einem “Brand Refresh” so alles dazugehört. Und, dass es Vodafone und S&F durchaus ums Zuhören geht und sie dabei sein, ihre Arbeitsweisen zu ändern. Es ist also alles erst ein Anfang, daran sollte man auch mal denken.
Update: Die Impulspräsentation zum Thema ist unten eingebettet.
Beim ersten Panel der heute und morgen stattfindenden remix09 unter dem Motto “online meets classic” war erwartungsgemäß sehr viel von “Marke” die Rede und die Panelisten, darunter Grey Zampano Bernd M. Michael, Stefan Tweraser von Google und Verlagsmanager Gregor Stemmle redeten von der Krise der Marke und den Möglichkeiten Marken unter veränderten Marktbedingungen zu führen. Was mich dabei störte: Nur am Rande war von den Menschen die Rede, deren verändertes Verhalten und die Verschiebungen in deren Wertewelt die Krise der Marke überhaupt hervorgerufen haben.
Als dann die vier berüchtigen Marketing P’s Product, Price, Place und Promotion bemüht wurden, die es an die “schwierigen Zeiten” (O-Ton Bernd M. Michael) anzupassen gelte, hatte ich das Thema für meine Open Session gefunden. Und damit ich sie morgen mittag um 12 halten kann, setze ich mal auf Crowdsourcing – besser Partizipation – und bitte euch um Mithilfe und Input.
Bei jedem der folgenden vier “neuen Ps” hätte ich gern eure ergänzenden Kommentare und praktischen Vorschläge, wie Kommunikatoren die neuen Anforderungen erfüllen können. Ein Mix aus verschiedenen Kommunikationsdisziplinen wie Werbung, PR, Onlinemarketing, Event, etc. ist sehr willkommen, denn hier geht’s ja ums Remixen!
Die Leitthese: Wir brauchen neue P’s!
Soweit meine erste Skizze der “Marketing P’s reloaded”. Ich freue mich auf euere Gedanken und darauf, sie morgen mit in die Session einzubauen!
Die Next09 vergangene Woche wirkt noch nach. Leider komme ich aufgrund anderer Verpflichtungen gerade nicht so recht dazu, die Eindrücke und Inspirationen in ein übergreifendes Resumée zu verpacken. Deshalb probiere ich’s einfach mit dem Unfertigen, der Beta – wie Jeff Jarvis sie auch in seiner Next09-Keynote (Video bei Sevenload) propagiert. Es muss ja nicht alles fertig sein, die Iteration und die Bereitschaft zu Fehlern können genauso gut zum Ziel führen.
Und damit bin ich schon beim ersten Grundgedanken, den ich aus Jarvis’ Buch und seinen Ausführungen auf der Next09 mitnehme. Der Wille zur Perfektion ist vielleicht etwas besonders deutsches, vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall trifft Jarvis einen wunden Punkt der deutschen Unternehmerkultur, wenn er darauf verweist, dass die Suche nach Perfektion in einer Welt der “Beta”-Versionen das Fortkommen behindert.
Der Grundsatz “guten Unternehmertums”, gute/perfekte Qualität durch Tüfteln, Schleifen, Nachbessern und Nachjustieren hinter verschlossenen Türen zu erreichen, bevor ein Produkt dem Markt übergeben wird, wird in vielen Bereichen dazu führen, dass jemand anderes die Kundschaft schon erreicht hat. Vielleicht nicht mit dem bestmöglichen Produkt, aber doch mit einem, das gut genug ist. Die Verbesserung kommt danach.
Das Gegenargument dazu wäre, dass man den Kunden zum Versuchskaninchen macht, indem man ihm “grüne Bananen” füttert, die erst reifen, wenn sie schon längst gegessen sind. Microsoft hat so seinen zweifelhaften Ruf in Punkto Softwarequalität erworben, von dem es sich heute nur noch sehr schwer wieder lösen kann.
Doch Microsoft, wie auch andere Unternehmen – ja auch Dienstleister – wollten zu viel. Sie wollten zu viel Machbares auch machen, statt sich auf das Gewünschte zu beschränken. So kamen wir zu Office-Funktionen, die nur 1% der Poweruser überhaupt nutzt, zu Handy-Features, die so tief in Menüs vergraben sind, dass sie niemand findet, zu Autocockpits, die vor lauter kleinen Lichtern wie ein Tannenbaum leuchten, aber den Fahrer vom Verkehr ablenken.
Das Jarvis’sche “Google-Prinzip” der ewigen Beta geht einen anderen Weg: Mit wenig Funktionen starten und schauen, was die Kunden noch wollen und vor allem wie sie es in der Praxis nutzen. Das beschleunigt den Marktstart enorm und lässt noch immer Luft für Neues. Ganz entscheidend für den Erfolg dieses Vorgehens sind aber auch kommunikative Tugenden und Grundhaltungen:
Könnte man den “Mut zur Beta” auch auf Kommunikationsdienstleister übertragen? Ich denke ja. Vielleicht müssen wir das sogar. Angesichts der Tatsache, dass Kommunikationsberater und -agenturen zu gleichen Teilen Beobachter/Analysten und Teilnehmer des medialen Wandels sind, können sie auch nicht behaupten, die Weisheit von morgen schon heute mit Löffeln gefressen zu haben. Wie könnten wir dann ernsthaft Kunden eine “fertige” Lösung für die Herausforderungen dieser neuen Medien- und Mediennutzungswelt präsentieren?
Natürlich werden wir versuchen, unseren Rat so fundiert wie möglich zu geben, unsere Erfahrung einbringen und die Rahmenbedingungen analysieren. Wir werden auch weiterhin Pläne aufstellen, wie bestimmte kommunikative Ziele zu erreichen sind und welche Schritte wir auf diesem Weg nehmen möchten. Aber was tun, wenn ein Plan nicht funktioniert? Wie kommunizieren wir das unseren Kunden?
Man kann natürlich versuchen, das Erreichte in Reports und Statistiken so hinzubiegen, dass es irgendwie zu den ursprünglich formulierten Zielen passt. Wenn wir ehrlich sind: Jeder in unserer Branche hat schon mal eine Statistik so aufgehübscht, dass sie passte. Der Spielraum dafür wird jedoch dünner. Kunden erwarten immer mehr Transparenz, messbare Ergebnisse und detaillierte Rechenschaft darüber, was Dienstleister für sie tatsächlich leisten (dazu auch meine Kurzumfrage vom April). Das ist nicht zuletzt ein Resultat der totalen Messbarkeit im Internet.
Die Alternative in einer “Beta-Welt”: Transparenz der Mittel, Transparenz des Zeitaufwandes, Transparenz der Ergebnisse, und eine Kommunikationskultur, die Fehler, Fehlentwicklungen, Mängel und Verzögerungen nicht unter den Tisch kehrt, sondern offen mit dem Kunden bespricht. Die Lösung findet sich bisweilen sogar gemeinsam leichter.
Wer sich vor einer solchen Kultur der offenen Zusammenarbeit scheut, sollte sich vor Augen halten, dass Perfektion auch im Geschäftsleben ein Ideal ist. Wir streben ihr entgegen, aber erreichen werden wir sie nicht. Da ist Business ganz menschlich – und diese Menschlichkeit zuzulassen wird meines Erachtens nachhaltigere Kundenbeziehungen schaffen, die über den aktuellen Auftrag hinaus gehen. Wer möchte schon ein zweites Mal mit jemandem zusammenarbeiten, der beim ersten Mal Geld für etwas genommen hat, was er nicht geleistet hat?
Hart verkürzt lautet der Aufruf an die Kommunikationsbranche also:
“Speak Beta, not Bullshit!”

“Intel inside” kennt jeder. Der Chip-Konzern hat dafür schließlich seit 1991 unglaublich viel Geld in die Hand genommen (hier ein historischer Überblick zur Kampagne). Intel steht für Prozessoren – und das wird dem Technologiekonzern nicht gerecht. Schließlich hat er mehr zu bieten und steckt noch viel mehr Geld in Forschung und Entwicklung von Erfindungen, die aus vielen Alltagsdingen nicht mehr wegzudenken sind. Zeit also, die Marke selbst zu stärken. Mit “Sponsors of Tomorrow” versucht der Konzern nun genau das.
Und die erste Episode aus dem augenzwinkernd-selbstironischen Auftritt lässt schonmal hingucken. Und es wird noch deutlich mehr werden, wie die Pressemitteilung zur heute startenden Kampagne verrät.
Natürlich greift das Unternehmen auch zu Social Media wo es nur geht, schließlich geht’s um die Menschen hinter der Marke. Dabei wird nicht alles für die Kampagne neu aufgesetzt, sondern ein bestehendes Blog als zentrale Gesprächsplattform genutzt. Dazu Bilder bei Flickr, natürlich ein Twitter-Feed, die Werbevideos und einiges mehr bei YouTube, sowie die unvermeidliche Facebook-Seite. was eben so dazu gehört.
Aber noch viel wichtiger als die vielen Kanäle ist die Haltung mit der das Gespräch mit den Besuchern geführt wird. So versucht man gar nicht erst, den Zuschauern weis zu machen, die Menschen in dem Werbespot wären echte Intel-Mitarbeiter. Im Gegenteil, der “Social Media Strategist” Michael Brito gibt unumwunden zu:
Yes, these are actors and not real Intel employees. We’re too busy for Hollywood; and besides, you still have me and the crew here; and several others you still haven’t met. We’re nice and we don’t bite … well, at least I don’t. There is, however, an area on the site to learn more about our very own “Rockstars” by clicking on See Our videos. I hope you enjoy.
Das ist direkt und authentisch und eine freundliche Einladung, in der Welt von Intel zu stöbern und zu entdecken gibt es tatsächlich viel. Und diese Erkenntnis ist schonmal ein wichtiger Beitrag zum Gelingen der Kampagne.
Und weil’s so schön ist (man beachte auch das gesungene Soundlogo!), hier gleich der zweite Spot aus der neuen Reihe:
Ergänzendes zur Intel-Kampagne bei: