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5Feb

LinkedIn: Eine Lokalisierung ist noch keine Markterschließung

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Das international vor allem im angelsächsischen Raum sehr erfolgreiche Business-Socialnetwork LinkedIN ist bekanntlich diese Woche (Netzökonom) mit einer deutschen Version gestartet. Nach mehr als zwei Jahren großer Töne und Ankündigungen, auf die keine Taten folgten. Jetzt gibt sich der Europachef Kevin Eyres kämpferisch und tut so (Focus), als würde ihn der Erfolg von XING im deutschsprachigen Raum nicht kratzen.

Konkrete Hinweise darauf, wie sich LinkedIN den gut “verxingten” deutschen Markt jenseits der international orientierten Business-User, die ohnehin schon beide Netzwerke nutzen, erschließen will, bleibt Kevin Eyres trotz aufmerksamkeitsstarker Ankündigung schuldig.

LinkedIN SprachauswahlBei genauerem Hinsehen ist der Start der deutschen Version vor allem eins: Eine zusätzliche Sprachoption mit dem Hinweis “BETA” auf der LinkedIN-Oberfläche. Mehr nicht.

Sicher, auch Facebook hat lokalisiert und ist wohl auf einem guten Weg den technisch wie konzeptionell schlafmützigen Studi/MeinVZs auf längere Sicht Nutzer zu entreißen. Doch bei Facebook geht es um den Jedermann-Nutzer, der sein Social Network vor allem privat nutzt. Gerade in Deutschland, ist mein Eindruck, ist die Trennung von “privat” und “geschäftlich” im Social Web sehr deutlich zu spüren. Das hat auch Einfluss auf das Nutzungs- und ggf. Wechselverhalten der Nutzer.

Ein deutsches XING-Mitglied, das über lange Zeit sein berufliches Netzwerk dort aufgebaut hat, sehe ich nicht mit wehenden Fahnen zu LinkedIN wechseln. Zumal er ein gelerntes User Interface verlassen und auf ein auch inhaltlich (zunächst) für seine Bedürfnisse unzureichendes Angebot treffen würde. Das weiß wohl auch Kevin Eyres, der mit deutschen Verlagen Kooperationen anstrebt – die Stellenmärkte werden da Begehrlichkeiten wecken – doch ob das ein Wechselgrund ist, bezweifle ich.

Lokalisierte Menüs können keine Community-Kultur erzwingen

In Social Networks, und sind sie auch noch so nutzengetrieben, entsteht so etwas wie eine Kultur, eine Art miteinander umzugehen. Sie wird vom Community Management gepflegt und da leistet XING nach meiner Einschätzung gute Arbeit. Die externe Kommunikation hatte in letzter Zeit ja so ihre Schwierigkeiten. Ob LinkedIn ein deutsches Community-Management installieren will, ist noch nicht erkennbar. Dem Angebot eine neue Sprachhülle überzustülpen wird ihm jedenfalls keine deutsche Online-Community-Kultur verleihen.

Am Ende werden die professionellen Nutzer selbst entscheiden, ob sich ein zusätzliches Network für die Kontakte nach Großbritannien und Amerika zu pflegen lohnt, oder nicht. Und ob es dann auch Mitgliedsbeiträge rechtfertigt.

Dass sich LinkedIN trotz aller Beteuerung nach wie vor mit dem Deutschen schwer tut, zeigt im Übrigen auch dieses Video, das sicher nett gemeint ist, letztlich aber unfreiwillig komisch bis lächerlich rüberkommt. (via LinkedIN Blog UPDATE: LinkedIN hat das Video leicht aktualisiert, indem das Voiceover am Ende jetzt akzentfrei Deutsch spricht. Immerhin.)

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14Aug

Mein Kontakt, dein Kontakt

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Ein Gericht in UK hat einem klagenden Ex-Arbeitgeber Recht gegeben, von seinem Ex-Mitarbeiter die Aufgabe seines LinkedIn-Profils zu verlangen und nach der Kündigung gepflegte Geschäftsbeziehungen zu diesen Kontakten offenzulegen. Begründet wurde das Urteil mit dem Arbeitsvertrag, der Geschäftskontakte als vertraulich einstuft und eine Verwendung nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses verbietet. (Auf Deutsch auch hier.)

Vertragsrechtlich mag das richtig und korrekt entschieden sein, dafür bin ich kein Jurist. Die Implikationen dieses Urteils für die Verwendung von Social Networks für berufliche Zwecke und darüber hinaus sind leider nicht ganz so einfach geklärt. Da poppen gleich eine ganze Reihe Fragen auf:

  • - Sind solche Klauseln in Arbeitsverträgen (Kontakte nicht weiternutzen nach Kündigung) überhaupt noch zeitgemäß?
  • - Sind Kontakte nicht eher ein persönliches Gut? Schließlich sind sie von Natur aus von Mensch zu Mensch, nicht von Firma zu Mensch, definiert.
  • - Was ist mit Leuten, die sich für eine freiberufliche Karriere entscheiden? Für sie muss es m.E. eine Möglichkeit geben, bestehende Kontakte später zu nutzen. Karenzzeiten sind da eine faire Lösung, finde ich.
  • - Sind solche Sperrklauseln gerade in Zeiten von Social Networks nicht auch rein praktisch albern? Wenn der Beklagte im britischen Fall sein LinkedIN-Profil löscht, hindert ihn ja niemand daran, ein neues einzurichten und die Kontakte neu herzustellen. Das könnte sogar eine Gelegenheit sein, auf seine Selbstständigkeit hinzuweisen…

..und zu guter Letzt wird sich ja kein Unternehmen wehren, wenn ein neuer Mitarbeiter wertvolle Kontakte aus seinen früheren Jobs mitbringt. Gerade im Agenturgeschäft und im Vertrieb ist das oft ein wichtiger Grund, einen Mitarbeiter einzustellen. “It’s a people business!”

Dieses Beispiel zeigt, dass Social Networking im Geschäft sehr viel weitgehendere Konsequenzen haben kann, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Eine Auseinandersetzung von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Juristen (gerade von Anwälten, die bei Arbeitsverträgen beraten) mit den Vor- und Nachteilen von “old school” Klauseln kann nicht schaden.

Sind Juristen hier?

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Nachtrag: Bin auf die Story gestoßen via Tweet von @gigold. Danke!