Tapio Liller
über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Gründer und Managing Partner von Oseon, einer Unternehmensberatung für Kommunikation in Frankfurt am Main.
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sind nur eine grobe Aufzählung der Twitternamen der Menschen, denen ich in anderthalb Tagen Next09 begegnet bin. Und da sind noch nicht mal die mindestens drei Hände voll dabei, die ich nur im Vorbeiflug grüßen konnte aber leider keine Zeit hatte, zumindest für 5 Minuten zu sprechen.
Aber es sagt viel über den Charakter der Next als Networking-Event aus. Es war toll organisiert und in einer tollen Location, und wieder zu Hause angekommen fühle ich mich ein wenig wie ein klatschnasser Schwamm. Vollgesogen mit Eindrücken, Gesprächen, Stimmungen, Schwingungen und Inspirationen, die erstmal verarbeitet werden müssen.
Mein Next09-Fazit lasse ich deshalb noch ein paar Tage gären. Jetzt bleibt mir erst mal nur meinen vielen Gesprächspartnern zu danken für eine schöne Next09 und dem Organisationsteam rund um SinnerSchrader-Kommunikationsboss Martin Recke und Mavens-Man Mark Pohlmann samt Obergastgeber Matthias Schrader ein Kompliment auszusprechen für eine gelungene und wichtige Veranstaltung. Wir sehen uns 2010!

So richtig wollen sie nicht zueinander passen, die in die Jahre gekommene, inzwischen doch sehr verspießerte CeBIT und die fast verschämt ins hinterste Eck der Halle 6 gepflanzte “WebCiety Area” mit ihren Sechseckständen in sehr dunkler, wechselnd-bunt beleuteter Atmosphäre als Hort der Internet-Hippness.

Die WebCiety verhielt sich zum Rest der CeBIT wie der mysteriöse, schwarz glänzende Quader in Stanley Kubricks “2001 – Odyssee ins Weltall” zum Rest des Mondes. Sie wurde neugierig beäugt von Menschen, die zunächst überfordert schienen von der Andersartigkeit der Fläche mit ihren schwarzen Teppichen und den mit weißen Trennlinien auf dem Boden angedeuteten und nur mit Projektionen gestalteten Kleinständen.
Hatte man sich dann ins Innere des okkulten Areals vorgewagt, sah man sich einem Altar gegenüber, auf dem von zwei Großprojektionen dominiert Themen besprochen wurden, die einem langjährigen CeBIT-(Fach-)Besucher wie Ketzerei vorkommen mussten. Wein im Web 2.0, ein Blogroman-Projekt, die Abenteuer des geheimnisvollen Raumschiffs “Enterprise 2.0″, und die sonderbaren Gewohnheiten der so genannten “Digital Natives”, der fanatischsten Anhänger einer wortreich beschriebenen (R)evolution namens “Web 2.0″.
So anders und neuartig ist die WebCiety, dass selbst die Redaktion des Nerd-Zentralorgans Heise.de nicht umhin kam, das “Kunstwort” zu erklären. Es war zwar auch ganz offiziell “Schwerpunktthema” der Messeveranstalter, blieb aber ein Fremdkörper im (deutlich geschrumpften) Meer der weiß-kalt beleuteten Messestände von Komponentenherstellern und Softwareanbietern. Die gefühlte Medienaufmerksamkeit hingegen war enorm, die Interviews-pro-Quadratmeter-Relation beachtlich – zu einem Gutteil bereitwillig und nicht ohne Stolz absolviert von der selbsterklärten Führungsfrisur der deutschen Webszene Sascha Lobo. Der Co-Organisator und Verantwortliche für’s Konferenzprogramm auf der Bühne, Björn Negelmann von KongressMedia, spannte derweil moderierend die Brücken zwischen den Panelisten und Vortragenden. Eine Arbeitsteilung, die wohl beiden sehr recht war.
“Computermesse” wird die CeBIT im Volks- und Tagesschaumund noch immer genannt, aber das beschreibt sie mehr schlecht als recht. Denn um Computer geht es nur noch am Rande und die Endverbraucher-nahen Aussteller mit ihren Handys, Laptops und Spielekonsolen sind fast alle weg. Geblieben sind reichlich im Ausstellerjargon “Beutelratten” genannte Privatbesucher ohne erkennbares Besuchsziel, die angesichts der sich ausbreitenden Leere und der deutlich karger ausgefallenen Ständen mit verzweifelten Blicken nach dem suchten, was die CeBIT vor 10 Jahren ausmachte: Die coolsten Neuheiten aus dem Reich der Gadgets, der inoffizielle Wettbewerb der heißesten “Booth Babes” und die lautesten Standparties mit Freibier nach Messeschluss. Nichts davon ist übrig geblieben im Rezessionsjahr 2009.
Die WebCiety konnte hier keinen Ausgleich schaffen, wollte sie auch nicht. Denn hier begegneten sich letztlich die avantgardistischen Vertreter einer Szene, die weder mit dem IT-Fachbesucher noch mit dem Tüten tragenden Gadget-Gaffer etwas gemeinsam haben. Wer schonmal auf einem Barcamp war oder einer “Web 2.0 Expo” oder einer “next“, konnte bekannte Gesichter finden, ein kleines Schwätzchen hielten und sich nach einem langen Messetag mit einem “Wir sehn’ uns dann auf der …” wieder verabschiedten. Es hatte was von Klassentreffen.
Inhaltlich blieb wenig hängen. Zu bunt gemischt und zu unterschiedlich in ihrer Qualität waren die Panels (meine Stichprobe ist vom Dienstag und Donnerstag). Die Moderatoren waren meist eher darauf bedacht, jeden Diskutanten zur Geltung kommen zu lassen, als eine kontroverse Diskussion zu fördern. Auch die Aussteller des WebCiety-Bereichs konnten aus meiner Sicht keinen Akzent setzen, der sie von normalen CeBIT-Ausstellern unterschieden hätte – mit einer Ausnahme: Eine Firma hatte einfach ein Telefon auf den Tisch gelegt und die Projektion darüber sagte “Wir haben mehr Aufträge als erwartet – deshalb ist leider keiner persönlich hier. Nutzen Sie doch einfach unsere Hotline zum Geschäftsführer.”
Wenn das ein Zeichen für die Zukunft des Web-Geschäfts ist, können die Besucher der WebCiety beruhigt nach Hause fahren. Die Konferenz selbst ist hingegen leider nicht mehr als der Versuch der Messegesellschaft, ihrer in der Langeweile des Wirtschaftsestablishments vermufften Großveranstaltung ein kleines bisschen Coolness zurückzugeben. Auch wenn Messechef Raue den Bereich im kommenden Jahr ausbauen will, die Themen der WebCiety werden anderswo schon längst in erprobten Formaten mit mehr Ruhe und inhaltlicher Tiefe diskutiert. In den Alltag der Unternehmen gelangen die Erkenntnisse ohnehin auf anderen Wegen, nämlich über die Gespräche und Debatten, die online stattfinden.
Das Web-Business braucht die CeBIT nicht, aber die CeBIT das Web-Business – und wenn es nur für den Anschein der immerwährenden Neuerfindung ihrer selbst ist.

Weitere Stimmen aus der deutschen Blogo- und Mediensphäre zum Thema:
Medien-Seite Meedia schreibt brav Pressemeldungen ab
Wiwo vernimmt Euphorie
InternetWorld Business fehlt die Tiefe
Ex-Connect-Mann und PR-Manager Bernhard Jodeleit wünscht der CeBIT gute Besserung
Für Sachar Kriwoj steht Business im Mittelpunkt
Markus “Fliegendes Auge” Huendgen hat mitgefeiert
Politik Digital vermisst die Politik
PRler Martin Kurth hat ein Dresscode-Problem
Thomas Knüwer bloggt sich ein wenig Hoffnung für 2010
Der Weltherrscher hat’s vorher gewusst

Heute fand an der Hochschule Darmstadt in Dieburg die Tagung “Zukunft Online-PR” statt. Organisiert von Studierenden des Studiengangs Online-Journalismus/Schwerpunkt PR im Abschlusssemester fanden sich rund 160 Teilnehmer ein. Die Agenda und weitere Hintergrundinfos zur Veranstaltung finden sich auf der Website der Veranstaltung. Die Präsentationen der Referenten sind bei Slideshare abrufbar.
Hier folgt das Transkript meines Liveblogs, das ich über den Tag hinweg geführt habe. Tippfehler bitte ich mit Nachsicht zu behandeln.
Dass die weltweit erste Microblogging Conference in Hamburg stattfand, ist toll und dem Initiator Cem Basman gebührt der Dank für zwei schöne Tage in entspannter Atmosphäre unter netten Leuten und bei leckerem Catering (was nicht selbstverständlich ist bei einem Ticketpreis von 38€!). Vielleicht ist es aber auch logisch, dass die MBC in Deutschland ihren Anfang nahm. Denn wenn es hierzulande um neue Technologien geht, steht sofort eine sehr engagierte Gemeinde von Geeks auf der Matte, die sich stundenlang über die verschiedensten Tools unterhalten will.
So auch auf der MBC. Klar, die Sponsoren sollten zu ihrem Recht kommen und Redezeit erhalten. In Hamburg waren das vor allem Anbieter von Werkzeugen für das Mikrobloggen: Desktop-Client-Macher Twhirl, Google-Handy-Applikationsmacher Twidroid, die Corporate Microblogging-Lösung Communote und andere.
Es ist aber symptomatisch für solche Konstellationen, dass dann vor allem eins getan wird – zeigen was man kann. Da wird über Features gesprochen, Knöpfchen erklärt, APIs und ihre Vor- und Nachteile diskutiert, und wieder eine neue Funktion vorgestellt und soweiter. Für Spielkinder wie mich, die ohnehin schon die allermeisten Dinge zumindest mal kurz ausprobiert haben und dann bei einer kleinen Auswahl von Tools bleiben, ist das unerquicklich. Außerdem verschenkt es die größte Chance, die eine solche Konferenz hat, nämlich sich vom Werkzeug zu lösen und den Blick zu weiten auf die Dinge, die man mit den digitalen Hobeln und Meißeln gestalten möchte.
So blitzte nur gelegentlich etwas Vision auf – etwa als die Journalistentwitterer von taz-online (Jan-Michael Ihl), derWesten (Katrin Scheib) und Welt Kompakt (Frank Schmiechen) im Panel bereitwillig Auskunft gaben was sie beim microbloggen bewegt, warum sie es tun und weshalb sich mehr Redaktionen dem Instrument öffnen sollten. (Hier kommt noch ein Link zum Video hin, sobald es da ist.)
Auch das Panel zur Zukunft des Microblogging mit Evan Prodromou, Macher der Open Source Plattform laconi.ca und der Fertiglösung identi.ca sowie Nico “Herr Direktor” Lumma und Marco Kaiser von Seesmic brachte zumindest die Erkenntnis, dass man gut beraten ist, eine alternative, offene Technologie zu unterstützen und sich nicht – wie im Falle von Twitter – einem geschlossenen System ohne klares Geschäftsmodell mit Haut, Haaren und allen Kontakten zu verschreiben. Mit dem Risiko des Scheiterns, wenn das Geld schneller alle ist als die Monetarisierung es ausgleichen kann. (Dazu ein Plädoyer von Evan beim Café Digital.)
Um die Sache abzukürzen: Ich fand die Idee der MBC klasse, die Rahmenbedingungen weitgehend gut (akustisch etwas anstrengend), das inhaltliche Konzept sollte aber bei der für September in Köln geplanten zweiten Auflage deutlich breiter fächern.
Mehr Anwendung, weniger Tools. Mehr warum und zu welchem Zweck microbloggen, als womit. Der von Bastian Scherbeck vorgestellte – noch sehr frische – Anwendungsfall “eBay Deutschland bei Twitter” war ein erster Schritt in die Richtung. Allein die vielen Fragen während der kurzen Session, die vor allem um die inhaltlich-redaktionellen Fragen und das Warum? des Twittereinsatzes kreisten, zeigten für mich, dass hier die wahre Spannung liegt.
Wenn es also diesmal vor allem um die Hobel ging, wünsche ich mir für’s nächste Mal eine MBC zum Thema “Was wollen wir schnitzen, und wie stellen wir’s an?”. Gerade für diese Fragestellung sollten sich doch auch Sponsoren und Referenten jenseits der Werkzeugmacher finden lassen.
PS: Übrigens, der Nachhall der MBC im Netz war so stark, dass leWeb-Zampano und Mitsponsor Loic Le Meur Cem einlud, für die diesjährige leWeb eine eigene MBC in Paris zu organisieren. Glückwunsch, Cem!
Am Donnerstag, 29. Januar findet an der Hochschule Darmstadt bereits zum zweiten Mal die Tagung “Zukunft Online-PR” statt. Sie wird organisiert von Studierenden des Bereichs Online-Journalismus, Schwerpunkt PR, die im Vorfeld vorbildliche Online-PR für ihr Semesterprojekt machen und mit Blogs, Twitter, XING-Gruppe und anderen Tools sehr geschmeidig umgehen.
Ich werde da sein und würde mich freuen, möglichst viele Vertreter der Online-PR-Zunft dort zu treffen. Der Nachwuchs verdient unsere Aufmerksamkeit und Teilnahme.
Alle Informationen und Anmeldung auf der Webseite der Tagung. (Der Kostenbeitrag liegt bei höchst erschwinglichen 35 Euro für nicht-Studierende)
Außerdem kann das Blog des Studiengangs “PR Fundsachen” mehr Leser vertragen.