Tapio Liller
über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »UPDATE: Nachdem die Teilnahmebedingungen hier wohl zu anspruchsvoll waren, gibt’s jetzt eine modifizierte Aktion mit deutlich geringeren Hürden. Dazu geht’s HIER entlang.
Spätestens seit der re:publica sind Poken das heißeste Gadget, das das Zweinullnetz derzeit zu bieten hat. Überall sah man Leute “high four” geben, also die kleinen Hände der Poken aneinander halten und drahtlos Kontakte tauschen. Twitter war voll davon und so mancher Presseartikel und Blogpost hat den Hype auch schon entdeckt.

Poken (so auch das Verb zum Substantiv) macht Spaß und damit noch mehr eben diesen haben, starte ich heute die Aktion “Osterpoken”. Es gibt drei fabrikneue Poken zu gewinnen. Kostenlos und frei Haus. Und so geht’s (Video starten!):
Nochmal in Kürze:
1. Stelle dich kurz per Video, Mini-Podcast oder Blogpost mit Bild vor und begründe vor allem kreativ, warum ausgerechnet du ein Osterpoken haben musst.
2. Poste deinen Beitrag mit dem Tag “Osterpoken” auf dein Blog und
3. Verlinke hier her.
Sobald eine nennenswerte Zahl an Beiträgen zusammengekommen sind (mindestens 12 sollten es bis Ostersonntag! schon werden), werden die Gewinner der Poken von der Glücksfee ermittelt (Live-Übertragung geplant) und gehen dann in die Post. Die Gewinner werden hier noch einmal gefeatured, also macht was draus!
Viel Spaß und ich freue mich auf Eure Beiträge!
BITTE LESEN (das Kleingedruckte)!
Poken ist derzeit noch nicht offiziell in Deutschland erhältlich und die Website hat noch viele kleinere Fehler. Außerdem ist dies eine rein private Aktion. Garantie- oder Gewährleistungsansprüche sowohl für die Poken-Hardware als auch die Benutzung des zugehörigen Web-Portals sind deshalb ausdrücklich ausgeschlossen. Außerdem übernehme ich keine Haftung für etwaige aus der Nutzung des Poken-Dienstes entstehende Schäden. Mit der Teilnahme an der Aktion Osterpoken erklärst du dich mit diesen Bedingungen einverstanden.
WICHTIG: Bitte achtet bei der Benutzung des Poken (und sonst natürlich auch) darauf, keine sensiblen persönlichen Daten oder Passwörter herauszugeben. Die Poken-Website gibt es als SSL-verschlüsselte Seite https://www.doyoupoken.com – Bitte nutzt unbedingt diese zur Anmeldung und Eintragung eurer Profile! Der Link auf dem Poken selbst führt leider zur unverschlüsselten Seite!
Ich geb’s zu. Ich bin ein nahezu zwanghafter Webdienst-Early-Adopter. Was irgendwie neu ist und sich nicht vor Google versteckt, wird ausprobiert. Die Anmeldung ist schnell gemacht, E-Mail-Adresse, Passwort, Nutzername, fertig. Doch wehe, das Ausprobieren endet in der Bewertung: “Brauch ich nicht.” Dann sind die zuvor ach so einladenden Onlineplattformen plötzlich gar nicht mehr kooperativ.
Einen einfachen und vor allem schnell auffindbaren “Account löschen”-Knopf sucht man fast überall vergebens. Dann geht die Suche los. In der Hilfe steht meist nur, wie man die Funktionen des Dienstes am besten nutzt, nicht aber was zu tun ist, wenn man sich nur verlaufen hat. Gleiches gilt für FAQ-Listen. Oft steht da vorbildlich Nützliches für den ratlosen Nutzer, aber nicht für den Enttäuschten, der wieder seiner Wege gehen möchte.
Dabei wäre genau das nur recht und billig. Wer jemandem um den Preis der Preisgabe einiger persönlicher Daten einen sonst kostenlosen Service anbietet, sollte demjenigen auch die Chance geben, wieder ohne schlechtes Gewissen zu gehen. Bei kostenpflichtigen Diensten muss der Betreiber ja auch klar und deutlich sagen, wie man wieder kündigen kann.
Das Problem das ich in dieser Vorgehensweise sehe ist folgendes:
Nutzer gehen mit der Anmeldung zu einem kostenlosen Webdienst einen Vertrauensvertrag mit dem Betreiber ein. Für die persönlichen Angaben gibt’s die Funktionen der Plattform, dafür darf der Betreiber aber meist auch Werbung einblenden. Der Deal funktioniert gut, solange das Neumitglied einen Gegenwert spürt. Stimmt der Gegenwert nicht mehr, ist es legitim, den Vertrauensvertrag wieder zu lösen.
Bietet ein Plattformbetreiber dann aber nicht die Möglichkeit, den Account samt persönlicher Daten genauso schnell und einfach zu löschen, wie sich anzumelden, entsteht beim Nutzer ein ungutes Gefühl: “Erst reinlocken aber dann nicht ziehen lassen…” Misstrauen entsteht: “Was die wohl noch mit meinen Daten vorhaben…?!”
Keine gute Basis für eine längerfristige Beziehung zwischen Betreiber und Nutzer. Und schon gar keine Grundlage für eine Weiterempfehlung. Es könnte ja sein: Man selbst mag den Dienst nicht mehr nutzen, weil er für einen persönlich nichts bringt. Aber grundsätzlich fand man’s gut und würde ihn Freunden, Bekannten, Kollegen, Twitter-Followern, etc. weiterempfehlen.
Und noch einen negativen Effekt hat ein solches Gebaren: Als jemand der Klienten bei der Auswahl von Onlinediensten für die Nutzung im und für ihr Unternehmen berät, kann ich schlecht die Nutzung von Services anraten, die nach dem Prinzip “Umarmung mit Handschellen” arbeiten.
Ich werde dieses Thema in nächster Zeit mal detaillierter unter die Lupe nehmen und einen Folgepost schreiben, der die Erfahrungen mit der Abmeldung bei verschiedenen Diensten zusammenfasst. Und wenn ihr eigene Erfahrungen beisteuern möchtet, könnt ihr das gerne in Kommentarform tun. Ich bin gespannt!

Vor über einen halben Jahr bloggte ich über ein Szenario (damals noch auf Englisch): “Was wäre, wenn PRler komplett auf Pressemitteilungen verzichten würden?” Abwegig? Mitnichten! Schließlich gibt es genug andere Wege Informationen zu verbreiten. Und die Akzeptanz von online-freundlich aufbereiteten Inhalten wächst zusehends. Eben fand ich über meinen ehemaligen Kollegen Drew Benvie (bei Twitter) eine Story beim britischen Medienblog “Press Gazette“, die aufhorchen lässt. Dan Martin, Redakteur bei BusinessZone, beschloss gestern, der Flut an ungerichteten Pressemitteilungen etwas entgegenzusetzen. Kommenden Montag und Dienstag wird er ausschließlich Kurz-Pitches über Twitter akzeptieren.

Dan lobt kurzerhand einen “PR Pitch by Twitter Challenge” aus und sagt auch warum:
“The journalist/PR relationship is a strange one. I admit I’m prone to the odd rant following a call from someone pitching me a story which is completely irrelevant to the subjects I write about or far too advertorial to warrant coverage but unfortunately given my job, listening to the occassional pitch which I can do nothing with is a necessary evil.But PRs, it’s time for a change.”
Gesagt getan: Zweit Tage lang will Dan Martin nur Themenvorschläge von PR-Leuten haben, die ihm per Twitter zugestellt werden. Die Regeln sind knallhart:
“That means you have just 140 characters to grab my attention so it had better be good. I will only deal with single tweets so no pitches which expand into multiple updates will be considered.”
Klare Ansage. Nun ist das Konzept des “Twitpitch” oder noch kürzer “Twitch” nicht neu. Web-Guru Stowe Boyd – eher Opfer langweiliger Startup-Präsentationen – hat die Würze durch Kürze schon vor längerer Zeit zur Regel erhoben. Dass jetzt ein Journalist zumindest mal zwei Tage lang den Versuch wagt, spricht Bände über den Leidensdruck von Redakteuren, die hunderte unpassend adressierte oder schlicht langweilige Pressemitteilungen erhalten.
Das Beispiel zeigt, dass sich PR-Profis nicht nur theoretisch mit den neuen Techniken wie Twitter auseinandersetzen müssen, sondern dass sie über kurz oder lang ganz handfeste Konsequenzen für den Alltag als “Medienarbeiter” haben werden. Dass Twitpitching durchaus auch in Deutschland funktionieren kann, habe ich vergangenes Jahr beschrieben.
Wie seht ihr das, liebe PR-Kollegen und liebe Redakteure? Ist der Kurz-Pitch per Twitter für euch eine echte Alternative? Ist es realistisch, über Twitter eine Exklusivgeschichte zu bekommen, wie Dan hofft? Welche Redaktion lobt als erste in Deutschland den Twitpitch-Tag aus?
PS: Die Aktion bringt BusinessZone immerhin neue Leser, soviel ist sicher. Deshalb war das Experiment auch – Achtung Ironie! – eine Pressemitteilung wert.

Letzte Woche das Handelsblatt, heute BILD.de. Blogsuchmaschinen- und Trackback-Technik-Firma Twingly gibt Gas und gibt schon die zweite namhafte Verlagskooperation in Deutschland bekannt. Ab sofort werden Blogposts, die sich auf Artikel von BILD.de in den Bereichen Unterhaltung, Sport, Bundesliga oder BILD.com (Englische Inhalte) beziehen, in einer kleinen Box (Beispiel-Artikel) am Ende des jeweiligen Artikels angezeigt.
Wer hätte das gedacht, angesichts der fast schon flehenden Appelle des Handelsblatt-Bloggers Thomas Knüwer, der sich für die stärkere Verlinkung der deutschen Newsseiten starkt macht.
“Link-Juice” nämlich. Der Saft aus dem das Social Web besteht und das Blogs ihre tollen Suchmaschinenplatzierungen beschert wird ab morgen auch vom Online-Zweig des Handelsblatts aus dem Hause Holtzbrinck gepresst, oder geerntet, je nach Sichtweise. Wie Thomas Knüwer heute abend vorab bloggte, wird neben jedem Artikel auf Handelsblatt.com ein kleines Kästchen erscheinen, das zeigt, welches Blog sich auf diesen Beitrag bezieht.
Warum das toll ist? Ganz einfach:
Für das Handelsblatt ist es toll, weil a) die Leser sehen, dass es Menschen gibt, die sich weiterführend mit einem Artikel beschäftigt haben und b) weil die automatisch eingesammelten Links den “Link-Juice” für die Website erhöhen und die Artikel künftig bei Google weiter oben landen werden.
Für die Blogger ist das toll, weil sie c) den einen oder anderen zusätzlichen Leser bekommen, der über die Backlinks auf sie aufmerksam wird und d) wiederum ihr Google-Karma wächst.
Außerdem ist die Einführung dieser Technik auf einer der wichtigsten Wirtschaftspublikationen im deutschsprachigen Internet so etwas wie eine Adelung der Blogosphäre durch die sich sonst eher durch Behäbigkeit und Internetskepsis auszeichnende Verlagswelt. Ich wette manchen Blogger wird der Ehrgeiz packen, prominent in den Linkback-Kästchen beim Handelsblatt zu landen.
Möglich wird der Blog-Trackback durch eine Technologie des schwedischen Unternehmens Twingly, die neben einer ziemlich smarten Blog- und Microblogging-Suchmaschine eben die Technik Twingly Blogstream anbietet. Mit ihrer Hilfe können Blogverlinkungen in das redaktionelle Umfeld eingebunden werden, ohne dass gleich jeder Spam-Link oder zweifelhafte Seiten dort landen. Denn Blogstream schaltet eine Moderation dazwischen, wie sie auch bei Blog-Kommentaren üblich ist.
Alles in allem ein hochspannendes Vorhaben und ein gutes Signal für die deutsche Blogosphäre, die es auch schon freudig aufnimmt. Bei der MBC09 in Hamburg hatte ich Twinglys Business Developerin Anja Rauch kennengelernt, die für die Sache Feuer und Flamme ist. Verlage, die jetzt auf’s Handelsblatt neidisch werden, sollten sie gleichmal kontaktieren.
UPDATE: Heute, Donnerstag 29.1.09, hat Handelsblatt.com die Funktion nun freigeschaltet und bringt dazu einen kurzen Beitrag in eigener Sache. Pikantes Detail am Rande: Der Artikel liest sich wie eine Pressemitteilung, die in dieser Form und Floskelhaftigkeit von Journalisten stets kritisiert und nie und nimmer 1:1 (übrigens samt Tippfehler “Tageseitungen”) publiziert würde. Bei der Meldung aus dem eigenen Haus nahm man es beim Handelsblatt wohl nicht so genau.