Tapio Liller
über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Inhaber der Unternehmensberatung für PR und Online-Kommunikation Oseon.
Zu Oseon »Ja, das Innovationstempo der Netzkonzerne kann einem schon mal unheimlich sein. Da versucht Google über Jahre mit der (finanziellen und personellen) Brechstange (Buzz, Wave, Google+) das Thema “Social” zu knacken und Facebook beschließt kurzerhand, sich einfach mal neu zu erfinden. Zumindest wenn man den allfälligen “Warum Facebook das Internet wie wir es kennen revolutionieren wird”-Artikeln glaubt.
Dem beiläufigen Beobachter und vielleicht Nutzer all dieser Plattformen fällt wohl allenfalls auf, dass die Benutzeroberfläche des Dienstes plötzlich anders aussieht. Hier tauchen neue Listen auf, dort werden in der Timeline die Artikel neu sortiert und priorisiert. Ein wenig Aufregung und Umgewöhnung später, geht Otto-Normal-Facebooker wieder seiner Wege und nutzt was da ist.
Es sind aber die Intensivnutzer, die gern aus beruflichen Gründen hinter die neu gestrichene Fassade schauen und anfangen zu analysieren. Da kommt dann schnell etwas metaphorisch-panikhaftes heraus, wie bei Olaf Kolbrück, der in Mark Zuckerberg einen digitalen Sonnengott Louis Quatorze’scher Dimension sieht, der sich alles, aber auch alles aus dem Leben der Leibeigenen Facebooknutzer unter den Nagel reißen will. So nachvollziehbar Olafs Skepsis und sein offen eingestanden emotional begründeter Vertrauensverlust in das soziale Netzwerk ist, so wenig kann ich seine plötzliche Panik verstehen. Es ist ja nicht so, dass Facebook vor der Ankündigung der Neuerungen ein digitaler Weisenknabe gewesen wäre.
In London und anderen Städten auf der Insel randalieren und plündern Horden von Leuten quer durch ihre Stadtteile und brennen Häuser nieder, gefährden Menschenleben. Wenn der dünne Firnis der Zivilisation abbröckelt, bleibt vom Menschen nur noch das Tier übrig. Neben den schrecklichen Bildern vom Geschehen scheint die (deutschen) Medien vor allem zu interessieren, wie es zu den Massenausschreitungen kommen konnte. Dann fallen schnell die zwei Namen, die seit der Ägyptischen Revolution offenbar fest gesetzt sind, wenn es um die Kommunikation von vielen Menschen untereinander geht: Facebook und Twitter.
“Die Krawallmacher und Plünderer organisierten sich über Facebook und Twitter…” heißt es dann im ZDF-Morgenmagazin und anderswo. Abgesehen davon, dass das wohl nur in Grenzen stimmt – wie der britische Guardian berichtet nutzen die Plünderer vor allem den (weitgehend geschlossenen) BlackBerry Messenger – was sagt dem Zuhörer diese Information? Macht es irgendeinen Unterschied, ob sich Verbrecher über das Social Web organisieren oder einfach nur per Telefon und SMS? Weiterlesen »
Er hält sich enorm hartnäckig im Sprachgebrauch, der Begriff von den “Neuen Medien” (gern mit großem N, wie in “Neues Testament”). Wer diesen Terminus verwendet, meint damit alles mit Computer, oder wahlweise alles mit Internet und impliziert mit seiner Wortwahl, dass es auch “alte Medien” gibt (die meist mit kleinem a). Das sind dann so Dinge wie Bücher, Zeitung, Radio und Fernsehen.
Wenn ich jemand “Neue Medien” sagen höre, stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Denn meine persönliche Erfahrung zeigt, dass jemand der “Neue Medien” sagt, dem Neuen nicht sonderlich aufgeschlossen gegenübersteht. Oft geht das mit Angst aus Unwissen einher. Leute, die “Neue Medien” sagen, bestellen auch gern einen “Beauftragten für Neue Medien” – einen Internetversteher. Das ist der – meist jüngere Kollege – der einen eigenen YouTube-Account hat, oder Facebook schon von innen gesehen hat.
“Neue Medien”, das klingt nach immernoch nicht im Hier und Jetzt angekommensein. Nach Unsicherheit und der Suche nach Rat, ja Schutz, vor dem Unbekannten. Wenn ein “Neue Medien”-Sager fortschrittlich ist, dann fühlt er sich immerhin mit dem Schreiben von E-Mails leidlich wohl. Denn das kennt er. Weiterlesen »
Gestern hatte ich die Gelegenheit, zum ersten Mal beim Webmontag Frankfurt (#wmfra, Facebook-Link) zu sprechen. Nachdem das mit Marie-Christine Schindler gemeinsam geschriebene Buch “PR im Social Web” (Amazon-Link) nun auf dem Markt ist, habe ich versucht ein paar Erfahrungen aus der Zeit des Konzipierens und Schreibens weiterzugeben. Die Talks beim Webmontag hatten die knackige Zeitvorgabe von maximal 10 Minuten. Daher der teils etwas eilige Sprechstil.
Hier das Video zum Vortrag.
Und hier die Slides zum parallelen Nachschauen.
Dass es den Fachverlagen in Deutschland dreckig geht, ist keine Neuigkeit. Im IT-Bereich, den ich seit über 10 Jahren beruflich aus nächster Nähe verfolge, sind in den letzten Jahren viele Titel eingestellt oder auf reine Online-Präsenzen mit Mikroredaktionen eingedampft worden. Im Sommer vergangenen Jahres erst verabschiedeten sich InformationWeek und Network Computing, einstmals wichtige Eckpfeiler jeder PR-Kampagne für Software- und Hardware-Hersteller, aus dem Rennen. Im Consumer-Segment sieht es bei den Auflagen nicht besser aus, wie bei Meedia neulich zusammengefasst wurde.
Als PRler beobachte ich angesichts der sinkenden Auflagen, schrumpfenden Heftumfänge und zurückgehenden Anzeigenbuchungen schon lange einen wachsenden Druck zur “Advertorialisierung”. Will heißen: Verlagsleiter – das sind die, die für den Anzeigenverkauf zuständig sind – nehmen massiv Einfluss auf die Redaktionen, möglichst nur solche Firmen mit Berichterstattung zu “belohnen”, die auch Anzeigen schalten – oder die optisch als redaktionellen Beitrag kaschierte Variante einer Anzeige, das “Advertorial”. Manche Firmen können es sich leisten Anzeigen zu schalten, viele nicht. Deshalb investieren sie vornehmlich in PR. Zur Einordnung ein Beispiel: Mit dem Geld für zwei ganzseitige Anzeigen in der Computerwoche kann man für einen kleineren Software-Anbieter eine sehr ordentliches PR-Programm bezahlen – für ein ganzes Jahr.
Die Methoden mit denen die Verlage Marketingverantwortlichen und PR-Agenturen wie meiner auf den Leib rücken, lassen sich in drei Gruppen unterteilen: