Tapio Liller
über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Gründer und Managing Partner von Oseon, einer Unternehmensberatung für Kommunikation in Frankfurt am Main.
Zu Oseon »über PR, Marketing, das Internet und wie das alles zusammenpasst. Tapio ist Gründer und Managing Partner von Oseon, einer Unternehmensberatung für Kommunikation in Frankfurt am Main.
Zu Oseon »Das international vor allem im angelsächsischen Raum sehr erfolgreiche Business-Socialnetwork LinkedIN ist bekanntlich diese Woche (Netzökonom) mit einer deutschen Version gestartet. Nach mehr als zwei Jahren großer Töne und Ankündigungen, auf die keine Taten folgten. Jetzt gibt sich der Europachef Kevin Eyres kämpferisch und tut so (Focus), als würde ihn der Erfolg von XING im deutschsprachigen Raum nicht kratzen.
Konkrete Hinweise darauf, wie sich LinkedIN den gut “verxingten” deutschen Markt jenseits der international orientierten Business-User, die ohnehin schon beide Netzwerke nutzen, erschließen will, bleibt Kevin Eyres trotz aufmerksamkeitsstarker Ankündigung schuldig.
Bei genauerem Hinsehen ist der Start der deutschen Version vor allem eins: Eine zusätzliche Sprachoption mit dem Hinweis “BETA” auf der LinkedIN-Oberfläche. Mehr nicht.
Sicher, auch Facebook hat lokalisiert und ist wohl auf einem guten Weg den technisch wie konzeptionell schlafmützigen Studi/MeinVZs auf längere Sicht Nutzer zu entreißen. Doch bei Facebook geht es um den Jedermann-Nutzer, der sein Social Network vor allem privat nutzt. Gerade in Deutschland, ist mein Eindruck, ist die Trennung von “privat” und “geschäftlich” im Social Web sehr deutlich zu spüren. Das hat auch Einfluss auf das Nutzungs- und ggf. Wechselverhalten der Nutzer.
Ein deutsches XING-Mitglied, das über lange Zeit sein berufliches Netzwerk dort aufgebaut hat, sehe ich nicht mit wehenden Fahnen zu LinkedIN wechseln. Zumal er ein gelerntes User Interface verlassen und auf ein auch inhaltlich (zunächst) für seine Bedürfnisse unzureichendes Angebot treffen würde. Das weiß wohl auch Kevin Eyres, der mit deutschen Verlagen Kooperationen anstrebt – die Stellenmärkte werden da Begehrlichkeiten wecken – doch ob das ein Wechselgrund ist, bezweifle ich.
In Social Networks, und sind sie auch noch so nutzengetrieben, entsteht so etwas wie eine Kultur, eine Art miteinander umzugehen. Sie wird vom Community Management gepflegt und da leistet XING nach meiner Einschätzung gute Arbeit. Die externe Kommunikation hatte in letzter Zeit ja so ihre Schwierigkeiten. Ob LinkedIn ein deutsches Community-Management installieren will, ist noch nicht erkennbar. Dem Angebot eine neue Sprachhülle überzustülpen wird ihm jedenfalls keine deutsche Online-Community-Kultur verleihen.
Am Ende werden die professionellen Nutzer selbst entscheiden, ob sich ein zusätzliches Network für die Kontakte nach Großbritannien und Amerika zu pflegen lohnt, oder nicht. Und ob es dann auch Mitgliedsbeiträge rechtfertigt.
Dass sich LinkedIN trotz aller Beteuerung nach wie vor mit dem Deutschen schwer tut, zeigt im Übrigen auch dieses Video, das sicher nett gemeint ist, letztlich aber unfreiwillig komisch bis lächerlich rüberkommt. (via LinkedIN Blog UPDATE: LinkedIN hat das Video leicht aktualisiert, indem das Voiceover am Ende jetzt akzentfrei Deutsch spricht. Immerhin.)
Weitere Artikel zum Thema u.a. bei:
Dieser Tage möchte man kein angestellter Journalist sein. Große, einstmals unerschütterlich wirkende Verlagsgruppen kappen Kosten, verlegen Redaktionen und streichen Stellen. Auch die Fernsehbranche bleibt nicht verschont, wie die geplante Verlagerung von Sat.1 nach München zeigt. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Qualität des Journalismus in Deutschland, das allein ist schon alarmierend genug. Es wird auch die Arbeit von PR-Agenturen und Pressestellen verändern.
“Zeitschriften sind Grundnahrungsmittel.”
Hubert Burda in seiner Eröffnungsrede der VDZ-Zeitschriftentage. (horizont.net via Turi2)
Wenn das so ist, werden wir in absehbarer Zeit deutlich hungriger durch die Welt gehen. Denn die Medienkrise ist hier. Die um sich greifende Rezession und die Versäumnisse der Verlage, sich rechtzeitig auf den Wandel des Mediennutzungsverhaltens durch das Internet einzustellen, führen zu weniger Anzeigen und zur Abwanderung von Lesern und Sehern zu anderen Medien. Die Folgen sind so dramatisch wie seit der Zeitungskrise infolge des Platzens der New Economy-Blase vor 8 Jahren nicht mehr.
Die Süddeutsche Zeitung soll 15 Millionen Euro sparen, die FAZ will die Kosten um zehn Prozent drücken, und heute verkündete auch Gruner+Jahr, man werde die bislang in Köln ansässigen Wirtschaftstitel “Capital” und “Impulse” sowie den Münchner Ableger “Börse Online” an die Zentrale nach Hamburg holen. Zuvor hatte bereits die Essener WAZ-Gruppe radikale Stellenkürzungen angekündigt.
Dass darunter die Qualität leidet, davon sind auch Journalistenkollegen überzeugt, die (noch?) von außen die Dinge beobachten. Diese Entwicklung ist für jeden von uns als Leser und Zuschauer traurig und ärgerlich zugleich. Die Rechnung hingegen ist simpel: Weniger Redakteure haben weniger Zeit, können weniger reisen, haben kaum Zeit für sorgfältige Recherche und müssen dennoch jeden Tag oder jede Woche das Blatt füllen.
Für PR-Profis in Agenturen und Unternehmenspressestellen haben diese Umwälzungen gleich mehrere Auswirkungen:
Hinzu kommt, dass gewachsene, langjährig gepflegte Beziehungen zu Redakteuren auf einen Schlag wertlos werden, weil sich durch Sparmaßnahmen Ressortzuschnitte ändern und Zuständigkeiten für Themen neu verteilt werden. Oder der Redakteur ist eben nicht mehr da.
Sicher werden nachhaltig gepflegte Beziehungen und ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis zwischen PRler und Journalist nicht überflüssig, doch wir müssen davon ausgehen, dass die klassische Pressearbeit künftig nicht mehr die Ergebnisse bringen wird, die wir bislang gewohnt waren.
Für PRler heißt das, dass sie in Zukunft weniger in einzelnen Publikationen, sondern eher in Ressorts denken müssen. Dazu gehört, Themen und Inhalte so aufzubereiten, dass sie unabhängig vom Veröffentlichungsmodus wie Print, Bewegtbild, Online-News, Blog, etc. genutzt werden können. Alles, was den unter Zeitdruck stehenden Redakteuren hilft, schneller und zielgerichteter zu arbeiten, wird seine Abnehmer finden. Starre Formate wie Pressemitteilungen und schriftliche Statements in glattgebügelter “Corporate Speak” werden hingegen an Bedeutung verlieren. Web-basierte Informationsangebote erfüllen die Kriterien Geschwindigkeit und universelle Verwendbarkeit am ehesten und werden künftig das PR-Werkzeug Nummer 1 sein.
Sobald die Verlage den Schock der vergangenen Wochen verdaut haben, werden auch sie in Online endlich die Chancen sehen. Rupert Murdoch, der Medienromantik unverdächtig, sagt denn auch ganz treffend:
“Our real business isn’t printing on dead trees. It’s giving our readers great journalism and great judgment.” (via Guardian)
Die jahrzehntelange Beschränkung auf die Einweg-Kommunikation in Form von Verlautbarungen hat Unternehmen und leider auch viele Marketing- und PR-Entscheider dazu verleitet, nach dem Motto “Viel hilft viel und wer lauter ist gewinnt” zu agieren. Aber wer schreit, kann nicht zuhören, geschweige denn mitreden.
Wenn PR-Agenturen nicht als verlängerte Werkbank für die klassische Pressearbeit ihr eigenes Ende herbeiführen wollen, müssen sie ihren Leistungs- und Beratungumfang erweitern. Hin zu mehr Dialog, als Mittler in den Konversationen von Unternehmen zu Kunden und Interessenten.
Klar ist PR eine langfristige und strategische Aufgabe. Doch Public Relations-Programme, die über die Jahre hinweg nur das Erfolgsrezept von damals iterieren, werden sich binnen Kurzem totlaufen. Gerade der bevorstehende Jahreswechsel ist eine gute Gelegenheit, Gewohntes zu hinterfragen und mit den Kunden klar und (selbst-)kritisch über die künftige Ausrichtung der Kommunikationsarbeit zu sprechen. Denn jetzt können Kampagnenpläne für 2009 noch umgeschrieben und Budgets anders priorisiert werden.
Im Umbruch liegt deshalb auch eine große Chance für Berater und Agenturen, die sich bei ihren Kunden als Lotsen mit Weitblick und Durchblick beweisen können.
Ein PR-Berater, der noch nie Blogmonitoring mit den gängigen Tools ausprobiert hat, der noch nie in einem Blog oder Forum kommentiert hat oder Facebook, StudiVZ und Social Bookmarking nur vom Hörensagen her kennt, bringt sich um seine Jobchancen der nahen Zukunft. Weiterbildung im Job, sei es autodidaktisch in den Abendstunden zu Hause oder strukturiert in Seminaren und Workshops ist jetzt schon unerlässlich. Denn die Theorie zu kennen ist eine Sache, die Werkzeuge und Arbeitsweisen des Social Web aus praktischer Erfahrung zu beherrschen eine andere.
Der PR-Nachwuchs ist unabhängig vom Studiengang ebenfalls gut beraten, sich schnell und umfassend mit den Mechanismen der öffentlichen Meinungsbildung, den Arbeitsweisen von Journalisten, mit Web 2.0-Technologien und so weiter zu befassen. Meine Erfahrung als “Junioren-Recruiter” bei meinem alten Arbeitgeber zeigt, dass kaum ein Hochschulabsolvent diese Voraussetzungen mitbringt. Praktika hin oder her. Zielführend ist hier meines Erachtens nur Eigeninitiative und Experimentierfreude. Denn Hochschulen und Berufsverbände mit ihren angeschlossenen Ausbildungseinrichtungen hinken der Entwicklung noch weiter hinterher als die Agenturen.
Angesichts der Veränderungen die uns ins Haus stehen und deren Einschläge wir immer näherkommen hören kann es sich der Berufsstand der Öffentlichkeitsarbeiter nicht leisten so zu tun, als würde uns das alles nichts angehen. Denn täten wir das, ginge es uns wie den Medienhäusern, die das Internet viel zu lange nicht ernst genommen haben und zu Gunsten von vielen Klicks auf Qualität verzichtet haben.
Die Lage ist zwar ernst, aber nicht hoffnungslos, denn auch das hat Rupert Murdoch erkannt, am Ende der Zeitungskrise wird eine neue Fülle von Medien stehen, die die Menschen ganz anders erreichen werden, als heute.
“In this coming century, the form of delivery may change, but the
potential audience for our content will multiply many times over.”
In seinem Statement für die Australian Broadcasting Corporation, das der Guardian in Auszügen wiedergibt, wird er außerdem mit den Worten zitiert:
“It used to be that a handful of editors could decide what was news
– and what was not. They acted as sort of demigods. If they ran a
story, it became news. If they ignored an event, it never happened,” he
added.“Today editors are losing this power. The internet, for
example, provides access to thousands of new sources that cover things
an editor might ignore. And if you aren’t satisfied with that, you can
start up your own blog and cover and comment on the news yourself.”
Dem ist auch aus Sicht eines PR-Mannes nichts hinzuzufügen. Machen wir was draus!
PS: Wem das jetzt zu staatstragend war, kann sich zur Erheiterung ja auch diese Vorschläge zur Krisenbewältigung anschauen.
Die Konjunkturaussichten sind eher trübe und nicht nur die Web-Szene entdeckt wieder das “bootstrapping”, also die Beschränkung der Kosten auf das absolut Nötigste. Bevor jedoch auch Kommunikationsbudgets radikal gekürzt werden, sollten sich Marketing-Entscheider darüber klar werden, wie sie ihre Unternehmen gestärkt aus der Krise führen können. Denn strategische Investitionen in Web 2.0-Kompetenz können nicht auf den nächsten Aufschwung warten. Sonst hat die Konkurrenz ihren Startvorteil schon gesichert.
Was es bei der Planung für 2009 und darüber hinaus zu bedenken gilt, erklärt dieser Beitrag.
Inzwischen ist das Thema auch in der Wirtschaftspresse angekommen. Die Menschen nutzen das Internet in einer Weise, die grundsätzliche Auswirkungen auf ihren Medienkonsum und ihr Kaufverhalten hat. Die folgenden Punkte müssen deshalb Unternehmen aller Branchen berücksichtigen, die sich zur Zeit über die Effizienz ihrer Kommunikationsbudgets Gedanken machen:
Die Menschen unterhalten sich im Netz auf gleicher Augenhöhe über die Dinge, die sie bewegen. Sie geben bereitwillig Rat und haben umgekehrt keine Hemmungen, Fragen zu stellen und sich Tipps zu holen. Dafür sind User-Foren, Bewertungsseiten und Social Networks schließlich gemacht – für die schnelle Verknüpfung unterschiedlichster Quellen, Menschen und Meinungen. Das Urteil, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung ihr Geld wert sind, fällt dadurch wesentlich schneller als im althergebrachten Mediensystem. Ob das Urteil nach streng wissenschaftlichen Maßstäben objektiv ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Das Vertrauen in die Quelle zählt, und das entsteht aus dem Gespräch, aus der Interaktion.
Wenn Unternehmen nun angesichts der Krisenzeichen an den Kommunikationsausgaben sparen wollen, können sie das dort gefahrlos tun, wo das Geld ohnehin nicht mehr gut angelegt war. TV- und Print-Werbung, auch Radiospots setzen an den Medienbrüchen an (oder schaffen selbst Brüche in Form von Unterbrechungen) und heischen nach Aufmerksamkeit, die sie nicht mehr bekommen. Und vor allem spricht Werbung nicht mit den Menschen, sondern nur zu ihnen.
Es wäre jedoch fahrlässig, Kommunikationsbudgets so radikal zusammenzustreichen, dass auch für das Internet nichts mehr übrig bleibt. Denn wenn man die Konsequenzen der oben skizzierten Thesen bedenkt, bleibt Unternehmen nichts anderes übrig, als sehr zügig Teil des Social Web zu werden. Als Gesprächsteilnehmer auf Augenhöhe in den Online-Diskussionen haben sie gleich mehrere Chancen, die heute oft noch ungenutzt bleiben:
All dies erfordert ein grundlegendes Umdenken über die Rolle von Marketing und Kommunikation in Zeiten des radikalen Medienwandels. Der gedankliche Schritt vom Verkünder zum Gesprächspartner ist zugegeben groß und geht unweigerlich mit einem Kontrollverlust einher. Das muss man sich erstmal trauen.
Doch es gibt dazu keine Alternative. Das Internet ist und bleibt das Leitmedium und wie die Menschen damit umgehen, ändert gerade grundlegend ihre Art Informationen zu sammeln und Entscheidungen über Kauf- oder Nichtkauf zu fällen. Das Gespräch ist der Kern jeder Beziehung und die Grundlage für Vertrauen. Unternehmen jeder Couleur tun gerade in Krisenzeiten gut daran, Gesprächsbereitschaft zu signalisieren und ihre Gesprächsfähigkeit sicherzustellen. Die dafür nötigen Investitionen in Technologien, aber vor allem Menschen und ihre Fähigkeiten sollten selbst in schweren Zeiten aufzubringen sein. Das Zeitfenster, Ihre Kommunikations “webfähig” zu machen ist kurz. Verpassen Sie es nicht!
Studien, Untersuchungen, Umfragen, Expertisen, Analystenberichte, Marktforschungsergebnisse, all diese Zahlenwerke kommen allzu oft sehr spröde und unansehnlich langweilig daher. Dass es auch anders geht, beweist die internationale Digital-Agentur Razorfish (in Deutschland Neue Digitale/Razorfish, in Frankfurt) mit ihrem jährlichen “Consumer Experience Report”.
Dieses 84 Seiten starke Dokument liefert nicht nur inhaltlich einen wichtigen Beitrag zum Stand der Internetwelt und wie sie sich aus Sicht der Kreativen und Techniker entwickeln wird, sondern ist auch ein unglaubliches Fest für’s Auge. Als Magazin gestaltet, mit eigenem Design für jede “Story”, ist FEED, so der Titel des Berichts, so liebevoll gestaltet wie kein anderer Report, der mir in den vergangenen 12 Monate unter die Augen gekommen ist.
Die Präsentation im Web mit umblätternden Seiten macht es schön anzuschauen, zum Lesen ist das nötige Rein- und Rausgezoome allerdings nichts. Nur schade, dass es von diesem Publishing-Highlight wohl kaum Druckexemplare gibt, wie mir Johannes Kleske (er arbeitet bei der Neuen Digitalen) eben per Twitter sagte. Sammlerwert hätten sie damit allemal.
Wie die Blogpiloten (via heise) berichten, hat sich das Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) der Sicherheit in Social Networks angenommen. Beunruhigend sind die Erkenntnisse über Facebook, XING, StudiVZ, Lokalisten und Co. durchaus. Denn neben Verhaltenstipps und sorgfältiger Auswahl der Informationen, die man so online stellt, gibt es wohl auch technische Sicherheitsdefiziten. So werden zum Teil Passwörter beim Login im Klartext übertragen. Damit sind schon Zugriffe über das WLAN des Kaffee-Dealers um die Ecke hochriskant.
Das PDF-Dokument der Studie gibt in Kapitel 8 aber auch praktische Tipps, wie man sich im Netz sicherer bewegen kann. Allein diese Seiten lohnen den Download (hier).