Google+ oder “In 20 Schritten zum Mainstream”

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Der Start von Google+ steht für einen wiederkehrenden Prozess der Übernahme einer neuen  Social Networking Plattform in den allgemeinen Gebrauch. So oder so ähnlich, spielt es sich ab. Immer.

  1. Auf Twitter werden sonst selbstbewusste Geeks zu “Bittebitte, ein Invite, BÜÜÜTTTÖÖÖÖ”-bettelnden Kleinkindern.
  2. 60 Sekunden nach der Anmeldung erscheint die erste Beschwerde auf Twitter: “Meine Oma ist weder bei Facebook noch bei Twitter, WOHER WISSEN DIE, WIE SIE HEISST????”
  3. Weitere 15 Sekunden später ruft jemand nach einer Implementierung von Farmville, Mafiawars und allen bekannten Pokervarianten des Universums.
  4. Noch einmal 10 Sekunden später fragt jemand: “Sind eigentlich auch Firmenprofile geplant?”
  5. Das bringt sofort Social Media Berater auf den Plan, die den Namen des Social Networks schleunigst in “Ich biete” bei Xing eintragen.
  6. Der erste meldet die Domain [namedessocialnetworks]-experte.de an (wenn verfügbar natürlich auch .com .co.uk und .net).
  7. Sascha Lobo versucht alle seine Twitter und Facebook-Kontakte zur neuen Plattform zu transferieren. Dazu startet er einen sinnlosen Kommentarthread, wo einfach jeder einen dämlichen Gruß reinschreiben soll. 17.324 der in den letzten 2:37 Minuten angemeldeten User folgen dem Aufruf.
  8. Eine Suchfunktion für Inhalte im Stream, die älter als 4 Minuten sind, wird schmerzlich vermisst.
  9. Klaus Eck veröffentlicht eine Liste mit “Top 10 Tipps, wie Sie [namedessocialnetworks] für das Reputationsmanagement einsetzen können”.
  10. Spiegel Online berichtet über das neue Netzwerk und warnt vor der Datensammelwut des Unternehmens.
  11. Die Top 10 Tipps Liste wird diversifiziert und erscheint nacheinander für KMU, Freelancer, Lebensmittelkonzerne, Versicherungen und B2B-Unternehmen.
  12. Einen Tag später versammelt die erste NGO ihre Unterstützer im neuen Netzwerk und ruft zu Spenden auf. Einige Fans äußern Zweifel über die sachgerechte Verwendung der Spenden im Regenwald von Borneo und wittern eine Verschwörung mit den Palmölherstellern.
  13. Einen weiteren Tag später verkünden die ersten Nutzer, dass sie fortan nur hier zu finden sind und legen ihren Facebook-Account auf Eis. Das erste Spaß-Mem macht die Runde.
  14. Eine bislang in der Beraterszene unbekannte Marktforschungsfirma veröffentlicht eine Studie mit anklagender Executive Summary, die bemängelt, dass erst 3 DAX-Konzerne bei [namedessocialnetworks] präsent sind. HORIZONT und W&V veröffentlichen die Ergebnisse per Copy/Paste aus der Pressemitteilung, um die Klicks mitzunehmen.
  15. Ein Konferenzveranstalter widmet einen ganzen Track dem neuen Social Network. Klaus Eck, Nicole Simon und Mirko Lange füllen die 4 Stunden nach der Mittagspause locker mit seit 4 Jahren gesammelten Screenshots von Best und Worst Practices. Die ersten verunsicherten Anrufe von Kunden gehen bei Werbe- und PR-Agenturen ein.
  16. FAZ-Netzökonom Holger Schmidt berichtet über die ersten Erfolge von US-Konzernen bei der Nutzung des Social Networks als Marketinginstrument. Der Artikel wird selbstverständlich mit Zahlen von Comscore und dem amerikanischen PEW Research Center untermauert. Ob die Zahlen für Deutschland relevant sind, ist erstmal zweitranging, ist schließlich ein Trendthema.
  17. Aus dem Konferenztrack entsteht die Grundlage für einen neuen Lehrgang der Social Media Akademie. Referent wird Björn Eichstädt, der drei Onlinevorlesungen lang erklärt, warum die Bahn besser ihre Klimaanlagen reparieren sollte, als bei [namedessocialnetworks] das Geld der Kunden für sinnlosen Dialog zu verbraten.
  18. Die Zahl der bei [namedessocialnetworks] geposteten Videos von niedlichen Katzen übersteigt die Zahl der Links von Social Media Experten zu Artikeln bei Mashable.
  19. Der Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger (BDZV) fordert die Politik dazu auf, [namedessocialnetworks] an den Kosten für den Stellenabbau in den Zeitungsredaktionen zu beteiligen. Außerdem wird eine Ausweitung des Leistungsschutzrechts auf das neue Netzwerk gefordert. Schließlich würden dort zu erheblichen Teilen urheberrechtlich geschützte Textpassagen unlizenziert übernommen.
  20. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fordert transparentere Datenschutzrichtlinien von [namedessocialnetworks] und will sich bei Nichtbefolgung 14 Tage später höchstpersönlich wieder abmelden.

 

(Ich muss hoffentlich nicht erwähnen, dass dies eine Satire ist, oder?)

Nachtrag: Mich findet ihr bei Google+ hier.