Verlinkt nicht! Zitiert nicht!

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Links sind böse! Sehr böse sogar! Links sind die Wurzel allen Übels! Durch Links gelangen Leser auf eine Webseite. Durch Links erscheinen Webseiten weiter oben in den Suchmaschinenergebnissen. Links sorgen dafür, dass Menschen in den Weiten des Internets von A nach B kommen und so neue Dinge erfahren und auf neue Gedanken kommen. Das kann so nicht weitergehen!

Noch schlimmer als Links sind Zitate! Zitate kommen direkt aus der Hölle! Zitate aus Artikeln machen neugierig auf die komplette Geschichte. Zitate regen zum Klicken an, weil sie ein kleinwenig vom Inhalt eines Artikels verraten, aber nie alles. Wenn man ein Zitat gelesen hat und es interessant fand, muss man klicken, um das ganze Bild zu bekommen. Schande! Zitate gehören verboten!

Wie gut, dass es endlich jemand sagt! Die Verlage von Frankfurter Allgemeiner Zeitung und Süddeutscher Zeitung fordern Unterlassung von den Betreibern einer Webseite namens “Commentarist”. Diese Hasardeure haben beides getan: zitiert und verlinkt. Und zwar unter anderem auf Kommentare und Meinungsbeiträge der beiden Verlage. Sie haben also dafür gesorgt, dass Leser neugierig werden und klicken und den ganzen Kommentar auf der Ursprungsseite lesen. Dafür sollen sie in der Internet-Hölle schmoren und den Rest ihres jämmerlichen Daseins tote Links anklicken müssen: “404 – Not Found”. Sie haben nichts anderes verdient!

Wo kämen wir denn hin, wenn plötzlich jeder zitieren und verlinken könnte, worauf er lustig ist. Man könnte ja auf dumme Gedanken kommen und keine Zeitungen mehr kaufen. Und keine Paid-Content-Angebote mehr wahrnehmen. Und überhaupt, man könnte ja vielleicht sogar selbst etwas veröffentlichen und dann andere darauf verlinken lassen. Und das geht nun wirklich nicht.

Also mein Rat: Verlinkt nicht! Zitiert nicht! Auf keinen Fall. Ich verlinke auch nicht auf die FAZ oder die Süddeutsche. Auf Commentarist auch nicht. Und ich zitiere auch nicht aus dem Artikel über die Sache bei Spiegel Online. Ich könnte ja auf Unterlassung verklagt werden. Wenn ihr trotzdem wissen wollt, wie die Geschichte anfing und mit welch schlagenden Argumenten die Anwälte von FAZ und SZ gegen Commentarist vorgehen, müsst ihr schon mit einer Suchmaschine suchen und dann klicken. Aber nur ein Mal! Als Schlagwort reicht schon “Commentarist” – Da kommt schon genug zum Weiterlesen.

Ach und nochwas: Verlinkt bloß nicht auf diesen Blogpost! Und zitiert ihn nicht! Keinesfalls! Ich könnte euch auf Unterlassung verklagen. Geht statt dessen lieber auf die Website von IGEL und informiert euch über den Begriff “Leistungsschutzrecht” und was es damit auf sich hat. Den einen einzigen Link traue ich mich noch zu setzen. Aber sagt das bitte nicht weiter, ich will keinen Ärger!