Blogger-Regeln: Der DRPR demontiert sich selbst

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Da ist sie also, die Onlinerichtlinie des DRPR. Seit drei Wochen im Netz auf einem Posterous-Blog mit zwei Dutzend Kommentaren seitdem. Ich kam leider erst heute dazu, das ganze nochmal in Ruhe zu lesen und den Textentwurf, der ja als Diskussionspapier vorliegt zu kommentieren (dazu bitte hier entlang). Die Aufregung der Blogdiskussion im Januar – angestoßen durch Alexander Güttlers Äußerungen in der W&V – hat sich gelegt. Der Aufreger war ja auch nicht, dass der DRPR sich mit Online-Kommunikation beschäftigt – das soll er ruhig tun – sondern dass er vertreten durch Herrn Güttler einen Anspruch formuliert, der weit über die bislang vom DRPR adressierten Kommunikationsprofis (vulgo PRler) hinaus reichte. Man wollte “Blogger-Regeln” schaffen, die für mehr Transparenz im Social Web sorgen sollten. Davon ist im jetzigen Textentwurf nichts mehr zu sehen. Trotzdem bleibt der PR-Rat bei seinem Anspruch, wie ein Zitat des Vorsitzenden im PR Magazin zeigt. Wie ich schon im diese Woche erschienenen PR Magazin (Ausgabe 5/2010, S. 6) kommentierte, bleibt bei mir der Beigeschmack, dass sich hier jemand persönlich profilieren wollte. Ich könnte jetzt natürlich mit den Schultern zucken und sagen “Pff, soll er doch, mit seiner Forderung ist er ja offenbar nicht durchgekommen.” Aber das wäre dann doch zu einfach.

Das Verhalten des DRPR gefährdet seine eigene Glaubwürdigkeit

Denn es geht mir nach wie vor auch um das öffentliche Gebaren eines Gremiums, das einen Regulierungsanspruch auf das Verhalten meines Berufsstandes postuliert. Was ich meine ist Folgendes: Wenn sich der DRPR zum “Hüter der Blogs” aufschwingt, dann doch bitte in aller Konsequenz und mit offenem Visier. Während der Entwurfsphase – also bis Mitte April dieses Jahres – war nur Herr Güttler mit seinen Versatzstücken zu vernehmen. Nichts zum Nachlesen. Jetzt ist der Text da und die Blogger kommen nicht mehr vor.

“Was ist dein Problem?” könnte der geneigte Leser jetzt fragen. “Ist doch vom Tisch!” Mitnichten, sage ich dann. Denn in eben jenem PR Magazin Artikel wird der Vorsitzende des PR-Rats, Richard Gaul, mit folgende Worten zitiert:

“Wenn Blogger PR machen, begeben sie sich auf unser Spielfeld. Dann können wir sie bei Verstößen öffentlich mahnen. Die Naivität des Netzes darf nicht missbraucht werden.”

Moment! Habe ich da was verpasst? Im Text steht nichts von Bloggern und trotzdem behält der DRPR den Anspruch aufrecht, sich die Blogger vorzuknöpfen? Irgend etwas stimmt hier nicht. Da bekommt die schwammig formulierte Präambel doch plötzlich eine neue Note! Mir riecht das zu sehr nach Hintertür.

Vorneherum sucht der DRPR die Diskussion, “um zu einem gemeinsamen Verständnis beizutragen, was im Web als PR in Ordnung geht und was eben nicht” (Begleittext des Posterous-Blogs zum Diskussionspapier), aber auf Nachfrage eines Fachredakteurs wird der Geltungsanspruch weiter aufrechterhalten. Offenes Visier geht anders. Und was noch schlimmer ist: So untergräbt sich der Rat seine eigene Glaubwürdigkeit  – wenn er denn unter Bloggern eine hatte. Denn für die ist der PR-Rat ohnehin keine Ernst zu nehmende Instanz. Man könnte die Geschichte aber auch unter dem Stichwort “Vorzeitige Selbstdemontage” ablegen.