Wer sagt eigentlich, dass ein neuer Dienst wie Posterous eigentlich gleich “the next big thing” sein muss? Es reicht doch schon vollkommen, dass er praktisch und – leider nicht allzu oft der Fall – einfach zu bedienen ist.
Klar, man kann so ziemlich alles, was man im Netz so findet in Posterous reinschmeißen und das dann automatisch an alle Plattformen, die vielleicht die eigenen Freunde und Bekannten nutzen, verteilen lassen. Das kann, muss aber nicht spammy sein.
Was mich ein wenig wundert (und zugleich freut) ist, dass Posterous in den letzten Tagen eine so steile Welle der Aufmerksamkeit in der deutschen Blogosphäre erhält. Schließlich gibt’s den Dienst schon ne ganze Weile und ich nutze ihn seit Januar. Aber vielleicht ist das einer jener Social-Media-Netzwerkeffekte wenn ein “Superhub” wie Steve Rubel bekannt gibt, er lifestreame jetzt nur noch über Posterous.
Dass ich seit einigen Wochen dazu übergegangen bin, täglich mehrfach beim “kleinen Bruder” dieses Blogs, beim Nebelhorn zu posten, hat ein paar gute Gründe:
- Es ist sehr einfach. E-Mail oder Bookmarklet (ich nutze Posterous im Firefox Add-on Share-a-holic) genügen.
- Eine Überschrift reicht. Manche Dinge müssen nicht groß kommentiert werden. Es reicht, sie in der Betreffzeile zu verschlagworten und fertig.
- Ich teile gern Fundstücke aus dem Netz mit anderen (dann auch via Autopost zu Twitter und Facebook), das ist für mich Teil der Kultur im Social Web. Auf welchem technischen Kanal jemand meine Beobachtungen findet, ist mir erstmal egal. Und gerade deshalb ist Posterous praktisch. Ein Platz, (fast) alle erreicht.
- Es funktioniert unterwegs. Ich kann Bilder, Videos, Audiodateien vom iPhone per Mail zu Posterous schicken. Der Dienst übernimmt die Konvertierung in abspielbare Formate. Fehlt noch ein Autopost von Live-Qik-Aufnahmen.
- Für mich fast der wichtigste Grund: Posterous historisiert alle Fundstücke zentral, unabhängig vom Medium. Noch treibe ich es nicht auf die Spitze, aber es wäre denkbar, dass Posterous meine Bookmarkdienste bei Mento und Delicious ersetzt und meine YouTube-Favoriten überflüssig macht. Twitpic und Twitvid macht es schon obsolet.
All diese Dinge nehmen dem Online-Erlebnis, dem Finden, Teilen und kursorischen Kommentieren eine ganze Menge Ballast ab. Und sie erlauben es mir, hier bei Open Source PR die ausführlichen Artikel zu posten für die ich mir bewusst Zeit nehme, ohne dass sie von all den kleinen Dingen überdeckt werden.
Der einzige Nachteil von Posterous, der mir aufgefallen ist: Die Plattform schickt keine Pingbacks an andere Blogs. Dementsprechend bleibt der Verlinkungsgrad eines Posterous-Blogs relativ gering. Das wird aber durch die Twitter-Autopost-Funktion wieder ausgeglichen, die zum Teil mehr Leser pro Post generiert, als ein Artikel hier im “großen” Blog.
PS: Wer nur meine Posterous-Updates per Twitter sehen möchte, darf gern @nebelhorn folgen.
PSPS: Für professionelle Contentproduzenten, zum Beispiel Eventblogger, könnte Posterous eine einfache Lösung sein sehr viele verschiedene Plattformen mit einem Klick zu bedienen. Fallen euch noch weitere Anwendungsfelder ein?



Posterous ist großartig, weil einfach – und löst auch endlich das leidige Problem, wie man via iPhone und “Tweetie” Links twittern und – wichtiger – aufheben kann.
Was leider nicht so gut klappt: Verschlagwortung. Um Bookmarks später noch einmal nutzen zu können, gebe ich mir doch ein wenig Mühe, sie zu beschreiben und zu verschlagworten – darin liegt der eigentliche Gewinn einer Plattform wie delicious für mich. Aber das ist ja vielleicht nur eine Frage der Zeit, bei dem Innovationstempo, das die Macher vorlegen.
Aufpassen muss man nur: Je mehr Aggregatoren man nutzt, desto höher wird die Gefahr unangenehmer Echo-Effekte – was bei Posterous landet, landet bei Facebook und bei Twitter, was von Facebook wiederum nochmal importiert wird, und wenn das Ganze erst im Friendfeed-Livestream aufschlägt… Wer einmal eine Schleife gebaut hat zwischen den verschiedenen Diensten, macht uns am Ende noch das Internet kaputt. Also Vorsicht.
Posterous ist cool und ich freue mich über die Aufmerksamkeit. Allerdings nutze ich primär Tumblr und synchronisiere mein Tumblr automatisch mit Posterous. Was mir an Tumblr besser gefällt, ist der Dashboard Stream der Leute, denen ich folge. Ist so wie Twitter’s großer Bruder und hat für mich einen größeren Community Faktor als Posterous. Das mag vielleicht aber auchd daran liegen, dass ich Tumblr bereits seit 1,5 Jahren nutze.
Hhmmm, wenn ich das lese: “in Posterous reinschmeißen/Firefox Add-on Share-a-holic/verschlagworten/Autopost von Live-Qik-Aufnahmen/keine Pingbacks an andere Blogs/historisiert alle Fundstücke/im Friendfeed-Livestream aufschlägt/Dashboard Stream …”
schnickselt und schnackselt es in meinem Kopf und ich habe das Gefühl, dass ich statt einer Maus, einen steinzeitlichen Felsbrocken bewege …
Wie überlebe ich die SMM-Revolution halbwegs selbstbewußt und vor allem: how to stay tuned? Gibts da irgendwelche survival-workshops mit denen man sich kurzfristig updaten kann? Learning by doing ist halt oft sehr aufwändig. Thanx for backstreamposting ;-)
@Eva: Für Unternehmen biete ich solche Workshops an, wenn’s gebraucht wird. Eine kompakte Einführung in Grundbegriffe und Techniken ersetzt aber keinesfalls das “learning by doing”, denn nur dadurch kann man so nach und nach die Mechanismen und die Dynamik von Social Media durchdringen. Und das ist letzten Endes Voraussetzung dafür, dass man a) sich irgendwann allein zurecht findet und b) die Vorteile von Social Media für sich (oder sein Unternehmen) nutzen kann.
Danke Herr Liller, hört sich spannend an und lernen finde ich immer aufregend. Nur manchmal scheint einem die Sache über den Kopf zu wachsen … ich melde mich dann ggf. mal bei Ihnen per DM oder Xing.
Schöne Grüße.
für die ganz kleinen sachen, wie ein schönes bild oder ein lustiges video ist das auf jeden fall praktisch.
andererseits finde ich als leser gerade die kleinen postings auf blogs oft interessant, weil sie den fluss zwischen den großen postings auflockern. von daher ist das ausweichen auf posterous o.ä. für die “produzenten” wahrscheinlich interessanter als für die “konsumenten”.
Hm, hm, hm
Wie es mir scheint, sollte ich mich doch noch einmal intensiver mit Posterous auseinandersetzen. Ich habe schon diverse Gespräche mit X Personen dazu geführt, überzeugt hat mich bis Dato keins… Aber… irgendwas muss ja dran sein, wenn alle drüber reden.
LG C