Plazes, wer?
Unternehmen | Innovation, LBS, Location Base Service, Plazes, Startups
Plazes war mal ein cooles Startup. Ein cooles deutsches Startup. Aus Berlin. Sie schickten sich an, Menschen und Orte miteinander zu verbinden. Ja, sowas nannte man damals schon Location Based Service, und es war ein großes Ding. Plazes war auch früh dran, zu früh vielleicht. Im August 2004 bloggte man darüber, ob Plazes “social software” sei und man stellte sich in eine Reihe mit den damaligen Web-Größen:
“We like to consider Plazes next generation social software. Obviously,
any kind of interaction system involving people is social software.
Lately the term has been coined towards “six-degrees-of-separation”
software like friendster or orkut.”
Ja, von Facebook und Twitter war damals noch keine Rede! Der Laptop war noch das wahrscheinlichste mobile Internetgerät und Smartphones mit Internetzugang kaum existent und erst recht nicht bezahlbar. Folgerichtig gab’s ein kleines Programm für den Rechner – den Plazer – mit dem man den Dienst (und die Freunde) wissen lassen konnte, in welchem Café man gerade seinen Bildschirm aufgeklappt hat. Widgets, die damals noch Plugins hießen, zeigten in den Blogs (!) der Nutzer an, wo sie sich gerade befanden. Alles ziemlich cool und innovativ. Und aus Deutschland. Das brachte sogar prominente Finanziers wie Marc Andreessen und Martin Varsavksy dazu, Starthilfe zu leisten.
Und dann geschah, was mit coolen Startups so geschieht. Sie bastelten weiter an Features, holten sich irgendwann nen neuen Chef, der die Strategie in Frage stellte und ummodelte, sie bastelten weiter, gewannen aber kaum zusätzliche Nutzer, und dann verschliefen sie einen wichtigen Trend. Der hieß iPhone und mobile Applikationen.
Inzwischen war die Welt natürlich nicht stehen geblieben und andernorts sind neue, coole Startups aus dem Boden geschossen. Die hatten auch eine schlaue Idee: Menschen und Orte zusammenbringen. Und zwar auf Smartphones und iPhones. Brightkite gehörte dazu, aka aki (auch aus Berlin), inzwischen natürlich auch Google mit Latitude. Im Januar 2009 listet “Mobile Zeitgeist”-Bloggerin Heike Scholz “60 Location Based Services” auf.
Und was machte Plazes? Sie ließen sich im Juni 2008 von Nokia kaufen. Johnny gratulierte, und dann passierte…nichts. Erst im November hieß es “Plazes goes mobile!” – nur leider interessierte das zu diesem Zeitpunkt kaum einen mehr. Und eine iPhone App war das immernoch nicht – Nokia eben.
Gestern aber, 14 Monate nach der Frage an die Nutzer, ob man eine iPhone App haben wolle, hat Plazes endlich wieder aufgeschlossen und den “Plazer for iPhone und iPod touch” veröffentlicht. Das ließ mich kurz aufhorchen. Ich dachte “Plazes, wer? Ach, die Plazes.” Und löschte meinen Account.
PS: Ich nutze inzwischen Brightkite und freue mich über Kontakte http://brightkite.com/people/tapioliller
