Ein kleiner Lichtblick
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Beim Frankfurter MediaCoffee am gestrigen Abend (hier ein paar Versatzstücke des news aktuell-Bloggers und die Tweets vom Abend) saßen mal wieder ein paar Apologeten des so genannten “Qualitätsjournalismus” auf der Bühne und diskutierten mit Medienmahner Thomas Knüwer über die Medienkrise und wer von ihr wohl profitieren und wer durch sie wohl leiden möge. Thomas muss ich mal wieder hervorheben, weil er als einziger Diskutant die Kollegen daran erinnerte, dass Journalismus mehr ist als FAZ, SZ, FR, Stern, Zeit und Welt.
Was vor allem wieder auffiel: Die vertretene Journalistengarde beansprucht für sich zu wissen, was guter Journalismus ist und was nicht. Dass da “Amateur-Journalisten” (Christoph Amend, Die ZEIT), vulgo Blogger, nicht gut wegkamen, war abzusehen. Und dass ein Chefredakteur wie Uwe Vorkötter von der Frankfurter Rundschau Sorge hat, unter Umständen “nicht verantworten” zu können, was Leser so an Kommentaren unter die Artikel schreiben könnten, wenn sie denn dürften, zeugt nicht gerade von einer Öffnung der Altvorderen zum Leser hin. So weit, so bekannt.
Einen kleinen Lichtblick hatte ich aber am Rande der Veranstaltung. Neben mir saß ein freundlicher Herr, der mit seinem iPhone twitterte und gelegentlich einen halblauten Kommentar gen Podium schleudern wollte, sich aber dann doch zurückhielt. Wie sich im Gespräch im Anschluss herausstellte, war der Mann Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung. Bei Twitter nennt er sein Blatt selbstbewusst das “Leitmedium im Norden von Rheinland-Pfalz”.
Gut online ist der Auftritt der RZ in etwa genauso altbacken und sperrig wie die Web-Präsenz der Frankfurter Rundschau. Aber immerhin, es wird mit neuen Formen des Leserdialogs (Adieu, Leserbrief!) experimentiert! Zum Beispiel mit Twitter. Jede Lokalredaktion hat ihren eigenen Account, jede einzeln mit nicht vielen Followern und technisch noch etwas unbeholfen, dafür aber mit Mut zum Scheitern. Da wird ein Twitter-Interview mit einem Lokalpolitiker gemacht (mit Pannen aber immerhin), die Volontäre zwitschern ihre Sicht der Dinge, und man glaubt es kaum, der Chef holt seit Neuestem sogar twitternde Leser in die Redaktion zur Blattkritik.
So eine Geste von Welt oder SZ und es wäre vielleicht nicht ganz so düster um die Zukunft des Journalismus in Deutschland. Gut, ein Twittererbesuch macht noch keine moderne Haltung zum Verhältnis Journalist/Leser oder gar zum Verhältnis Journalist/Blogger, aber es ist ein Anfang. Und dass so ein Anfang in der Provinz passiert, ist es allemal wert aufgeschrieben zu werden. Die Überregionalen sind schließlich noch lange nicht soweit und jagen nach wie vor Phantomen hinterher, wie Stefan Niggemeier ausführlich darlegt.
