Für welches Medium würdest DU zahlen, damit es nicht stirbt?

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Die einstellungsbedrohte Medienlese ist für ein halbes Jahr nochmal von der Klinge gesprungen. Genauer gesagt, die Rubrik “6 vor 9″, die genug Lesern so ans Herz gewachsen war, dass sie auf Sachars Initiative hin eine Spende für den Autor Ronnie Grob spingen ließen. Blogwerk-Boss Peter Hogenkamp steht zu seiner Zusage, die gleiche Summe draufzulegen, womit Deutschlands erste crowd-funded Blog-Teilrettungs-Aktion als geglückt verbucht werden kann.

Jan fühlt den Gründen für die schnelle Rettung (nur 3 Tage für €2000) auf den Zahn und findet im redaktionellen Sichtungs- und Auswahlprozess, den Ronnie Grob für die morgendliche Linklese leistet einen Gegenwert, der den Lesern erstens Zeit spart und zweitens kurz und bündig inspirierende Links in den Feedreader packt. Olaf Kolbrück schlägt die Brücke zu den “digitalen Kuratoren”, einem Begriff von “Micro Persuasion”-Blogger Steve Rubel:

“The call of the curator requires people who are selfless and willing to act as sherpas and guides. They’re identifiable subject matter experts who dive through mountains of digital information and distill it down to its most relevant, essential parts. Digital Curators are the future of online content.”

Sind wir also bereit für die Leistung digitaler Kuratoren zu zahlen? Warum sind wir dann immer weniger bereit, für die kuratierende Leistung von Journalisten zu zahlen? Denn wenn sie gut sind, machen sie doch genau das: Sie graben sich als (Teilgebiets-)Experten durch eine Fülle von Informationen, wählen aus, bewerten, bereiten auf und präsentieren. Oder vielleicht ist das ja die Krux des Journalismus von heute: Die Redakteure sind eben keine selbstlosen Sherpas im Dschungel der komplexen Informationen in einem Fachgebiet, dass sie aus Leidenschaft durchdringen und für uns Leser verständlich und, ja, lesbar!, aufbereiten. Redakteure, so das Klagelied, sind nurnoch Durchlauferhitzer für den Strom an kurzfristig vielleicht interessanten Informationen, die sie klickratenverstärkend umtexten, online stellen – und vergessen. Von Wissen, von Expertise keine Spur. (Randnotiz: Und dann beklagen sie sich noch, dass sie mit immer mehr PR Inhalten gefüttert werden. Das kommt ja nicht von ungefähr!)

Ich bin sehr skeptisch, dass Paid Content, selbst wenn er hervorragend von Experten kuratiert ist, sich jenseits von sehr speziellen Nischen durchsetzen wird. Da bin ich eher bei Jeff Jarvis’ Thesen in seinem sehr lesenwerten Buch “What Would Google Do?” (Amazon Partner-Link). Er sagt klipp und klar, dass der Medien(massen)markt der Zukunft werbefinanziert sein wird. Das Trägermedium ist dabei gleichgültig bis hinderlich, denn “atoms are a drag”, Atome sind eine Last. Umso wichtiger wird es aber auch für ihn, dass Journalisten einen Wertbeitrag leisten (dazu ein aktueller Post von ihm).

Aber öffnen wir doch einfach mal die Diskussion! Für welches Medium würdest DU zahlen, damit es nicht stirbt? Welchen Kurator, ob digital oder analog, würdest du so vermissen, dass er dir 5 Euro im Monat wert wäre (soviel spendete jeder Medienlese-Retter im Schnitt für jeden Monat der Fortführung)?