28Apr

Für welches Medium würdest DU zahlen, damit es nicht stirbt?

Kategorie Medien | TAGS , , , , ,

Die einstellungsbedrohte Medienlese ist für ein halbes Jahr nochmal von der Klinge gesprungen. Genauer gesagt, die Rubrik “6 vor 9″, die genug Lesern so ans Herz gewachsen war, dass sie auf Sachars Initiative hin eine Spende für den Autor Ronnie Grob spingen ließen. Blogwerk-Boss Peter Hogenkamp steht zu seiner Zusage, die gleiche Summe draufzulegen, womit Deutschlands erste crowd-funded Blog-Teilrettungs-Aktion als geglückt verbucht werden kann.

Jan fühlt den Gründen für die schnelle Rettung (nur 3 Tage für €2000) auf den Zahn und findet im redaktionellen Sichtungs- und Auswahlprozess, den Ronnie Grob für die morgendliche Linklese leistet einen Gegenwert, der den Lesern erstens Zeit spart und zweitens kurz und bündig inspirierende Links in den Feedreader packt. Olaf Kolbrück schlägt die Brücke zu den “digitalen Kuratoren”, einem Begriff von “Micro Persuasion”-Blogger Steve Rubel:

“The call of the curator requires people who are selfless and willing to act as sherpas and guides. They’re identifiable subject matter experts who dive through mountains of digital information and distill it down to its most relevant, essential parts. Digital Curators are the future of online content.”

Sind wir also bereit für die Leistung digitaler Kuratoren zu zahlen? Warum sind wir dann immer weniger bereit, für die kuratierende Leistung von Journalisten zu zahlen? Denn wenn sie gut sind, machen sie doch genau das: Sie graben sich als (Teilgebiets-)Experten durch eine Fülle von Informationen, wählen aus, bewerten, bereiten auf und präsentieren. Oder vielleicht ist das ja die Krux des Journalismus von heute: Die Redakteure sind eben keine selbstlosen Sherpas im Dschungel der komplexen Informationen in einem Fachgebiet, dass sie aus Leidenschaft durchdringen und für uns Leser verständlich und, ja, lesbar!, aufbereiten. Redakteure, so das Klagelied, sind nurnoch Durchlauferhitzer für den Strom an kurzfristig vielleicht interessanten Informationen, die sie klickratenverstärkend umtexten, online stellen – und vergessen. Von Wissen, von Expertise keine Spur. (Randnotiz: Und dann beklagen sie sich noch, dass sie mit immer mehr PR Inhalten gefüttert werden. Das kommt ja nicht von ungefähr!)

Ich bin sehr skeptisch, dass Paid Content, selbst wenn er hervorragend von Experten kuratiert ist, sich jenseits von sehr speziellen Nischen durchsetzen wird. Da bin ich eher bei Jeff Jarvis’ Thesen in seinem sehr lesenwerten Buch “What Would Google Do?” (Amazon Partner-Link). Er sagt klipp und klar, dass der Medien(massen)markt der Zukunft werbefinanziert sein wird. Das Trägermedium ist dabei gleichgültig bis hinderlich, denn “atoms are a drag”, Atome sind eine Last. Umso wichtiger wird es aber auch für ihn, dass Journalisten einen Wertbeitrag leisten (dazu ein aktueller Post von ihm).

Aber öffnen wir doch einfach mal die Diskussion! Für welches Medium würdest DU zahlen, damit es nicht stirbt? Welchen Kurator, ob digital oder analog, würdest du so vermissen, dass er dir 5 Euro im Monat wert wäre (soviel spendete jeder Medienlese-Retter im Schnitt für jeden Monat der Fortführung)?

28Apr

Zensursula und die Rumpelstilzchen

Kategorie Zeugs | TAGS , , , , , , , ,

Ich schreibe hier eigentlich nicht über Politik, aber was sein muss, muss sein. Denn seit Wochen habe ich ein ungutes Gefühl, wenn ich Zeitungen lese und Informationssendungen im Fernsehen schaue. Es ist ein Rumoren, irgendwo zwischen aggressiver Wut, fassungslosem Kopfschütteln, rationalen Erklärungs- und Widerlegungsversuchen im Privaten und blankem Entsetzen darüber, wieviel Blindheit und Dummheit wider besseres Wissen sich derzeit in der deutschen Politik und Geisteselite breit macht.

Das Kinderpornographie-Bekämpfungsgesetz der Ursula von der Leyen war der Startpunkt. Es hat es geschafft, an einem ekelhaften Thema aufgehängt die strukturkonservativen Kreise der Republik gegen etwas aufzuhetzen, von dem sie offensichtlich nicht den blassesten Schimmer haben: Das Internet.

Kaum waren die Überwachungs-, Filter- und Zensurregeln medienwirksam unterschrieben, meldeten sich weitere Branchen, die im Internet eine Bedrohung ihrer schrumpfenden Pfründe sehen. Musik- und Filmindustrie, Buch- und Zeitungsverlage, jeder hätte gern seinen eigenen Filter. Warum die von der Leyen’schen Regeln demokratiefeindlich sind beschreibt Jens Scholz in seinem Beitrag “Warum es um Zensur geht”. Kurz gefasst: Die technischen Maßnahmen sind unwirksam, die zugehörigen Verwaltungsregeln machen das BKA zu einer von keiner dritten Instanz kontrollierten Geheimpolizei und die Psychologie dieser Gesetzgebung macht schon die zu Verdächtigen, die sich auch nur kritisch äußern. Eine solche Grundstimmung des Misstrauens und der von der Politik als “notwendig” verkauften Kontrolle gab es in Deutschland zuletzt, als mein verstorbener Großvater ein junger Mann war. In einer solchen Zeit will ich nicht leben.

Umso kopfschüttelnder hinterlässt mich dann der Leitartikel von Sandra Kegel in der FAZ vom Samstag (25.4.09) in dem sie Googles Bücher-Scan-Projekt, Pirate Bay, die Open Access Bewegung und mehr in einen großen undifferenzierten Topf schmeisst, einmal umrührt und dann dem Leser das Wort von der “Enteignungsmaschinerie Internet” einschenkt. Als würde sie ihren Trotz und ihr Nichtverstehen der Netzkultur und der ökonomischen Mechanismen des Internet ihrer kulturpessimistischen Leserschaft noch weiter begründen müssen, zitiert sie die Großautorität des Online-Zeitalters um ihre Argumentation zu stützen: Johann Wolfgang von Goethe. Der schrieb über die Zeit als ihm “Raubdrucke” seines Götz von Berlichingen finanziell zu schaffen machten:

“So war ich, zu einer Zeit wo man mir von allen Seiten her viel Aufmerksamkeit, ja sogar vielen Beifall erwies, höchst verlegen, wie ich nur das Papier bezahlen sollte, auf welchem ich die Welt mit meinem Talent bekannt gemacht hatte.” (zitiert nach FAZ vom 25.4.09, S. 1)

Goethe klingt immer gut. Selbst wenn er heute nicht mal mehr Papier brauchen würde, um ein weit größeres Publikum zu erreichen, als er zu Lebzeiten jemals haben konnte. Mit einem Goethe-Zitat lässt sich die werte FAZ-Leserschaft ruhigstellen. Kein Wort davon, dass es damals noch kein Urheberrecht gab (den gab es in Deutschland in Vorformen erst ab 1837 und reichsweit erst ab 1871, Wikipedia), kein Hinweis darauf, dass auch die FAZ selbst im Internet tätig ist und nach Wegen sucht, den Medienwandel zu überleben. Statt dessen vermengt Frau Kegel trotzig zeternd die m.E. völlig berechtigte Diskussion um den Schutz geistigen Eigentums im digitalen Zeitalter mit den ökonomischen Mechanismen des Internets und dem daraus folgenden Veränderungsdruck auf die bisherigen Kultureliten und ihre Trägermedien.

Diese Themen, die schleichende Zensurpolitik unter dem Deckmantel des Kinderschutzes, und die Modernisierungsfeindlichkeit der deutschen Kultureliten, regen mich zur Zeit mächtig auf. Und dieser Post ist der Versuch, diesen Ärger zumindest ein kleines bisschen produktiv zu kanalisieren. Denn hier liegt doch die Kraft, ja die Macht des Internet! Ich kann mit ein paar Absätzen ein Thema aus meiner Sicht aufreißen und dann auf Menschen verlinken, die sich mit der Thematik mit mehr Abstand und analytischem Verstand auseinandersetzen oder treffendere Worte finden.

So zum Beispiel Robin Meyer-Lucht, der bei Carta in 10 Thesen darlegt, weshalb Frau Kegel und die anderen Rumpelstilzchen der Altmedien eben nur meckern, statt sich mit den Herausforderungen einer sich technisch wie ökonomisch grundlegend wandelnden Medienwelt auseinanderzusetzen.

Ich kann auch auf Ralf Bendrath verweisen, der bei Netzpolitik über den “Kampf der Kulturen” spricht, den es im Interesse einer “technisch bedingten Nachhaltigkeit unserer Demokratie” auszufechten gilt.

Und ich kann euch den (nach eigenem Bekunden) nur 18 Jahre jungen Semi ans Herz legen, der sich in seiner Kekzdose so seine Gedanken macht, welche zerstörerische Kraft mediale Vorverurteilungen haben, wie sie in den letzten Wochen und Monaten gehäuft auftraten; und wie sich die Schere im Kopf immer tiefer senkt und auch dem “normalen Durchschnittsbürger” das Sein und Sagen im Internet durch eine Kultur der Angst vergällt.

Vielleicht würde es helfen, wenn die Pessimisten, Regulatoren, Ministerinnen und Miesepeter mal beginnen würden, sich ernsthaft mit der Praxis des Internet auseinanderzusetzen und Gegenargumente zu hören. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass Frau von der Leyen ernsthaft selbst glaubt, dass ihr durchschaubar zusammengelogenes Gesetz irgendeine Veränderung bewirken wird. Obwohl, wenn es nach mir geht, wird es eine deutliche Veränderung bei ihrem Wahlergebnis im September geben – und zwar nach unten. Vielleicht mag der eine oder andere Internetnutzer dabei helfen?!

Nachtrag: Bei Telepolis stellt Bettina Winsemann einige wichtige und berechtigte Fragen rund um das Thema Kinderpornographie, Kindesmissbrauch und was die Politik außer Netzsperren sonst noch (nicht) tut – vor allem aus Sicht der Opfer, die gern vergessen wird. Abgesehen davon seziert der Artikel sehr eindrücklich den unglaublichen Unsinn, den Frau von der Leyen erzählt.

PS (am Nachmittag): Dass sich die SPD und ihre Justizministerin Zypries zu einem großkoalitionären Erfüllungsgehilfen der Zensursula macht, macht sie auch nicht gerade wählbarer. Grüne? FDP? Wo sind eure Positionen?

27Apr

Ergebnis PR-Umfrage: Budgetkürzungen und Messbarkeit bestimmen das Bild

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Vor knapp zwei Wochen fragte ich meine Leser und Twitter-Follower aus der PR-Branche nach ihren Erfahrungen, wie sich die Wirtschaftskrise aus ihrer Sicht auf die PR-Branche auswirkt. Hier sind jetzt die Ergebnisse.

Die Tendenz, die hier erkennbar wird (und nur das kann diese Umfrage leisten) ist deutlich: Die PR-Branche leidet unter der Wirtschaftskrise. Es werden Budgets gekürzt oder ganz gestrichen, und gern auch mal zuvor an Agenturen ausgelagerte Arbeit jetzt im Unternehmen gemacht. Immerhin 17% der Antworten sehen keine Veränderung oder vermerken sogar einen Anstieg der PR-Budgets. Die Unternehmen, die weiter in PR investieren, schauen genauer auf ihr Geld. Sie fragen nach detaillierterem Reporting und verlangen von ihren Dienstleistern öfter einen Nachweis, dass für ihre PR-Euros auch Messbares geschaffen wird. Ermutigend ist die Offenheit der Kunden gegenüber neuen Taktiken wie Social Media im PR-Einsatz (25%).

Diese Umfrage erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Repräsentativität. Dennoch habe ich von vielen PR-Kollegen über Twitter Rückmeldung bekommen, dass sie mitgemacht haben. Daher gehe ich davon aus, dass die überwiegende Zahl der Antworten tatsächlich von PRlern stammt.

24Apr

remix09: 3 vergünstigte Tickets zu gewinnen (Deadline 30.4.!)

Kategorie Events | TAGS , , ,

Während die Web-Business-Gemeinde die letzten Reisevorbereitungen für die Next09 trifft, kündigt sich nur wenige Wochen darauf ein kleineres aber nicht weniger spannendes Ereignis an. Das “Remixcamp” – kurz remix09 – am 12. und 13. Juni in Hamburg verspricht, Menschen zusammenzubringen, die zwar an ähnlichen Themen arbeiten, sich aber (noch) selten in Online- und Offline-Diskussionen begegnen. Das Motto lautet “online meets classic” und die Macher um Werbeblogger Roland beschreiben das Format so:

Fachleute aus dem klassischen Marketing-Umfeld treffen die Aktiven des Web 2.0 für einen professionellen und persönlichen interdisziplinären Austausch.

Remix LogoSo klingt das noch ziemlich trocken, aber wenn gelingt, was geplant ist, wird’s höchst spannend. Für zwei Tage kommt ein überschaubarer Kreis von Machern und Denkern der klassischen Werbung und des Marketing mit “Onlinern” zusammen und stößt Diskussionen an, die im Moment noch gern durch gegenseitiges Missverstehen oder Desinteresse verhindert werden. Oder wie Roland in seinem ursprünglichen Ideen-Post formuliert:

Was mich persönlich schon immer gestört hat, ist die gefühlte Trennung von klassischem und Online-Marketing, bzw. die Grabenkämpfe der jeweils in den unterschiedlichen Kommunikationsdisziplinen arbeitenden Menschen. (…) Oft scheint es, als ob die “Klassiker” sich als übertriebene Bewahrer traditioneller Marketinglehren verstehen, während die “Onliner” sich in ihrem Reformeifer gelegentlich selbst überschlagen und vor revolutionärer medialer Begeisterung die Wirksamkeit klassischer Kommunikation unterschätzen. Fast wie heilige Kühe werden da die eigenen Positionen und Lehren verteidigt.

Vielleicht gelingt es ja, um im Bild zu bleiben, am 12. und 13. Juni ein paar heilige Kühe in Richtung Schlachtbank zu führen. Angesichts des geplanten Mischformats “Konferenz meets Open Space” und der generationen- und erfahrungsübergreifenden Teilnehmerliste könnte das sogar gelingen. Und wer dabei sein möchte, hat jetzt und hier die Möglichkeit, günstiger an ein Ticket zu kommen.

3 Tickets zur remix09 zu gewinnen

Zwar ist die Veranstaltung trotz Rundumversorgung mit Ticketpreisen zwischen €149.- und €199.- für Einzelteilnehmer durchaus erschwinglich, aber das Orgateam war so nett, drei Rabattcodes für die Leser von Open Source PR zur Verfügung zu stellen. Die Teilnahme an der remix09 kostet so nur €99.-

Alles was ihr tun müsst, um ein rabattiertes Ticket zu ergattern ist, hier bis zum kommenden Dienstag, 28.4. Donnerstag, 30.4. um 18 Uhr einen Trackback oder Kommentar zu diesem Post zu hinterlassen. Die Discount-Codes werden dann unter allen Teilnehmern verlost und die Gewinner können sie dann gleich bei der Ticketbestellung einlösen.

Also, ran an die Tasten und viel Glück!

22Apr

Kirstin Walther: “Man muss Lust haben mit seinen Kunden zu kommunizieren”

Kategorie Fallbeispiele, Unternehmen | TAGS , , , , ,

Das “Saftblog” der Saftkelterei Walther gilt ja schon länger als ein Paradebeispiel für Corporate Blogging und hat der Firma um Geschäftsführerin Kirstin Walther nicht nur höhere Bekanntheit, sondern auch mehr Umsatz gebracht. In einem Interview für den Media-TREFF spricht Kirstin Walther über die Anfänge und wie sie heute Blogs und Twitter (als @safttante) nutzt, um Kunden und Interessenten und Vertriebspartner ans Unternehmen zu binden.

Sie vermittelt sehr reflektiert, ruhig und pointiert all die Dinge, die man als Kommunikationsberater seinen Klienten näherzubringen sucht: Authentizität, Persönlichkeit und Bereitschaft zum Gespräch sind der Schlüssel zum Erfolg. Jedem, der dem Thema Bloggen und Social Media für Unternehmen – egalb ob mittelständisch oder groß – noch skeptisch gegenübersteht, seien die 14 Minuten Gespräch mit Frau Walther sehr empfohlen. Allen anderen natürlich auch.

Link: Kirstin Walther zum Erfolg des Saftblogs