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“Blogger für Beiträge bezahlen ist OK – unter bestimmten Voraussetzungen”

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…sagt Forrester Research Berater Sean Corcoran in seinem gestrigen Post. Wirklich?

Was Corcoran meint, sind so genannte “Sponsored Conversations”, also klar als bezahlt  gekennzeichnete Beiträge über ein Produkt oder eine Dienstleistung. Er empfiehlt sie als ein Bestandteil des Marketing-Mix vor allem Unternehmen, die noch keine große Aufmerksamkeit genießen und online von sich Reden machen wollen. Zweite Voraussetzung neben der Kennzeichnung: Der Blogger darf schreiben, was er will. Das setzt voraus, dass man von der Qualität und Stärke seines Produktes sehr überzeugt ist und das Risiko negativer Äußerungen minimal ist.

Als Vorteil einer auf diese Weise “bezahlten Unterhaltung” führt der Forrester-Berater an, dass es authentisch ist (wobei ich das skeptisch sehe, denn “wes Brot ich ess’…”), zu verhältnismäßig geringen Kosten zu machen ist und die Chance auf Online-Buzz bringt, der auf herkömmlichem Wege nicht zu Stande gekommen wäre.

Rechnung ohne den Vertrauensvertrag

Was in Corcorans Post nur am Rande als “Challenge” auftaucht ist das Problem, dass Bezahlbeiträge in Blogs (und nur in etablierten Blogs ist es überhaupt sinnvoll) den Vertrauensvertrag zwischen dem Blogautor und seinen Lesern strapazieren.

Was soll ich von einem Blogger halten, den ich seit langem für seine ausgewogenen und/oder kritischen Beiträge schätze, wenn er plötzlich anfängt für Geld zu schreiben? Wenn das Vertrauen zwischen Leser und Blogger bröckelt, schlägt das auf den Auftraggeber der Bezahlbeiträge durch.

Welches Unternehmen – welches unbekannte zumal – will schon das Risiko eingehen, gleich zu Beginn als “Bloggerverbieger” bekannt zu werden?

Vielleicht gibt es hier einen kulturellen Unterschied zwischen den USA und Deutschland/Europa. Aber mein Rat wäre: Finger weg von Bezahlbeiträgen!

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Das Ende einer Institution

Kategorie Medien, Märkte | TAGS , , , , ,

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Die Rocky Mountain News, eine der beiden großen Tageszeitungen aus Denver, Colorado erschien jeden Tag – 149 Jahre und 311 Tage lang. Bis Freitag. Da erschien die “Final Edition”, die letzte Ausgabe. Der Verlage hatte keinen Käufer für die Zeitung gefunden und musste sie schließen. Eins von zahlreichen Opfern der Medienkrise in den USA.

Die Redaktion selbst begleitete ihre letzten Monate filmisch und dokumentierte in diesem bewegenden Stück Zeitgeschichte, was eine regionale Tageszeitung für die Menschen im Ort und für die Menschen in der Redaktion bedeutet.

Final Edition from Matthew Roberts on Vimeo.

Die Geschichte ist zu traurig, um darüber zu spekulieren, was vielleicht früher hätte anders gemacht werden müssen, um die Zeitung (vielleicht in einer anderen Form) zu retten. Sie zeigt aber sehr eindringlich, dass wir in unruhigen Zeiten leben und auch äußerlich intakt erscheinende Institutionen wie die “Rocky” den mediendarwinistischen Überlebenskampf verlieren können.

“You don’t miss it, til it’s gone”, sagt ein Mann im Film. Welche Zeitung würdet ihr vermissen, wenn sie Anfang Mai nicht mehr da wäre?

(via Indiskretion Ehrensache)

Weitere Hintergründe und Kommentare in deutschen Blogs:

Wortfeld (mit einem Überblick zur Situation in anderen US-Städten)
Retromedia (mit einigen Vergleichszahlen aus der deutschen Zeitungslandschaft)
Leander Wattig sieht die Sache weniger emotional
Claudia Sommer zieht vor der Größe, den eigenen Untergang zu dokumentieren den Hut

1Mrz

@Twitchhiker – Ein Social-Media-Experiment

Kategorie Menschen, Zeugs | TAGS , , , , , , ,

Die Twestival-Geher unter euch wissen es, Twitter kann sehr viele Menschen für eine gemeinsame Sache mobilisieren helfen. Ab heute, 1. März, wagt ein Twitterer aus England ein ganz besonderes Experiment zur Kraft des Social Web. Der Twitchhiker, wie sich der Journalist und Blogger Paul A. Smith aus Newcastle-upon-Tyne, für die nächsten 30 Tage nennt, hat Großes vor. Er will so weit wie nur möglich von seinem Heimatort weg reisen und dabei Geld für einen guten Zweck sammeln, und zwar ohne seine Reiseroute vorher geplant zu haben. Seine wichtigsten (und einzigen) Hilfsmittel: Ein Smartphone und Twitter.

Dabei hat er sich fünf eiserne Regeln auferlegt, nach denen er sich für die gesamte Reisedauer richten will (meine Übersetzung):”

  1. Ich akzeptiere nur Reise- und Unterbringungsangebote über Twitter, von Nutzern, die mir unter @twitchhiker folgen
  2. Ich kann nicht weiter als drei Tage im Voraus planen
  3. Geld ausgeben ist nur erlaubt für Essen, Trinken und Dinge die in meinen Koffer passen. Wenn ich keinen Schlafplatz über Twitter finde, schlafe ich unter der Brücke.
  4. Wenn ich mehr als ein Angebot habe, kann ich selbt entscheiden welches ich annehme. Wenn nur eins da ist, muss ich es binnen 48 Stunden annehmen.
  5. Ich muss nach spätestens 48 Stunden an einem Ort eine Möglichkeit zur Weiterreise gefunden haben. Andernfalls ist das Abenteuer zu Ende und ich fahre nach Hause.”

Das Projekt Twitchhiker wurde schon Anfang Februar angekündigt, hat aber außer reichlich englischer Presse (Paul schreibt auch für den Guardian) noch nicht wirklich abgehoben, was breite Medienaufmerksamkeit angeht. Dennoch hat er bereits über 5000 Follower bei Twitter und das eine oder andere Unternehmen hat die Chance auf eine dezente Sponsorgelegenheit erkannt. So zum Beispiel die Mobile-Applications-Community O2 Litmus, deren PR-Agentur in Person des Social Media-Spezis Drew Benvie, den Twitchhiker mit Nokia N95, Datentarif und Applikationen ausstattet. Der Lohn dafür, schon vor der Reise ein netter Blogpost (der übrigens Vodafone nicht gut wegkommen lässt) und eine Erwähnung bei Flickr, wo Paul seine Kofferpackfortschritte dokumentiert.
How's the packing going, you ask?

Für Paul wird in den nächsten Tagen und Wochen also alles davon abhängen, dass er hilfsbereite Twitterer findet, die ihm einen Schlafplatz, Bahntickets, Mitfahrgelegenheiten oder sogar einen Standby-Platz im Flugzeug anbieten. Denn das erklärte Ziel seiner Reise ist nicht weniger als das andere Ende der Welt, südlich von Neu Seeland. Dort ist eine winzige Insel, diese hier:


Größere Kartenansicht

Wäre doch schade, wenn das nicht klappte! Also, Paul bei @twitchhiker folgen, sein Blog lesen und die Geschichte weitererzählen (z.B. per reTweet dieses Beitrags). Und wer weiß, vielleicht ist er ja schon nächste Woche ganz in Eurer Nähe. Den Sprung von der Insel hat er schon organisiert. Montag ist er in Amsterdam, Dienstag in Paris. Was dann kommt werden wir lesen. Vielleicht findet sich ja auch noch das eine oder andere Unternehmen, das Paul unterstützen will und dafür ein wenig Goodwill der Twittersphäre bekommt (Vorsicht! Nicht übertreiben, ist schließlich kein Kommerzprojekt.)

PS: Wer zum guten Zweck der Reise beisteuern möchte, kann das über JustGiving tun. Das Geld geht an Charity: Water. Die Hilfsorganisation baut Trinkwasserbrunnen in Entwicklungsländern und wurde auch durch das Twestival am 12.2. unterstützt.