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Webdienste: Umarmung mit Handschellen

Ich geb’s zu. Ich bin ein nahezu zwanghafter Webdienst-Early-Adopter. Was irgendwie neu ist und sich nicht vor Google versteckt, wird ausprobiert. Die Anmeldung ist schnell gemacht, E-Mail-Adresse, Passwort, Nutzername, fertig. Doch wehe, das Ausprobieren endet in der Bewertung: “Brauch ich nicht.” Dann sind die zuvor ach so einladenden Onlineplattformen plötzlich gar nicht mehr kooperativ.

Einen einfachen und vor allem schnell auffindbaren “Account löschen”-Knopf sucht man fast überall vergebens. Dann geht die Suche los. In der Hilfe steht meist nur, wie man die Funktionen des Dienstes am besten nutzt, nicht aber was zu tun ist, wenn man sich nur verlaufen hat. Gleiches gilt für FAQ-Listen. Oft steht da vorbildlich Nützliches für den ratlosen Nutzer, aber nicht für den Enttäuschten, der wieder seiner Wege gehen möchte.

Dabei wäre genau das nur recht und billig. Wer jemandem um den Preis der Preisgabe einiger persönlicher Daten einen sonst kostenlosen Service anbietet, sollte demjenigen auch die Chance geben, wieder ohne schlechtes Gewissen zu gehen. Bei kostenpflichtigen Diensten muss der Betreiber ja auch klar und deutlich sagen, wie man wieder kündigen kann.Free Handcuffs with every frame bed

Das Problem das ich in dieser Vorgehensweise sehe ist folgendes:

Nutzer gehen mit der Anmeldung zu einem kostenlosen Webdienst einen Vertrauensvertrag mit dem Betreiber ein. Für die persönlichen Angaben gibt’s die Funktionen der Plattform, dafür darf der Betreiber aber meist auch Werbung einblenden. Der Deal funktioniert gut, solange das Neumitglied einen Gegenwert spürt. Stimmt der Gegenwert nicht mehr, ist es legitim, den Vertrauensvertrag wieder zu lösen.

Bietet ein Plattformbetreiber dann aber nicht die Möglichkeit, den Account samt persönlicher Daten genauso schnell und einfach zu löschen, wie sich anzumelden, entsteht beim Nutzer ein ungutes Gefühl: “Erst reinlocken aber dann nicht ziehen lassen…” Misstrauen entsteht: “Was die wohl noch mit meinen Daten vorhaben…?!”

Keine gute Basis für eine längerfristige Beziehung zwischen Betreiber und Nutzer. Und schon gar keine Grundlage für eine Weiterempfehlung. Es könnte ja sein: Man selbst mag den Dienst nicht mehr nutzen, weil er für einen persönlich nichts bringt. Aber grundsätzlich fand man’s gut und würde ihn Freunden, Bekannten, Kollegen, Twitter-Followern, etc. weiterempfehlen.

Und noch einen negativen Effekt hat ein solches Gebaren: Als jemand der Klienten bei der Auswahl von Onlinediensten für die Nutzung im und für ihr Unternehmen berät, kann ich schlecht die Nutzung von Services anraten, die nach dem Prinzip “Umarmung mit Handschellen” arbeiten.

Ich werde dieses Thema in nächster Zeit mal detaillierter unter die Lupe nehmen und einen Folgepost schreiben, der die Erfahrungen mit der Abmeldung bei verschiedenen Diensten zusammenfasst. Und wenn ihr eigene Erfahrungen beisteuern möchtet, könnt ihr das gerne in Kommentarform tun. Ich bin gespannt!

(Foto von Robb1e)

Gepostet unter Werkzeuge.

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