31Mrz

WELT kompakt ist so frei. Oder: Wem gehören Tweets?

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Am vergangenen Freitag, 27.3. wurde mir ohne mein Wissen eine spezielle Ehre zuteil: Einer meiner Tweets vom Donnerstag abend wurde von der ebenfalls twitternden handlich-praktischen WELT kompakt (@weltkompakt) auf die Titelseite der Bundesausgabe gedruckt. So sah das dann aus:

Welt kompakt "paper re-tweet"

Gut, ich hätte mir gewünscht, mit einem Tweet von höherem Anspruch auf Papier “retweeted” zu werden, aber OK, der Spruch ist authentisch und kam von Herzen. Vielleicht hat ja ein Leser drüber geschmunzelt, würde mich freuen (auch ohne den Kontext, denn der “heißeste Fotograf ever” war Rankin – einige Fotos aus dem Shooting auf seiner Website).

Irgendwie irritiert hat mich dann doch der Umstand, dass ich erst heute morgen über eine Kollegin meiner Freundin drüber erfuhr. Die Frage an Twitterland, ob jemand die Ausgabe zufällig zur Hand habe beantwortete dann @weltkompakt selbst per Direktnachricht und bot an, ein PDF der Titelseite zu mailen. Guter Service und ein schönes Beispiel, wie Medien/Unternehmen/Marken ihren Lesern/Kunden/Fans durch aufmerksames Zuhören einen kleinen Gefallen erweisen können.

Geändert und gekürzt, ohne Hinweis darauf

Auf den zweiten Blick fiel mir dann noch auf, dass der Tweet im Original irgendwie anders war. So nämlich (klick zum Original):

Topmodel-Tweet OriginalEs gab also einen redaktionellen Eingriff. Statt des Hashtags #gntm, das “Germany’s Next Topmodel” bei Twitter kurz kennzeichnet ein “Topmodel”. Das “Versteh wer will.” fiel gleich ganz der Schere zum Opfer. Man kann jetzt natürlich argumentieren, dass WELT kompakt Leser nicht alle bei Twitter sind und/oder mit #gntm nichts anfangen können. Absolut plausibel. Man könnte auch sagen, dass der Kerngehalt des Tweets auch ohne das “Versteh wer will” klar ist. Auch richtig. In diesem Fall auch nicht tragisch, mich stört es nicht weiter. (Der Tweet von @herrtobe ist bis auf die Weglassung zweier # unverändert.)

Leserbriefe, Blogposts, Literatur? – Was sind Tweets eigentlich wirklich?

Trotzdem bleibt die Grundfrage, welchen Status öffentlich zugängliche Tweets eigentlich haben. Sind es kurze Leserbriefe, bei denen Abdruck und Kürzungen ja ausdrücklich vorbehalten sind? Wohl kaum, schließlich sind sie nicht an WELT kompakt gerichtet, sondern öffentlich. Sind sie Blogposts, aus denen man ja auch zitieren kann? Schon eher, aber dann gebietet es die journalistische Sorgfalt Hinzufügungen und Auslassungen zu kennzeichnen. Etwa so:

[Topmodels:] Da werden die schon von einem der heißesten Fotografen ever inszeniert und können sich nicht 15 min zusammenreissen. [...] @tapioliller

Oder sind Tweets gar eine Form des künstlerischen Ausdrucks, gar Literatur, bzw. “Twitteratur” (Link zum Blog von @bosch)? Dann könnte man als Autor auf der vollständigen und unverfälschten Wiedergabe nach vorheriger Genehmigung bestehen. Hier gibt es natürlich urheberrechtliche Rahmenbedingungen wie die so genannte “Schöpfungshöhe”, die der Law-Blogger Dr. Carsten Ulbricht in seinem lesenwerten Beitrag zu Twitter & Recht (auch die Kommentare lesen!) bei einem einzelnen Tweet anzweifelt.

Eines sind Tweets meines Erachtens aber nicht: Kostenloses Füllmaterial für Tageszeitungen, die noch Platz im Blatt haben und ihn mit mehr oder minder originellen Sprüchen aus dem hippen Twitterland bestücken.

Nachfragen. Eine Frage der Höflichkeit.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich finde die Idee, Tweets in der WELT kompakt zu “retweeten” im Prinzip in Ordnung. Nur solange ein zitierwürdiger Twitterer seine Kurznachrichten nicht klar erkennbar mit einer Lizenz, zum Beispiel Creative Commons, versehen hat, solange wäre es m.E. angebracht und guter Stil, 1. kurz zu fragen ob man den Tweet abdrucken darf und 2. ob eine etwaige Veränderung OK ist. Das hätte gleich zwei positive Effekte: Die Twitterer würden sich erstens als Urheber persönlich wahr- und ernstgenommen fühlen und zweitens auf den Abdruck im kommenden Heft freuen können – und wer weiß, manch einer würde das Blatt dann auch kaufen. Für eine Zeitung nicht das Schlechteste, oder?

Der Fairness halber habe ich beim stellvertretenden Chefredakteur der WELT kompakt, Frank Schmiechen per E-Mail nachgefragt wie es die Redaktion mit diesem Thema (Nachfragen & Redigieren) hält und diesen Post angekündigt. Deshalb bin ich auch mal so frei und gebe seine Antwort im Wortlaut wieder:

Moin Tapio,

Wir wollen das mit den Paperretweets so einfach wie möglich halten. Wir fragen die Twitterer, ob wir ihre Tweets drucken dürfen. Habe ich aber auch schon mal vergessen… Und dann redigieren wir behutsam, um es lesbarer zu machen. Der Sound sollte dabei erhalten bleiben.

Beste Grüße
Frank

Dann verbuche ich meinen Tweet mal unter “auch schon mal vergessen…” und frage euch: Bin ich hier vielleicht päpstlicher als der Papst?

30Mrz

1. re:publica PR-Lunch am 3.4.

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Meine Twittertimeline spricht eine deutliche Sprache: Die re:publica wird dieses Jahr nicht nur ein Klassentreffen der deutschen Blogosphäre, sondern auch so etwas wie der informelle Frühlingstreff der PR-Branche. Zumindest der PR-Leute, die sich mit dem Thema Online-PR und Social Media beschäftigen.

Grund genug, alle, bzw. möglichst viele an einen Tisch zu holen und den persönlichen Austausch zu fördern. Ich stelle vor, den

1. re:publica PR-Lunch
am Freitag, 3.4. um 13 Uhr im “12 Apostel”
Georgenstraße 2, Berlin-Mitte, ca. 5 Minuten Fußweg von Kalkscheune und Friedrichstadtpalast (Infos bei Qype)

Eingeladen sind PRler aus Agenturen und Unternehmen, Freischaffende und anderweitig der PR-Branche Zugeneigte. WICHTIG: Es ist nur begrenzt Platz und damit ich weiß ob die reservierten Plätze reichen oder nicht, ist eine Voranmeldung erforderlich Voranmeldung über XING zwingend erforderlich (hier klicken!). Dazu einfach hier einen Kommentar mit E-Mail-Adresse hinterlassen. Ich lade dann per XING-Event ein. Bei großem Ansturm lässt sich der Tisch sicher noch verlängern.

Ich freue mich auf Euch!

30Mrz

Webdienste: Umarmung mit Handschellen

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Ich geb’s zu. Ich bin ein nahezu zwanghafter Webdienst-Early-Adopter. Was irgendwie neu ist und sich nicht vor Google versteckt, wird ausprobiert. Die Anmeldung ist schnell gemacht, E-Mail-Adresse, Passwort, Nutzername, fertig. Doch wehe, das Ausprobieren endet in der Bewertung: “Brauch ich nicht.” Dann sind die zuvor ach so einladenden Onlineplattformen plötzlich gar nicht mehr kooperativ.

Einen einfachen und vor allem schnell auffindbaren “Account löschen”-Knopf sucht man fast überall vergebens. Dann geht die Suche los. In der Hilfe steht meist nur, wie man die Funktionen des Dienstes am besten nutzt, nicht aber was zu tun ist, wenn man sich nur verlaufen hat. Gleiches gilt für FAQ-Listen. Oft steht da vorbildlich Nützliches für den ratlosen Nutzer, aber nicht für den Enttäuschten, der wieder seiner Wege gehen möchte.

Dabei wäre genau das nur recht und billig. Wer jemandem um den Preis der Preisgabe einiger persönlicher Daten einen sonst kostenlosen Service anbietet, sollte demjenigen auch die Chance geben, wieder ohne schlechtes Gewissen zu gehen. Bei kostenpflichtigen Diensten muss der Betreiber ja auch klar und deutlich sagen, wie man wieder kündigen kann.Free Handcuffs with every frame bed

Das Problem das ich in dieser Vorgehensweise sehe ist folgendes:

Nutzer gehen mit der Anmeldung zu einem kostenlosen Webdienst einen Vertrauensvertrag mit dem Betreiber ein. Für die persönlichen Angaben gibt’s die Funktionen der Plattform, dafür darf der Betreiber aber meist auch Werbung einblenden. Der Deal funktioniert gut, solange das Neumitglied einen Gegenwert spürt. Stimmt der Gegenwert nicht mehr, ist es legitim, den Vertrauensvertrag wieder zu lösen.

Bietet ein Plattformbetreiber dann aber nicht die Möglichkeit, den Account samt persönlicher Daten genauso schnell und einfach zu löschen, wie sich anzumelden, entsteht beim Nutzer ein ungutes Gefühl: “Erst reinlocken aber dann nicht ziehen lassen…” Misstrauen entsteht: “Was die wohl noch mit meinen Daten vorhaben…?!”

Keine gute Basis für eine längerfristige Beziehung zwischen Betreiber und Nutzer. Und schon gar keine Grundlage für eine Weiterempfehlung. Es könnte ja sein: Man selbst mag den Dienst nicht mehr nutzen, weil er für einen persönlich nichts bringt. Aber grundsätzlich fand man’s gut und würde ihn Freunden, Bekannten, Kollegen, Twitter-Followern, etc. weiterempfehlen.

Und noch einen negativen Effekt hat ein solches Gebaren: Als jemand der Klienten bei der Auswahl von Onlinediensten für die Nutzung im und für ihr Unternehmen berät, kann ich schlecht die Nutzung von Services anraten, die nach dem Prinzip “Umarmung mit Handschellen” arbeiten.

Ich werde dieses Thema in nächster Zeit mal detaillierter unter die Lupe nehmen und einen Folgepost schreiben, der die Erfahrungen mit der Abmeldung bei verschiedenen Diensten zusammenfasst. Und wenn ihr eigene Erfahrungen beisteuern möchtet, könnt ihr das gerne in Kommentarform tun. Ich bin gespannt!

(Foto von Robb1e)

20Mrz

Fun Freitag: Microsoft kopiert La Red – und zwar schlecht (Update)

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Das Original: Der Launch-Film von La Red in Hamburg. Locker, hemdsärmelig, lustig.

Die Fälschung: Der Internet-Explorer Launchfilm von Microsoft. Verkrampft, verspannt, unlustig. Und geklaut.

(via InternetWorld)

UPDATE mit Verschwörungstheorie:

Eine interessante Vermutung über den Ursprung der Microsoft-Kopie hat Gerald Hensel bei Twitter geäußert.

bild-2Das wäre natürlich ausgesprochen raffiniert. Aber wenn man weiß, dass die Neue Digitale/Razorfish, bei der Gerald arbeitet, auch Microsoft auf der Kundenliste hat, darf man weiterspekulieren und überlegen, ob hier nicht eine großangelegte Irreführung der Blogo- und Twittersphäre stattfindet.

Und da die InternetWorld nur nebulös sagt, dass ihr das Microsoft-Filmchen “zugespielt” worden sei, und noch nicht klar sei, welche Agentur verantwortlich sei, kann man schon mal drüber nachdenken, ob wir hier an der Nase rumgeführt werden….