18Feb

Der Gorilla gibt sich zahm – Facebook will mit sich reden lassen (mit Nachtrag)

Kategorie Fallbeispiele, Unternehmen | TAGS , , , , , , , ,

Kommentare deaktiviert

Wie schnell es doch gehen kann, wenn die Protestwelle groß genug ist. Nachdem Facebook seit Sonntag für die Änderung seiner Nutzungsbedingungen eine schallende Ohrfeige seiner Nutzer, der Blogosphäre und der Medien erhielt, gibt man sich jetzt gesprächsbereit (dazu Mark Zuckerberg’s Blogpost). Man hat sogar eigens eine Gruppe eingerichtet, in der Nutzer die geplante Komplettüberarbeitung der Geschäftsbedingungen beeinflussen können. Das ist gut und richtig, hätte aber schon von Beginn an so sein können (dazu mein Post vom Montag).

ZuckerbergTerms
(Comic von Roberto de Video gefunden via de:bug)

Ein paar Zahlen und Fakten zum Ausmaß der PR-Krise die sich Facebook da eingebrockt hat:

Das ganze Facebook-Debakel zeigt, wie brüchig und labil der Vertrauensvertrag zwischen den rasend schnell wachsenden Social Networks und ihren Nutzern ist. Der Druck der Investoren auf die Facebooks dieser Welt, schnell und nachhaltig Gewinne abzuwerfen ist hoch, die internen Prozesse und Strategien konzentrieren sich darauf, diesen Erwartungen gerecht zu werden. Kommunikaton und Community-Management kommen zu kurz.

Die binnen weniger Stunden auch schon auf über 12.000 Mitglieder angewachsene “Arbeitsgruppe” für die kollaborative Überarbeitung der AGB ist eine Chance für Facebook. Sie können hier – Diskursbereitschaft und Durchhaltevermögen vorausgesetzt – Nutzerbindung betreiben und für die gesamte Social Networking-Szene den Standard für Mitgliederbeteiligung auch bei heiklen, rechtlich und kulturell hochkomplizierten Fragen setzen.

Wenn am Ende sogar noch klarer formulierte und für Laien verständliche Nutzungs- und Lizenzbedingungen dabei herauskommen, wäre das ein großer Sieg für die Kraft der Community. Hoffen wir das Beste und begleiten diesen Prozess weiter mit wachsamem Blick, damit der “800-Pfund-Gorilla” auch zu seinen Versprechen steht.

Nachtrag:
Reichlich spät für einen massiven “Brouhaha” reagierten heute auch die “klassischen Medien” auf die Geschichte. Handelsblatt-Web-Spezi Thomas “Qik” Knüwer fasst die Ereignisse hier zusammen. Und weil man sich so herrlich echauffieren kann, wenn man erstmal dabei ist, sei euch noch Johnny Haeuslers Pladoyer für ein Bezahl-SocialNetwork ans Herz gelegt.

16Feb

Facebook und die Gorilla-Taktik (Update mit Nachlese)

Kategorie Fallbeispiele, Unternehmen | TAGS , , , , , , , , , , , , ,

(Update 17.2., 0:05 Uhr: Facebook CEO Mark Zuckerberg hat in seinem Blog Stellung zu den hier erläuterten Problemen bezogen. Bewertung dessen unten.)

Das weltweit erfolgreichste Social Network facebook ändert seine Geschäftbedingungen, und Blogo- wie Twittersphäre ergehen sich in Entrüstung. Hintergrund ist eine geänderte Klausel, die besagt, dass facebook-Nutzer für sämtliche Inhalte, die sie auf die Plattform laden die Nutzungsrechte abtreten. Und zwar jetzt nicht nur für die Dauer der Mitgliedschaft, denn das war vorher schon der Fall, sondern auch darüber hinaus (im Detail bei Kai).

Kurz: Facebook kann künftig mit den Inhalten (Fotos, Texten, Audiodateien, Videos, usw.) anstellen, was sie wollen – für immer, wie der Consumerist titelt.

“Kostenlos” bedeutet nicht “ohne Gegenleistung”!

Bevor man jetzt dieses Gebaren rundheraus ablehnt und verurteilt, sollte man sich vor Augen führen, wieviel man sonst so im Internet von sich preisgibt. Liest du wirklich die AGBs sämtlicher Webdienste durch, bevor du bei der Registrierung das Häkchen setzt? Nein? Eben. Ich auch nicht. Als “Webmensch” lebt man notgedrungen damit, dass die Anbieter all dieser (meist) kostenlosen Dienste sagen, was man zu tun und zu lassen hat, und eben auch, was sie sich als Gegenleistung für die Kostenlosigkeit erbitten.

Chris Brogan rät denn auch dazu, die Kirche erstmal im Dorf zu lassen und auch mal die Rahmenbedingungen für all die praktischen Web-Dienste zu betrachten:

“What Facebook is saying, and they have to, is that they have to own your stuff, because if Facebook Connect and other services are going to make your data ubiquitous and shared and spread all around like peanut butter, then they have to have the rights to republish and distribute it. (I might have this a bit wrong. I’m willing to be a bit wrong.)”

Funktionalität im Kostenlos-Web hat eben doch einen Preis und jeder muss bei der Anmeldung zu einem Dienst selbst entscheiden, wieviel er zu zahlen bereit ist.

Gegenstrategie: Dann geht ich halt woanders hin!

Es ist ja auch nicht so, dass es zu den globalen Platzhirschen facebook, flickr, LinkedIN, Google, Microsoft, etc. keine Alternativen gäbe. Don Dahlmann rät zu pragmatischem Abwägen und organisiertem Protest – einer Abstimmung mit den Füßen, äh, Mausklicks:

“Flickr nervt? Geh ich halt zu Ipernity. Facebook dreht hohl? Kommuniziere ich halt wieder mehr über Xing, LinkedIn und Friendfeed. Twitter ist mir zu gierig? Dann halt identi.ca. Das Eis, auf dem viele Dienste stehen, ist ganz schön dünn, wie ja auch hier und da mal schon fest gestellt wurde.”

Man kann auch aus der Plattform selbst heraus seinen Unmut zeigen. So hat die facebook-Gruppe “People against the new Terms of Service (TOS)” regen Zulauf. Über 1.800 facebooker waren eben schon drin.

Weitere, zumindest symbolische Protestoption: Bilder löschen (diese habe ich neben dem Gruppenbeitritt heute gewählt). Facebook war im vergangenen Herbst mächtig stolz darauf, viel mehr Fotos zu hosten als die größten reinen Fotodienste Flickr und Photobucket zusammen. Bei den im facebook-Blog kommunizierten Zuwachszahlen kann einem tatsächlich schwindelig werden. Das Löschen der Bilder mag aus rechtlicher Sicht vergeblich sein – die Rechte hatte man ja schon abgetreten – aber es ist ein Akt des Vertrauensentzugs. Immerhin.

Kommunikationstrategie eines 800-Pfund-Gorillas: Aussitzen

Was mich an dieser Geschichte viel mehr zu denken gibt, als der eigentliche Anlass, ist das mangelne Verständnis für professionelle Kommunikation, das facebook offenbart. Die AGB-Änderung fand nämlich bereits am 4. Februar statt. Stillschweigend. Angesichts einer Nutzerzahl von einigen Fantastillionen ein mehr als frecher Akt der Ignorierung der eigenen Geschäftsgrundlage.

Bei Größenordnungen von 150 Millionen Nutzern und mehr ist Facebook, so jung es als Unternehmen ist, bereits so etwas wie das AOL der ersten Internetwelle. Man kommt an dem Social Network nicht mehr vorbei. Und das weiß man dort auch. Nur dass sich die Kommunikationsstrategie einer ebenso einsnulligen Methode bedient: Sie sitzt den Sturm aus – wie der sprichwörtliche “800-Pfund-Gorilla“, der als Silberrücken über allem thront und nur die Zähne zu fletschen braucht, um sich Respekt zu verschaffen.

Die Protestwelle gegen facebook hat heute gerade erst begonnen, dennoch wird sie wohl keinen nachhaltig schädigenden Effekt auf die Marke und das Image des Unternehmens als Innovationstreiber des Social Web haben. Eine solche Position ist luxuriös und so manches andere Großunternehmen mag sich davon ein Stück abschneiden wollen. Daraus aber eine Gorilla-Haltung zur Kommunikation abzuleiten ist gestrig und eines Unternehmens, das durch die Kommunikationsfreude seiner Mitglieder und ihre Bereitschaft zum Teilen von Informationen und Inhalten groß geworden ist, schlicht unwürdig.

Offener, ehrlicher und dialogischer mit den eigenen Mitgliedern zu kommunizieren erfordert natürlich Mut, Zeit und personelle Ressourcen. Alle drei Faktoren hat facebook wohl nicht. Wachstumsschmerzen eines frühpubertierenden Unternehmens, dem mit Mark Zuckerberg ein milchgesichtiger CEO vorsteht, der nicht zum ersten Mal jeglichen Sensus für transparente Kommunikation vermissen lässt. Wir erinnern uns: Ende 2007 scheiterte die Werbetechnik “Beacon” grandios an nicht existenter Kommunikation. Zuckerberg musste sich bei seinen Nutzern entschuldigen.

Vielleicht ist es nichtmal anderthalb Jahre später wieder soweit. Und vielleicht lernt man daraus – hoffentlich.

Update: Zuckerbergs wortreiche Schadensbegrenzung

Die Stellungnahme von Mark Zuckerberg ist zu begrüßen und aus PR-Sicht ein richtiger Schritt. Sie lässt mich – und sicher auch andere Facebook-Nutzer – jedoch mit einigen Fragezeichen zurück.

Erstens erklärt er zwar ausführlich, warum facebook technisch gesehen natürlich Kopien von Inhalten anfertigen muss, um die Plattform überhaupt betreiben zu können. Doch er bleibt die Antwort schuldig, warum diese “license to use that information” unwiderruflich und auch über die Nutzungsdauer der Plattform hinaus erstrecken muss. Das Problem gelöschter Accounts und zugehöriger Informationen hat freilich jeder Betreiber einer Plattform, die mehr Funktionen bietet als eine statische Seite mit Inhalten. Sobald Kommunikation ins Spiel kommt, wird es tricky.

Zweitens frage ich mich nachwievor, warum Zuckerberg erst jetzt erklärt was Sache ist. Immerhin gibt er sich ja redlich Mühe die User zu beruhigen:

“In reality, we wouldn’t share your information in a way you wouldn’t want. The trust you place in us as a safe place to share information is the most important part of what makes Facebook work. Our goal is to build great products and to communicate clearly to help people share more information in this trusted environment.”

Klar, was soll er auch sonst sagen. Doch warum nicht gleich? Warum nicht transparent und offen sagen: “Leute, wir müssen hier was präzisieren in unseren AGB. Und zwar aus folgenden Gründen…” Dann hätte man sich den großen Aufschrei, der hier verniedlichend als “A number of people have raised questions” betitelt wird, sparen können.

###

Zur rechtlichen Frage weiter lesenswert:
Eine detaillierte Auseinandersetzung zu der Zulässigkeit von AGB-Änderungen nach deutschem Recht bei Rechtzweinull.de Dort gibt’s auch eine Bewertung des Falls facebook nach hiesigen Rechtsmaßstäben. Wichtigster Satz: “Ob im Verhältnis deutscher Nutzer zu Facebook auch trotz der Geltung amerikanischen Rechts gemäß der Terms of Service deutsches Recht gilt, wofür unter Verbraucherschutzgesichtspunkten einiges spricht, bedarf einer nicht unerheblichen Prüfung.”

Nachlese:
Die geänderten AGB wurden heute wieder zurückgenommen. Das Kommunikationsproblem zumindest im Nachhinein konstruktiv angegangen. Aus Sicht eines Wirtschaftsjournalisten fasst Thomas Knüwer die Story hier zusammen.
16Feb

Gedanken zum “Guten Morgen” bei Twitter

Kategorie Menschen | TAGS , , , , ,

Vergangene Woche beim Twestival wurde ich vom 3Sat-Redakteur, der einen Bericht über das Event bei uns in Frankfurt drehte, gefragt, ob bei Twitter denn nicht furchtbar viel Irrelevantes in die Welt hinausposaunt würde. Meine Antwort sinngemäß:

“Relevanz entsteht aus dem individuell zusammengestellten Netzwerk. Es gibt keinen objektiven Maßstab für Relevanz, sondern sie entsteht für jeden persönlich aus dem Tweet-Fluss, den man sich nach ganz subjektiven Kriterien zusammenstellt.”

Oder anders ausgedrückt: Mann muss Leuten ja nicht folgen, wenn man ihre Tweets für unwichtig/unsinnig/belanglos/etc. hält.

Heute morgen nun, las ich einen Tweet, der mich einen Moment aufhorchen ließ. Torsten Herrmann schrieb:Tweet von @thorstenherrmann

Bis vor einer Weile hatte ich meinen Twitter-Tag genau mit dieser Zeile begonnen (heute schreibe ich der Knappheit wegen eher “Moinallerseits!”) und viele Twitterer, denen ich folge, haben ihre eigenen Begrüßungsformeln. Ich empfinde es als ein kleines Ritual, die Morgengrüße der Gefolgten zu lesen. Da Twitter bei mir die meiste Zeit des Tages nebenher mitläuft, ist es eine Art Vergewisserung, dass für mich persönlich wichtigen Mit-Twitterer da sind und dass das lose Netzwerk für den Tag wieder steht.

Klar, man könnte die Morgentweets auch als überflüssiges Rauschen begreifen. Schließlich liegt die Würze in der Kürze und so weiter. Aber warum sollte man? Wenn wir das Netz als nicht nur als Informations-, sondern eben auch als Kommunikationsmedium begreifen, das Beziehungen knüpfen und sichern hilft, sind kleine Rituale nicht nur unvermeidbar, sondern notwendig. Das “Guten Morgen Twitterland!” oder @PickiHH‘s legendäres Good Morning Tweethearts, you Princes of Twitter, you Kings of the Web!!!” erfüllen eine soziale Funktion. Sie haben für angesichts der “weak ties” des Sozialen Netzes einen affirmativen Charakter. Der andere ist noch da, ich kann mich seiner Präsenz sicher sein, auch wenn sie rein twittervermittelt ist.

Ist das unbescheiden, wie Torsten meint? Im Gegenteil, es zeugt von Höflichkeit und Offenheit den anderen Netzteilnehmern gegenüber. “Passt (es) nicht zu professioneller Kommunikation”? Aber sicher! Schließlich begrüßen auch professionelle Kommunikatoren ihre Gesprächspartner mit einem “Guten Morgen!” Und wenn man morgens ins Büro kommt, tut man das hoffentlich auch.

Aber wie eingangs gesagt, Relevanz entsteht beim Microblogging sehr subjektiv aus einem individuell zusammengestellten Netzwerk an Menschen. Sogesehen kann ich keinem böse sein, der mich “entfolgt”, wenn er/sie ein “Moinallerseits!” als unbescheiden oder unnötig empfindet.

Was meint ihr dazu? Sind Begrüßungs- und Verabschiedungsfloskeln in Microblogs des Rauschens zuviel? Ist es wirklich zu egozentrisch, ein “Guten Morgen” an die Follower zu schicken?

(Update: In der ersten Fassung hatte ich Torsten ein “h” untergejubelt. Das ist jetzt korrigiert.)

12Feb

Twestival heute abend

Kategorie Events | TAGS

Ja, ich weiß, ihr wisst inzwischen, was Twestival ist und warum das eine gute Idee ist. Aber da heute der große Tag ist sei mir noch ein Post dazu erlaubt. Eigentlich sogar nur ein Link, denn für das Frankfurter Twestival steht alles Wissenswerte nochmal zusammengefasst auf dem Frankfurt Twestival Blog.

Twestival LogoWer noch nicht von der Kraft des Social Networking und der Vernetzung über Twitter überzeugt sein sollte, dem sei eine einfache Suche nach “Twestival” bei Google News empfohlen. Das Ereignis hat es in vielen Ländern nämlich in die Mainstream-Medien geschafft und bekommt ganz erhebliche Aufmerksamkeit. Die zentralen Initiatoren erwarten ein Spendenaufkommen für Charity:water von über 1 Million US-Dollar. Das ist doch mal ein Argument!

Letzte Tickets für Frankfurt sind übrigens noch zu haben. Hier geht’s direkt zum Ticketing von Amiando.

Bis dann!

9Feb

Twestival am Donnerstag: Tickets sichern!

Kategorie Events | TAGS , , ,

Kommentare deaktiviert

Wer noch kein Ticket für das Twestival hat, sollte sich beeilen. Am Donnerstag ist es schon soweit! So steigt zum Beispiel das Twestival Frankfurt am 12.2. ab 20 Uhr im “theplacetobe”.

Rund 30 Leute haben sich schon ihr Spendenticket geholt. Wenn ihr also Twitterer aus Frankfurt/Rhein-Main persönlich kennenlernen möchtet und dabei noch etwas Gutes tun wollt, nix wie los und Ticket holen.

Weitere Twestivals: