Der Gorilla gibt sich zahm – Facebook will mit sich reden lassen (mit Nachtrag)
Fallbeispiele, Unternehmen | AGB, facebook, Kollaboration, Kommunikation, Krisenmanagement, Mark Zuckerberg, PR, TOS, Transparenz
Wie schnell es doch gehen kann, wenn die Protestwelle groß genug ist. Nachdem Facebook seit Sonntag für die Änderung seiner Nutzungsbedingungen eine schallende Ohrfeige seiner Nutzer, der Blogosphäre und der Medien erhielt, gibt man sich jetzt gesprächsbereit (dazu Mark Zuckerberg’s Blogpost). Man hat sogar eigens eine Gruppe eingerichtet, in der Nutzer die geplante Komplettüberarbeitung der Geschäftsbedingungen beeinflussen können. Das ist gut und richtig, hätte aber schon von Beginn an so sein können (dazu mein Post vom Montag).

(Comic von Roberto de Video gefunden via de:bug)
Ein paar Zahlen und Fakten zum Ausmaß der PR-Krise die sich Facebook da eingebrockt hat:
- - 70.000+ Mitglieder (bis jetzt) in der Protestgruppe innerhalb von Facebook
- - 162 und mehr Artikel zum Thema allein in deutschen Online-Medien (schnelle Google News Suche)
- - 1,16 Millionen Blogposts bei Technorati zum Suchstring facebook AND “Terms of Service” OR TOS
- - Eine nicht zählbare Flut an Nachrichten und Weiterverlinkungen bei Twitter (Link zur Suche)
Das ganze Facebook-Debakel zeigt, wie brüchig und labil der Vertrauensvertrag zwischen den rasend schnell wachsenden Social Networks und ihren Nutzern ist. Der Druck der Investoren auf die Facebooks dieser Welt, schnell und nachhaltig Gewinne abzuwerfen ist hoch, die internen Prozesse und Strategien konzentrieren sich darauf, diesen Erwartungen gerecht zu werden. Kommunikaton und Community-Management kommen zu kurz.
Die binnen weniger Stunden auch schon auf über 12.000 Mitglieder angewachsene “Arbeitsgruppe” für die kollaborative Überarbeitung der AGB ist eine Chance für Facebook. Sie können hier – Diskursbereitschaft und Durchhaltevermögen vorausgesetzt – Nutzerbindung betreiben und für die gesamte Social Networking-Szene den Standard für Mitgliederbeteiligung auch bei heiklen, rechtlich und kulturell hochkomplizierten Fragen setzen.
Wenn am Ende sogar noch klarer formulierte und für Laien verständliche Nutzungs- und Lizenzbedingungen dabei herauskommen, wäre das ein großer Sieg für die Kraft der Community. Hoffen wir das Beste und begleiten diesen Prozess weiter mit wachsamem Blick, damit der “800-Pfund-Gorilla” auch zu seinen Versprechen steht.
Nachtrag:
Reichlich spät für einen massiven “Brouhaha” reagierten heute auch die “klassischen Medien” auf die Geschichte. Handelsblatt-Web-Spezi Thomas “Qik” Knüwer fasst die Ereignisse hier zusammen. Und weil man sich so herrlich echauffieren kann, wenn man erstmal dabei ist, sei euch noch Johnny Haeuslers Pladoyer für ein Bezahl-SocialNetwork ans Herz gelegt.
