Wenn Mommert murmelt…
Menschen, Zeugs | Landau Media, Obama, PR Professional, Rassismus, Twitter, Uwe Mommert
…kommt leider nur Unsinn heraus. Mitunter rassistisch-gefährlicher Unsinn. Zumindest, wenn es um Twitter geht. Uwe Mommert (XING) ist Vorstand des Medienbeobachtungsdienstleisters Landau Media. In dieser Funktion ist er auch Mitherausgeber des Newsletters “PR Professional“, der leider weder durch echte Nachrichten (erscheint alle 2 Wochen) noch durch sonderliche Professionalität (wird auch gern mal unverlangt zugemailt) besticht.
In diesem Newsletter nun veröffentlicht Herr Mommert – nach Selbstbeschreibung “begeisterter Web 2.0-Fan” – eine Kolumne namens “Inside Web 2.0″. Zuletzt nahm er sich unter dem provokanten Titel “Verlierergezwitscher” den Microbloggingdienst Twitter vor. Der Beitrag langweilt den – zumindest einigermaßen Web 2.0-bewanderten – Leser nicht nur mit längst bekannten Fakten (“Führende Medien wie Spiegel und Welt kompakt zwitschern schon länger in dieser kollektiven Zeitvernichtungsmaschine vor sich hin.”) und wohlfeilen Pseudoaufregerfloskeln wie “belangloses Gebrabbel”, die eine gewisse Bruderschaft im Geiste mit dem Internet-Verächter der Süddeutschen Zeitung Bernd Graff (“Web 0.0 – Die neuen Idiotae“) vermuten lassen.
Null Erkenntnisgewinn und Berlusconiesquer Rassismus
Nein, der “leidenschaftliche Internet-User” Mommert schwingt sich noch zu ungeahnten Höhen der Erkenntnis auf, wenn er “kurzfristig überrascht” feststellt, dass Hessen-SPD-Wahlverlierer Thorsten Schäfer-Gümbel (Mommert schreibt falsch “Torsten”) während des Wahlkampfs Twitter nutzt, um kurze Eindrücke von der Wahlkampftour abzusetzen. Schäfer-Gümbel habe “sich da sicherlich aus den USA inspirieren lassen”, meint Herr Mommert und bringt die nächste Platitüde, die uns leider noch das ganze “Superwahljahr” lang begleiten wird. Man ahnt was kommt – Barack Obamas Internetwahlkampf.
Bis hierhin ist Uwe Mommerts Kolumne schlicht langweilig. Jetzt kommt aber der Schlussabschnitt, der meine Kinnlade der Schwerkraft überlies. Hier der Volltext, wieder mit Bezug auf Thorsten Schäfer-Gümbel:
“Nun bekommen wir Botschaften wie ‘Wir schützen gute Arbeit u.a. durch Mindestlöhne, Mitbestimmung und Innovation’ auch zugezwitschert. Aber: ein Twitter macht halt noch keinen Obama. Da reicht bei Schäfer-Gümbel auch eine Dauerkarte für das Solarium nicht.”
Was ist hier passiert? Der Vertriebschef eines Medienbeobachtungsunternehmens nutzt ein PR-Instrument für sein Unternehmen – denn genau das ist der “PR Professional” Newsletter – um sich und seinem Unternehmen den Anstrich eines Web 2.0-Experten zu geben, und schießt am Ende seiner “provokativen” Kolumne so über das Ziel hinaus, dass er dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi (“Obama ist jung, ansehnlich und sogar gebräunt”) zur Ehre gereicht. Selbst wenn Uwe Mommert die “Dauerkarte für das Solarium” als Metapher für den Einsatz von Social Media-Tools im Wahlkampf gemeint haben sollte, so ist sie doch so verunglückt und in der Konnotation latent rassistisch, dass sie eines Vorstands eines Dienstleisters für die PR-Industrie unwürdig ist. Seinem Unternehmen erweist Herr Mommert so einen Bärendienst.
Was die Abqualifizierung von Twitter als Zeitverschwendung betrifft, kann er ja seine Meinung behalten, wenngleich sie entgegen seiner Behauptung hier nicht von sonderlich ausführlicher Auseinandersetzung mit dem Medium zeugt (doch, er ist auch bei Twitter). Was mich außerdem erstaunt ist, dass der “offene Blogbrief” von Marc Pfeil zwar Mommerts Ansichten zu Twitter kritisiert, den geschmacklosen Solariumssatz aber nicht für kommentarwürdig hält.
Es ist also leider Gottes nicht überall Professionalität drin, wo “Professional” draufsteht.
Herr Mommert, wenn Sie jetzt mitgelesen haben, bin ich gespannt auf Ihre Erklärung für Ihren Fettnapf-Treffer!
PS: Die Website von “PR Professional” lässt Kommentar nur nach vorheriger Registrierung zu. Das ist sehr einsnullig und diskursfeindlich. Deshalb beziehe ich lieber hier Stellung und bin gespannt auf die Reaktionen.
