Die DPRG und das Web – Ein Trauerspiel
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Der PR-Beruf braucht eine Standesvertretung und die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG) möchte das sein. Der “Berufsverband aller PR-Fachleute in Deutschland”. Soweit, so nett und wichtig. Doch was der Verband sich in den letzten Tagen im Netz geleistet, bzw. versäumt hat, ist traurig. Deshalb kann ich leider nicht nett sein heute, obwohl ich selbst Mitglied in dem Verein bin.
Am vergangenen Freitagabend verlieh die DPRG in Wiesbaden den Deutschen PR-Preis. Alles wie immer, festlicher Rahmen im Kurhaus, mehr oder minder dolle Reden wie per Twitter zu erfahren war und ein Kardinal, der als “Kommunikator des Jahres” ausgezeichnet wurde. Vor Ort also das Übliche bei solchen Galas, im Netz aber Anachronismus pur.
Nicht nur dass da heute noch das “Jetzt online: Anmeldung zur Galaveranstaltung”-Bannerchen prangt, die Webseite war am Samstag noch immer nicht mit der Liste der Preisträger versehen. Auch zu dieser Stunde wird der Umstand, dass Karl Kardinal Lehmann den Preis erhielt nur mit einem Link zu einer vorgefertigten Pressemitteilung (als PDF) verkündet. Die Preisträger in den interessanteren Kategorien erfährt man in besagtem PDF erst nach viel Blabla auf Seite 4. Dafür gibt’s noch immer die Shortlist und die Preisträger von 2007 an prominenter Stelle zum Download. Wohlgemerkt, die Gala ist zur Stunde 4 Tage her!
Bei so viel Web-Inkompetenz bleibt es fast schon eine beiläufige Randnotiz, dass die Meldung mit den Preisträgern – ganz Old-School-PR-mäßig – schon zu Beginn der Veranstaltung um 19 Uhr ins Netz gestellt wurde. Wer sich mit seinem Handy die Mühe machte, auf der Gala kurz ins Web zu schauen, wurde also jeglicher Restspannung beraubt. Schade. Jedes von den auf der Gala anwesenden Herrschaften vertretene Unternehmen würde seine wichtigen Ankündigungen besser organisiert veröffentlichen. So viel Professionalität sollte man vom Berufsverband eigentlich auch erwarten dürfen.
Doch mit der versemmelten PR-Preis-Website ist es nicht genug. Heute flatterte ein E-Mail-Newsletter an die Mitglieder in die Inbox, in dem den “sehr geehrten Mitgliedern” geheißen wird:
“Gratulieren auch Sie Ihrem Berufsverband, der Deutschen Public Relations Gesellschaft e.V., zum 50. Geburtstag. Gratulieren Sie, indem Sie ein Gratulations-Banner in Ihre Internetpräsenz einbinden und mit www.dprg.de verlinken. Wählen Sie sich ein geeignetes Banner aus.”
Abgesehen davon, dass so viel Befehlston noch nichtmal einem schlechten Callcenter über die Lippen käme, sind die angebotenen Banner auch noch grottenhässlich. Hier eine Kostprobe.
Die “Wir”-Form zieht sich durch alle Bannerformate. Als Einzelperson mit einem eigenen Blog möchte ich diese Majestatis-Tuerei aber nicht haben (selbst wenn ich das Banner schick fände).
Es ist schon bitter, dass ein Berufsverband professioneller Kommunikatoren in der eigenen Öffentlichkeitsarbeit so wenig Professionalität an den Tag legt – nach innen wie nach außen. Natürlich darf man mir jetzt “mach doch selber” vorhalten und sich wiederum über meinen Frustausbruch ärgern, aber auch damit kann und muss ein Verband rechnen, gerade in Zeiten des schnellen Mitmachnetzes, das er selbst noch immer als Verlängerung einer Hochglanzbroschüre mit digitalen Mitteln begreift. Hier geht Kommunikation leider nicht “weiter”, wie der Jubiläumsclaim es gern hätte, sondern schnurstracks zurück in die Web-Vorzeit. Zum 50jährigen hätte ich mehr erwartet.
Alsdann, her mit den Gegenargumenten!