Wo ist die Leidenschaft? (Nachgedanken zur 1. Frankfurter networking nite)
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Dass PR-Leute untereinander allein schon von Berufs wegen furchtbar gut untereinander vernetzt sind, halte ich für ein Gerücht. Sonst bräuchte es nicht solche Veranstaltungen wie die heutige “networking nite”, die in den Räumen der Agentur JP/KOM im Herzen von Frankfurt stattfand. Die DPRG-Junioren und die Organisatoren von JP/KOM hatten eingeladen zu einem Netzwerkelabend und gut 30 Leutchen kamen. Das zeigt, dass Bedarf für solche Veranstaltungen da ist, und die PR-Szene in Frankfurt das gut gebrauchen kann.
Das Impulsreferat kam von Bettina Wengenroth (XING), Personalberaterin bei GK Unternehmens- und Personalberatung, einem der Handvoll relevanter Headhunter für die Branche in Deutschland. Während das Oberthema “strategische Karriereplanung in der PR” offensichtlich ein Gutteil des meiner Einschätzung nach recht berufsfrischen Publikums lockte, beschlich mir im Laufe der Diskussionrunde ein komisches Gefühl, dem eine Teilnehmerin im Anschluss im Gespräch mit mir Kontur verlieh. Sie sagte sinngemäß: “Bei den Fragen kam ja ein Thema so gar nicht auf. Nämlich, ob einem der Job auch Spaß macht. Verlässt sich denn niemand mehr auf’s Bauchgefühl bei der Berufsentscheidung?”
Und das trifft die Sache ziemlich auf den Punkt. Klar, man kann selten einen Personalberater so mit Fragen löchern wir heute abend. Einstieg, Gehalt, Wechsel zu anderen Agenturen oder auf die Unternehmensseite, verdienen Frauen weniger als Männer, was ist mit der Babypause, welche Spezialqualifikationen braucht man, all diese Dinge sind schön und wichtig zu wissen. Aber bei keinem einzigen Fragesteller kam so etwas wie Begeisterung für den eigenen Beruf durch. Niemand fragte sowas wie “Woran erkenne ich eine Agentur, in der ich gerne arbeiten würde?” oder “Wie finde ich ein besonders kreatives Umfeld, in dem ich schnell dazulerne?”. Alle Fragen waren doch sehr zweckmäßig-nüchtern, berechnend fast. Es hätte keinen großen Unterschied gemacht, ob im Publikum Ingenieure oder Juristen gesessen hätten. Leidenschaft für den PR-Beruf war nicht zu spüren.
Das ist schon fast enttäuschend, spiegelt aber das wider, was ich im Rahmen des Berufseinsteiger-Recruitings bei meinem Arbeitgeber Hotwire erfahren habe. Kaum jemand brennt drauf, ein guter Kommunikationsberater zu werden. Für die allermeisten Bewerber ist es ein Job. Mehr nicht. Ich frage mich, wie man langfristig in diesem Beruf glücklich werden kann, wenn man nicht eine gewisse Begeisterung für die Aufgaben und Herausforderungen des Beraterdaseins, bzw. des Kommunikationsfachmenschen mitbringt. Schließlich wird viel verlangt, viel gearbeitet, im Vergleich zur Unternehmensseite wenig verdient. Also muss es sich doch anderweitig lohnen! Durch Abwechslung, ständig Neues, dazulernen, hineindenken in komplexe Aufgaben und diese kreativ lösen zu können. Das gibt doch den Kick, oder nicht?
Ich bin in die PR gegangen, weil ich in diesem Beruf die Chance sehe an den Schnittstellen von Unternehmensführungen und Öffentlichkeiten, von Medien und Machern, von Interessengruppen und Konsumenten, letztlich von Menschen zu Menschen eine gestaltende, Vertrauen bildende und kreativ-beratende Rolle einzunehmen. Diese Vielfalt bietet kaum ein anderer Job, in kaum einem anderen Beruf gibt es soviel Spannung. Die Medienwelt wandelt sich, die Unternehmen wandeln sich mit und ich kann mitmachen, wenn es diesen Wandel zu gestalten gilt. Großartig! Aber das geht nur mit Leidenschaft, die Karriere entsteht dann (fast) von allein. Aber wo ist sie hin, die Leidenschaft?