media coffee: Medienzukunft ohne Kunden?
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Gerade zurück vom news aktuell media coffee im Frankfurter Kommunikationsmuseum. Thema war heute “Im Sog des Internets – Was bleibt übrig von Print, TV und Radio?”. Im Panel ein Vertreter der Öffentlich-rechtlichen, zwei Print-Leute (FAZ und FR), ein Radio-Mann von FFH und als Störfeuer eingeladen, Peter Turi.
Was mich nach 20 Minuten schon störte, war die in den Fachmedien seit Monaten vorgetragene Abgrenzungsparanoia von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und den Printleuten. FAZler wie FRler finden, ARD/ZDF gingen im Netz zu weit. Sie holen sich Schützenhilfe aus Brüssel (als ob man sich sonst gern regulieren ließe!) und hoffen auf die Weisheit der Ministerpräsidenten, wenn sie in Kürze das Gesetznamensmonster “Rundfunkänderungsstaatsvertrag” abschließend verhandeln. Während FAZ-Mann Trevisan als Ausweg eine nebulöse “Vertikalisierung” und eine Stärkung der Marke FAZ ins Feld führt und der FR-Chefredakteur Vorkötter die regionale Kompetenz und die Experimentierfreude seines Blattes vor sich her trägt, will der ZDF-Vertreter umgekehrt auch eine Distanz von den Printleuten. Leider gibt es zunächst niemanden, der mal fragt, was eigentlich die Zuschauer/Hörer/Leser, mithin die Kunden (!) wollen.
Nichtmal Peter Turi bricht in der Situation eine Lanze für uns, die medienkonsumverändernden Augen- und Ohrenträger mit denen man – das ist unüberhörbar – doch ins Geschäft kommen will. Turi sagt das Erwartbare, dass er mit seinem dezentral organisierten Mediendienst natürlich viel schlanker ist, als die trägen Printler und dass sein Blog gerade mal € 3,90 im Monat kostet.
Der Einzige, der mehr Offenheit und Optimismus zeigt, ist der Nischenmann Hillmoth, Geschäftsführer beim hessischen Privatradio FFH. Er sieht – endlich – im Web auch Chancen und gibt sich demonstrativ offen für’s ausprobieren mit dem Netz, mit Communities, Foren, Bildern, Videos. Davon ist auf der unübersichtlichen Site des Senders nur schwer etwas zu finden. Aber derzeit kann man ja froh sein, wenn jemand den Willen zum Spiel mit den Möglichkeiten mitbringt.
Die Fixierung der Panelisten auf ihre “Qualitätsinhalte” (FAZ) und “Marken” (FAZ, ZDF) verengt, so war zu spüren, den Blick noch immer auf herkömmliche Finanzierungsmodelle und deren Metriken. Wie man vielleicht seine Angebote so gestalten könnte, dass sie den veränderten Medienkonsumgewohnheiten entgegen kommen und dem Nutzer/Leser/Zuschauer/Multi-Aggregator das Leben einfacher und die Medienangebote konsumierenswerter machen, diese Einsichten fehlten ganz. Niemand sprach von RSS, niemand von embeddable Video, niemand von Creative Commons, geschweige denn Blogs für Leser auf einer Community-Plattform unter dem Dach einer etablierten Medienmarke. So bleibt der Eindruck haften, der Kunde sei nur ein Nachgedanke.
Das wäre wirklich traurig, wenn nicht zum Schluss nicht noch ein bisschen Vision ins Spiel gekommen wäre. Da hielt nämlich Peter Turi sein iPhone in die Höhe, empfahl es dem Publikum mit wärmsten Worten und meinte, wer das neue, junge, andersmediale Publikum verstehen und erreichen wolle, müsse sich mit dem mobilen Internet beschäftigen. Recht hat er.
Vielleicht ist es zuviel erwartet, dass Verlagsprofis heute schon Lösungen präsentieren. Aber wann, wenn nicht jetzt sollen sie es denn tun? Vielleicht ist es wirklich der von Turi gelobte Holzbrinck-Ansatz, sich die Web-Kompetenz einfach einzukaufen und dann zu probieren, was geht, der letztlich zum Ziel führt. Eine spannende Zeit ist es allemal.