16Mai

Generation Why?

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Wenn auf Konferenzen wie der Next08 gestern über Trends gesprochen wird, geht es stets um die Veränderungen, die das neue, interaktivere, breitbandigere Netz in Business und Gesellschaft so mit sich bringt. Steve Rubel spricht von Micro-Audiences, Stowe Boyd propagiert den „Flow “ als neuen Bewusstseinszustand, der helfen soll, mit dem Informationsüberfluss zu leben und Sören Stamers Coremedia vollzieht seit über einem Jahr einen nach seinen Worten sehr erfolgreichen Wandel vom 1.0-Unternehmen zum offeneren, kreativeren und effektiveren 2.0-Unternehmen.

Bei alledem schwingt immer mit, dass wir Web-Menschen der ersten Generation sehr flexibel bleiben müssen, um mit der Generation Y , den heutigen Teenagern, in Zukunft mithalten zu können. Diese Generation saugt das Web und seine neuen Möglichkeiten, die engmaschigere Vernetzung, die (begrenzte) Offenbarung von Privatem, die schnelleren und mobileren Kommunikationsoptionen ja bekanntermaßen mit der Muttermilch auf. Das Web 2.0 ist bei ihnen genetisch vorprogrammiert und das Web 3.0 wird von den Youngen in nicht allzu ferner Zukunft erfunden werden. Was auch immer das dann sein mag.

Das klingt alles sehr einleuchtend und aufregend und wird Marketing- und Kommunikationsleuten eine Menge nach-, mit- und vordenken abverlangen, damit sie ihre Ziele auch in Zukunft erreichen können. Es ist also absolut richtig und notwendig, sich mit diesen Trends und der Generation Y zu beschäftigen. Einfach wird es sicher nicht, weil sich das ohnehin schon viel zu simple Schema von Sender und Empfänger, wenn es denn je als Wirkmodell von Unternehmenskommunikation gültig gewesen sein sollte, gerade in Luft auflöst.

Was in dieser Debatte aber komplett unter den Tisch fällt ist die Tatsache, dass das Gros der Bevölkerung nun mal nicht Generation Y ist, sondern deutlich älter. Sie sind nicht dauervernetzt und nicht Teil der globalen und vergleichsweise wohlhabenden Web-Elite, sondern ganz normale Leute, die mit DSL 1.000 zu Hause komplett happy sind, weil sie damit ihre Reisen buchen können und mit Freunden und Verwandtschaft in Kontakt bleiben. Online-Banking ist für diese Menschen schon das höchste der Gefühle und dazu haben sie sich auch nur durchgerungen, weil es weniger Gebühren kostet.

So lange 40% der deutschen Bevölkerung keinen Internet-Zugang haben, solange nur ein Bruchteil der Menschen Blogs, Social Networks, Video-Portale, Community-Funktionen auf den Webseiten von Zeitschriften und all die anderen Neuerungen allerhöchstens vom Hörensagen kennen – so lange dürfen sich Kommunikatoren nicht der Illusion hingeben, sie könnten von heute auf morgen bewährte und wirkungsvolle Werkzeuge des Marketing und der PR aufgeben.

Bleibt der Veränderungsdruck auf die ältere Generation. Fragt sich eigentlich irgendjemand, was die älteren Spätstarter unter den Netzusern eigentlich wollen? Wie können wir uns sicher sein, dass sie mehr wollen als E-Mail und dem „Alone in the Library“-Gefühl des Web 1.0, das Stowe Boyd auf der Next08 beschrieb? Ich glaube, die Hemmschwelle, sich so im Netz zu offenbaren wie es wir Twitterati und Blogautoren und Social Networker tun, ist für jemanden, der das Netz jenseits des 50sten oder 60sten Lebensjahrs entdeckt, enorm hoch. Diese Generation fragt sich warum sie das alles braucht, bevor sie überhaupt auf die Idee kommt zu fragen, wie es genau funktioniert. Die „Generation Why?“ umarmt Neues im Netz nicht einfach weil es neu ist, sondern sie will den persönlichen Nutzen erklärt bekommen, bevor sie loslegt.

Während Profikommunikatoren also rätseln, wie sie mit den jungen Springern Schritt halten können und sie mit ihren Marketing- und PR-Botschaften erreichen, wird eine große, zahlungskräftige Zielgruppe als Netzpublikum komplett ignoriert. Dabei heißt es doch allenthalben, die Generation 50+, die „Silver Surfer “ (nicht die Comicfigur !), seien so attraktiv für Markenartikler, weil sie Zeit und Geld haben. Neue Erkenntnisse bot die Next08 in dieser Hinsicht nicht. Ist das ein Zeichen der Überheblichkeit einer jugendfixierten Branche? Oder vielleicht ein Zeichen des inneren Wunsches ergrauter Web-Pioniere wie Rubel und Boyd, selbst länger jung zu bleiben, weil sie aufgrund ihrer privilegierten Position dieselben Tools nutzen können, wie die Y-Generation?

Wer traut sich, die Kernfrage der „Generation Why?“ zumindest mal im Ansatz zu beantworten? Welches Unternehmen schafft es, die Möglichkeiten des „Next Web“ (Boyd) den Grauhaarigen so überzeugend zu erklären, dass sie mit Freuden ihr Geld bei all den neuen, bunten Angeboten lässt?

16Mai

Next out

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Diese Szene, Branche, Industrie, oder wasauchimmer ist schon erstaunlich. Nachdem ich einige Jahre beruflich sehr B2B-lastig PR gemacht habe, prasseln seit meinem Wechsel auf die „Digital Media“-Seite vor gut einem halben Jahr so viele Eindrücke auf mich ein, dass ich gar nicht weiß, wo das alles vorher war. Beispiel Next08 . Ich habe eben auf der Bahnfahrt zurück von Hamburg die gesammelten Visitenkarten gesichtet und bin auf über 30 gekommen. Darunter natürlich ein paar Journalisten, man sagt eben Hallo. Aber vor allem ein ganzer Haufen von Leuten, mit denen man eben gesprochen hat, weil sie gerade neben einem saßen oder an der Bar oder am Buffet anstanden.

Die Next08 war ein einziger brummender, zischender, rauchender, dampfender Kontakthof für Menschen, für die Kontakte mit das wichtigste sind. Große Neugier nach Neuem, gepaart mit einer unkomplizierten, duzenden Offenheit für jeden, der eben grade in der Nähe war. Das ist eine Eigenschaft, die ich in den B2B-jahren auf Events wie der CeBIT nie kennengelernt habe.

Angenehmer Nebeneffekt des Next08-Besuchs: mehrere Interessenten für unsere Agenturarbeit, ohne dass ich groß „verkaufend“ unterwegs gewesen wäre. Ja, und natürlich ein Einblick in Kosmars Tanzstil, aber das ist eine andere Geschichte…

Update : Natürlich gab’s auch Vorträge, Panels, Startup-Präsentationen und eine Party (mit einem sehr lustigen "Live-Chat"-Projekt ), die letztlich von der zusehends genervten Security nach 2 Uhr immer schneller zusammengeschrumpft wurde, aber darüber haben Thomas Knüwer , Felix , Nico , Julius Endert , und CDV! schon reichlich geschrieben.

15Mai

Next in

Kategorie Events | TAGS

Die next08 ist so gepackt voll, dass die Luft schlecht wird, die Sonne tut ihr übriges zur Verschärfung der Lage, aber hey, heute ist Hamburg der Ort, an dem man sein muss. Ich habe hier in 2 Stunden schon mehr interessante Leute getroffen, als auf einer Messe wie der CeBIT an 5 Tagen. Wenn das mal kein guter Start ist…

10Mai

Feedhygiene

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Nein, ich muss nicht alles gelesen haben. Mein Feedreader zeit grob überschlagen vielleicht 70 Feeds. Jetzt gerade 18630 ungelesene Posts. Kann ich das alles lesen? Jetzt über’s Pfingstwochenende vielleicht. Aber will ich das alles lesen? Nö. Müssen schonmal gar nicht.

Bei Robert ging’s gestern heiß her zum Thema “Schweiger”, also Leute, die Blogs zwar lesen, aber nicht kommentieren. Ich bin ja schon froh, wenn ich mit meinem für’s Blogs lesen und gelegentlich mal selbst schreiben verfügbaren Zeitbudget überhaupt dazu komme, mehr als die Überschriften zu scannen. Kommentieren ist mir da ehrlich gesagt oft zu mühsam.

Das Grundproblem der Beschäftigung mit Blogs, gerade wenn man es aus privaten und professionellem Interesse tut, ist, dass man nie das Gefühl hat vollständig informiert zu sein. Immer gibt es jemanden, den man vielleicht doch auch lesen sollte, weil er was interessantes gesagt, oder knackig kommentiert hat. Es gibt auch innerhalb der deutschen Blogosphäre so viele Quervernetzungen, die suggerieren, dass man jeden irgendwie kennen sollte – zumindest sein Blog und seinen Twitter-Feed, um überhaupt einigermaßen Bescheid zu wissen, was läuft. Das geht so nach dem Motto, “liest du Basic Thinking, musst du auch Spreeblick lesen, und liest du die, kommst du an Netzpolitik nicht vorbei und dann auch nicht an Indiskretion Ehrensache”. Und so dreht man sich im Kreis, die Alphanasen bekommentieren und verlinken sich gegenseitig an die Spitze bei Rivva. Und schon ist man im Hintertreffen.

Muss ich bei dem Spiel mitmachen? Will ich auch bei Rivva die Themen setzen oder zumindest unter den ersten 5 Reaktionen auf die Top-Themen dabei sein? Brauche ich das für meinen Traffic, für mein Ego? Nicht wirklich. Und doch zucke ich zusammen, wenn ich tagsüber im Büro meinen Blick über die Feeds schweifen lasse und ein Thema entdecke, das mir persönlich am Herzen liegt. Nur genau dann habe ich in 98% der Fälle keine Zeit, um zu kommentieren oder selbst zu schreiben. Mist. Also vertage ich das auf abends, aber da habe ich dann noch Sozialkontakte im echten Leben und der Post wird auf morgen verschoben und auf übermorgen und dann nicht geschrieben, weil andere alles schon drüber gesagt haben.

Die Themen, die allein heute durch den Äther gingen, die ich gern kommentiert hätte waren zum Beispiel das Hamburger Gerichtsurteil zur “Verbreiterhaftung” (ganz übler Unsinn), auf das mich Mike sogar per Twitter gestoßen hat, oder auch die brillianten Einsichten von Jeff Jarvis zum Journalismus im Internet-Zeitalter, die uns der Elektrische Reporter näherbringt. Habe ich aber nicht. Meine Feeds sind ja noch nichtmal gelesen.

Dass das so nicht funktionieren kann liegt auf der Hand. Deshalb ist jetzt Feedhygiene angesagt. Die Spannenden ins Töpfchen, die guten ins Kröpfchen, und die langweiligen werden gelöscht. Ein Frühjahrsputz im Reader bringt frische Luft und neue Ideen. Soweit die Theorie. Mal sehen wie die Praxis wird.

Nachtrag am 11.5.: Mir fiel heute ein, dass Mike das Thema “Warum bloggst du das nicht?” vor kurzem auch mal kommentiert hatte. Vielleicht starren wir tatsächlich zu sehr auf das, was sich binnen Stunden durch die vielgelesenen ( und -verlinkten) zum “Thema des Tages” entwickelt und dazu dann mehr oder minder reflektierten Senf abzulassen, statt uns die Zeit zu nehmen, eigene Themen und Thesen zu entwickeln. Lenkt Speedbloggen vom Nachdenken ab?

9Mai

Hotwire stellt ein!

Kategorie Unternehmen | TAGS , , ,

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Mal ein Post in beruflicher Sache. Hotwire sucht ab sofort Verstärkung für die Teams Telekommunikation und Applications & Services. Gefragt sind Hochschulabsolventen mit etwas PR-Vorerfahrung, die als Trainee in eine internationale PR-Karriere einsteigen möchten und Juniorberater mit 1-2 Jahren Berufserfahrung, die eine neue Herausforderung in einem spannenden Umfeld suchen.

Die Stellenausschreibungen findet sich unter anderem hier, und hier, und hier. Und auf der Hotwire-Homepage natürlich auch. Viel Erfolg!

PS: Und wer jetzt denkt, “Och, in Frankfurt, ach nee, lass mal!” sollte sich trotzdem bewerben und sich überraschen lassen. Ich lebe schließlich auch schon seit über 5 Jahren hier und es ist viieel besser, als Frankfurts Ruf!